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Osthaus und der Folkwang-Impuls - Als Hagen Weltkunstzentrum war

18.10.2012 | 18:11 Uhr
Blick auf das Gemälde „Der Auserwählte“ von Ferdinand Hodler im Hagener Osthaus-Museum aus der Perspektive der Skultpur „Jephtas Tochter“ von Milly Steger.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   1902 hatte der Sammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus das Museum Folkwang in Hagen gegründet - das weltweit erste Museum für zeitgenössische Kunst. Später zog das Museum nach Essen um. Nun widmet das Osthaus-Museum in Hagen dem Folkwang-Impuls eine umfassende Ausstellung.

Kunst ist mehr, als ein paar Bilder an die Wand zu hängen. Kunst soll das ganze Leben bereichern - vom Gebrauchsgegenstand bis zur Stadtplanung. Diese Vision des Hagener Sammlers und Mäzens Karl Ernst Osthaus ist bis heute fruchtbar. Seinem Folkwang-Impuls widmet das Osthaus-Museum jetzt eine umfassende Ausstellung. Sie stellt die wechselvolle Geschichte des Museums selbst zur Diskussion und hat gleichzeitig den Anspruch, das Bild von Osthaus als dem berühmtesten Sammler französischer Impressionisten zu erweitern. Anlass ist das Erscheinen des ersten Museums-Katalogs im Jahr 1912.

Die Fakten sind spannend: Der Bankierssohn erbte drei Millionen Mark und beschloss, mit diesen Mitteln seine Heimatstadt Hagen zu einem Zentrum moderner Kunst zu machen. 1902 gründete er das Museum Folkwang, das weltweit erste Museum für zeitgenössische Kunst und mehr noch – das erste Weltkunstmuseum. 1922 verkaufte seine Familie das Museum Folkwang nach Essen, nachdem Osthaus 1921 gestorben war. Hagen konnte trotz aller Anstrengungen den Kaufpreis von 15 Millionen Mark nicht zahlen.

Der Folkwang Impuls

Osthaus kaufte mutig "Rinnsteinkunst"

Unter glücklicheren Umständen wäre also Hagen heute die Stadt der Renoirs, van Goghs, Cézannes und Gauguin. Doch dieses Trauma will Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin nicht kultivieren. Ihm geht es darum, zu zeigen, wie vielfältig der Folkwang-Impuls begründet ist. Und natürlich soll deutlich werden, wie mutig Osthaus war, als er gegen die Empfehlungen seiner Berater junge französische Kunst kaufte; die „Rinnsteinkunst“, wie Wilhelm II. es ausdrückte.

So lädt die Ausstellung zu einer oft überraschenden Entdeckungsreise durch alle Räume im Alt- und Neubau ein, spielt mit dem Konzept des Museums als Wunderkammer und ist manchmal auch Kuriositätenkabinett. Die Schmetterlinge in der großen Halle bestechen durch Farben, wie kein Maler sie erzeugen kann. Ursprünglich wollte Osthaus eine naturwissenschaftliche Sammlung aufbauen. 7000 Schmetterlinge und 45.000 Käfer besaß er, sie sind verschollen.

Die Hagener Aphrodite

Auf Reisen wurde zudem sein Interesse für außereuropäische Kunst geweckt. In der Neuen Galerie sind diese Reise-Schätze versammelt, als Leihgaben des Essener Folkwang-Museums. Kurator Dorsz gerät ins Schwärmen, wenn er auf die Hagener Aphrodite zeigt, eine Marmorstatuette aus dem 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus: „Die ist in Essen seit den 1960er Jahren nicht mehr zu sehen gewesen. Sie wird nach unserer Ausstellung ein Hauptstück im Haus.“

Das Osthaus-Archiv bildet das Herz der Schau; hier wird deutlich, wie intensiv die Aufbruchstimmung dieser Jahre strahlte. Heinrich Mann zum Beispiel bestätigt den Erhalt eines Vortragshonorars. „Die Korrespondenz verrät eine unglaubliche Urbanität, und es ist unglaublich, wie dieses Netzwerk sich in Hagen bündelt und wie sehr Hagen Impulse aussendet in andere Städte“, begeistert sich Dorsz.

400 Rohlfs-Werke gingen verloren

Natürlich bilden die Hauptwerke der heutigen Sammlung die Ankerpunkte, darunter Ferdinand Hodlers „Der Auserwählte“, dessen geplanter Verkauf zur Sanierung der leeren Stadtkasse Schlagzeilen machte. Der wunderschöne Renoir, eine Schenkung von Fritz und Hildegard Berg, erinnert daran, dass Osthaus eine Hagener Sammlungskultur begründete, die bis heute nachwirkt. Die exquisiten Meisterwerke der klassischen Moderne, die Herta Hesse-Frielinghaus nach 1945 erwerben konnte, zeugen von einem erfolgreichen Neustart.

Dazwischen klafft eine Zeit, die für die meisten Museen heute voller Peinlichkeiten und ungeliebter Depotwerke ist. Unter den Nazis wurde das Haus in „Städtisches Sauerland-Museum“ umbenannt, was keineswegs als Kompliment zu verstehen ist. Vorher war 1930 ein Christian-Rohlfs-Museum errichtet worden. Der Name ließ sich nicht halten, da die Nazis den großen Maler als entartet diffamierten. 400 Rohlfs-Werke gingen in Hagen verloren, „es wurde auch geplündert“, sagt Belgin.

Der Folkwang-Impuls wirkt nach. Belgin: „Der Dialog der Kulturen ist für das heutige Osthaus Museum Hagen programmatisch. Im Sinne unseres Gründers führen wir die Vermittlung zeitgenössischer Kunst ebenfalls fort.“

Ausstellung: Der Folkwang Impuls. Vom 21. Oktober bis 13. Januar im Osthaus Museum Hagen. Information im Internet www.kunstquartier-hagen.de Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (19,90 Euro). Außerdem legt das Museum den Jubiläumskatalog von 1912 neu auf (4 Euro).

Monika Willer



Kommentare
21.10.2012
08:24
Osthaus und der Folkwang-Impuls - Als Hagen Weltkunstzentrum war
von spatzenfreund | #2

hagen - das tor zum sauerland. "stadt der fernuniversität" sowie die schließung von büchereien mangels masse schließen sich wohl gegenseitig aus. hauptsache, mann macht markige sprüche! auf wen sind wir da hereingefallen?

19.10.2012
12:28
Osthaus und der Folkwang-Impuls - Als Hagen Weltkunstzentrum war
von altesholz | #1

"städtisches sauerland-museum!"? hier seht zu lesen, dass die nazis das museum in osthaus-museum umbenannt haben. der museumsname stammt von den nazis. soll das unterschagen werden?
http://www.historisches-centrum.de/index.php?id=109
was stimmt denn nun?

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