Pädagogische Null mit Hang zum Peinlichsein

Hagen-Mitte..  In Düsseldorf wurde er geboren. Aha, ein Rheinländer – vielleicht ist er deshalb so lustig. Ja, nicht unterhaltsam oder kurzweilig, schlichtweg lustig. Und das Publikum lacht. Oft und laut.

Jan Weiler, 47, wirkt wie ein Lausbub. Ein erwachsener Lausbub. Und das Publikum glaubt ihm jedes Wort, wenn er sagt: „Erziehen kann ich nicht. Ich bin eine pädagogische Null.“ Doch dann fügt der Journalist und Autor spitzbübisch grinsend an: „Aber ich bin ein super Droher.“ Womit der Verfasser des bekannten Romans „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ droht? Damit, ohne anzuklopfen ins Zimmer seiner 16-jährigen Tochter, die Besuch von Freunden hat, zu treten, um im Rapper-Jargon zu stammeln: „Ich, dein Vater, bin ein echt cooler Checker.“

Jeder, der ein Kind zwischen 10 und 18 Jahren hat oder kennt, kann sich vorstellen, dass es für einen Teenager nichts Peinlicheres auf der Welt gibt. Und im Publikum scheinen viele zu sitzen, die sich besagte Situation nur allzu gut vorstellen können . . .

Der 1983 von Düsseldorf nach München und 1998 dann weiter an den Starnberger See gezogene Jan Weiler setzte gestern Abend den Schlusspunkt der Literaturtage. „Das Pubertier“ heißt sein Buch, das seit 54 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste steht. Sein neuester Roman „Kühn hat zu tun“ ist seit sieben Wochen auf dem Markt. Er habe noch nie eine Lesung eines Kollegen besucht, sei noch nie im Kabarett gewesen, sagt Weiler, „dazu hab’ ich einfach keine Zeit“. Fünf Monate im Jahr ist er auf Lese-Tour, die übrige Zeit schreibt er Kolumnen, Bücher und spielt Schlagzeug – „um die Birne frei zu bekommen“. Und er studiert seine Kinder.

„Ich ärgere so gern mein Pubertier. Sie auch?“, fragt er verschmitzt ins Publikum. Dann liest er Textpassagen über das morgendliche Aufsteh-Drama seiner Kinder und über Hilferuf-Telefonate („Papa, das ist ein Notfall: Ich muss bis morgen ein Referat über Belgien abgeben.“) Er erzählt von seiner Frau Sarah, einer Halb-Italienerin, von traumatisierenden Elternabenden und sexualpädagogischen Workshops. Und er gibt den Zuhörern einen wertvollen, da wahren Ratschlag mit auf den Weg: „Beginnen Sie ihr Gespräch mit Ihrem Kind nie mit dem Satz ,Als ich in deinem Alter war. . .’“