Otto von Bismarcks Spuren in Schwerte

Schwerte..  Zum 200. Mal jährt sich am heutigen Mittwoch der Geburtstag des langjährigen Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck. Der Hennener Friedhelm Arno Berthold rettete einst eine Büste des Mannes vor dem Schrotthändler, der als Gründer des deutschen Nationalstaates in die Geschichte einging. Außerdem erinnert er sich, dass der Name Bismarck zu seiner Jugendzeit überall in Schwerte präsent war.

Damals besuchte der heute 82-Jährige die Bismarckschule, die an der Stelle der heutigen Volksbank an der Kuhstraße stand. „Davor stand eine Bismarckeiche, um die meine Mutter als Mädchen vor dem Ersten Weltkrieg schon Ringelreihn gespielt hatte“, berichtet Friedhelm Arno Berthold.

Auch eine Bismarckstraße habe es bis 1945 gegeben – es handele sich um die heutige Kantstraße in der Innenstadt. „Mit der damaligen Sedanstraße und der Weißenburger Straße wurde an den Frankreich-Feldzug von 1870 bis 1871 erinnert, nach dessen Beendigung Bismarck als Kanzler die Einigung Deutschlands vollendete.“ Das habe Berthold im Heimatkundeunterricht erfahren. Nach dem Krieg sei allerdings eher zu hören gewesen, dass Bismarck die Sozialisten bekämpft habe.

Der „Eiserne Kanzler“, wie Bismarck bisweilen auch genannt wird, gilt bis heute zum einen als umstrittene, andererseits als eine der schillerndsten Persönlichkeiten deutscher Geschichte. Nach seinem Tod 1898 entstand ein anhaltender Kult um seine Person. Bismarck-Vereine gründeten sich, Denkmäler und Türme wurden ihm zu Ehren errichtet.

Ein frommer Mann

„Die konservativen Bürger hatten vor dem Ersten Weltkrieg in ihren Wohnungen vielfach Bismarck-Bilder neben den Kaiserbildern hängen. Wer es sich leisten konnte, hatte eine Bismarck-Büste“, erzählt Berthold. „Wenn wir nach unserem Abitur 1953 zu dem Jahrestreffen zusammenkamen, hing beim Gastwirt Hubert Pferdekämper in der Gesellschaftsstube auf schwarzem Samt und im Eichenrahmen noch eine solche Büste.“

Nur konservative und fromme Protestanten hätten an dem ehemaligen Reichskanzler festgehalten, denn Bismarck sei durch seine Frau ein frommer Mann geworden, der bis zu seinem Tode die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine gelesen habe – eine Sammlung kurzer Bibeltexte einer aus der böhmischen Reformation entstandene, überkonfessionelle, christliche Glaubensbewegung.

Vor 60 Jahren, bei der Auflösung einer Wohnung an der Kampstraße, rettete Friedhelm Arno Berthold eine bronzierte und 2,5 Kilogramm schwere Eisenguss-Büste mit dem Konterfei des ehemaligen Reichskanzlers vor dem Schrotthändler. Büsten wie diese habe es einst zu Hunderten gegeben. Heute tauche nur ganz selten noch ein Exemplar auf einem Flohmarkt auf. „Sie sind selten in Antiquariaten aufzutreiben, zu Preisen, die sich die Besitzer vor 120 Jahren nicht hätten vorstellen können.“

Vor vier Jahren begab sich der 82-jährige Hennener noch einmal auf die Spuren Otto von Bismarcks: „Als wir zu unserer Studentenzeit unter der Bismarck-Büste unser Bier tranken, hätten wir uns nicht träumen lassen, bei einem Klassentreffen 2011 in Friedrichsruh an seinem Grab zu stehen und im benachbarten Museum neben den ‚Täglichen Losungen‘ mit seinen handschriftlichen Bemerkungen, auch seinen riesigen Umhang und die großen Kürassierstiefel zu sehen“, erzählt Berthold. „Otto von Bismarck war immerhin 1,93 Meter groß.“