Oberbürgermeister muss Thema Wohnen zur Chefsache machen

In 16 Folgen habe wir als Stadtredaktion das Thema Wohnen in Hagen von allen Seiten beleuchtet. Wie lautet unsere Fazit?


Hagen kann zum Wohnen ganz wunderbar sein. Wir haben Menschen besucht, die an herrlichen Ecken wohnen. Wir haben mit viel Natur tolle Rahmenbedingungen. Und wir haben einmal mehr festgestellt: Der Hagener hängt an seinem Quartier. Wir mögen eine Großstadt sein, aber die Nachbarschaft zählt unheimlich viel. Die Mieten sind erschwinglich, das Bauland auch.


Hagen hat aber auch ganz erhebliche Probleme mit verwahrlosten Wohngebieten. Mit einer hohen Leerstandsquote – viel höher als in den meisten Nachbarstädten. In Hagen bricht teilweise die Infrastruktur weg. Und die vielen Menschen mit Migrationshintergrund in Hagen konzentrieren sich oft auf bestimmte Teile der Stadt.


Und vor allem: Hagen hat keinen Plan. In der Stadtverwaltung genießt das Thema keine Priorität. Natürlich gibt es finanzielle Zwänge, natürlich gibt es dadurch auch personelle Engpässe. Aber Wohnen gehört zu den wichtigsten Daseinsfunktionen für Menschen. Wohnen betrifft jeden – jeden einzelnen.


Es ist gut, dass Oberbürgermeister Erik O. Schulz erkannt hat, dass dem Thema mehr Beachtung geschenkt werden muss, dass er mehr Initiativen ergreifen und Ressourcen zur Verfügung stellen will. Aber diesen Ankündigungen müssen auch Taten folgen. Ein OB muss nicht alles zur Chefsache machen. Beim Thema Wohnen sollte es aber so sein. Denn am Dreiklang aus guten Wohnbedingungen, ausreichend (qualifizierten) Arbeitsplätzen und einer guten Bildungs-Infrastruktur entscheidet sich die Zukunft Hagens: Nur wenn es bei diesen drei Aspekten bergauf geht, werden wir junge Familien halten und auch neue gewinnen können.


Auch das Finanz-Argument zählt nur sehr bedingt. Um eine attraktivere Wohnsituation zu schaffen, muss die Stadt nicht große Summen in die Hand nehmen. Es ist viel wichtiger, das Thema zu besetzen, die Akteure an einen Tisch zu holen, einen Gesamtplan zu erstellen und bau- und planungsrechtliche Voraussetzungen zu schaffen. Und dann das Potenzial dieser Akteure nutzen. Hagens Wohnungsunternehmen sind dazu bereit.


Was die Stadt und was auch die Politik dazu beisteuern muss, ist einfach: Mut und Klarheit. Ja, es stimmt, was die Chefs der Hagener Wohnungsunternehmen im Gespräch mit unserer Zeitung herausgearbeitet haben: Hagen braucht einen geordneten Schrumpfungsprozess. Es muss festgelegt werden, wo wir künftig was im Stadtgebiet haben wollen: Ob Wohnen, Gewerbe oder Freizeit. Das wird auch Widerstände wecken, aber die müssen ausgehalten werden. Geordnet schrumpfen ist kein Zeichen von Schwäche sondern vorn Stärke.