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Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“

17.06.2011 | 17:17 Uhr

Hagen.Da ist er wohl der Einzige: „Ich verfolge dies mit großer Gelassenheit,“ lehnt sich Harald Kaerger zurück. Ob aber alle seine Mitarbeiter bei der Hagener Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (HGW) und deren Mieter die offenbar zielgerichtet gestreuten Gerüchte über den Verkauf des städtisch kontrollierten Unternehmens an die GWG, die Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft, gelassen bleiben lässt?

„Von einem Verkauf weiß ich nichts“, sagt Kaerger und Christoph Rehrmann, sein Gegenstück bei der GWG, nahm gestern das Wort „Verkauf“ auch nicht in den Mund. Oberbürgermeister Jörg Dehm wusste nur etwas von einem „angestrebten Zusammenlegen der Wohnungsbestände“ über das tabulos geredet werden müsse.

Ansonsten mochte GWG-Geschäftsführer Rehrmann aber nichts beisteuern, im Gegenteil: „Wir haben am Dienstag eine Vertreterversammlung, da werden wir unsere Genossen über unsere Absichten informieren. Vorher sagen wir gar nichts dazu“.

Oberbürgermeister Dehm bestätigte der WR, dass GWG-Geschäftsführer Rehrmann an ihn herangetreten sei. Die HGW gehört seit den 90er Jahren mehrheitlich der GIV, der Gesellschaft für Immobilien und aktive Vermögensnutzung. Die wiederum gehört der Stadt Hagen. Über das Ansinnen der GWG sollen am Montag erst die Ratsfraktionen informiert werden.

Jörg Dehm hofft zum Einen, dass bei Mietern und Beschäftigten keine unnötigen Ängste entstehen, und zum Anderen auf einen wie auch immer gearteten Konsolidierungseffekt für die malade Finanzlage der Stadt.

Ein Mühlstein

Dabei: Die Kaufsumme, die die GIV seinerzeit für die sehr ordentlich wirtschaftende HGW in den städtischen Etat spülte, war schnell “verzischt“, einen nachhaltigen Konsolidierungseffekt brachte das Manöver offenbar nicht.

„Im Gegenteil,“ argumentiert heute SPD-Ratsherr Timo Schisanowski, Aufsichtsratsvorsitzender der HGW: „Die jährlichen Gewinne der HGW in Höhe von etwa 2 Millionen Euro werden nicht in den Wohnungsmarkt in Hagen investiert, sondern müssen für die Tilgung des GIV-Kredites und der Zinsen aufgespart werden. Schisanowski. „Das hängt wie ein Mühlstein an der HGW“. Denn: Im Jahr 2019 muss die HGW für die GIV laut Schisanowski ein endfälliges Darlehnen in Höhe von 49 Millionen Euro plus Zinsen ablösen. Für die Darlehenssumme plus Zinsen reichen die 2 Millionen Gewinnabführung jährlich nicht - „dann wird noch ein Kredit fällig“. Natürlich wiederum zu Lasten der HGW.

HGW-Geschäftsführer Harald Kaerger pocht auf den Ratsbeschluss von 2002, seinerzeit sei einvernehmlich beschlossen worden, dass die HGW kein Tafelsilber und sozusagen „unverkäuflich“ sei: „Ich denke, dass die Politik auch heute noch zu diesem Wort steht“. Das im Übrigen nicht nur mit Blick auf den damaligen Kaufinteressenten RAG Immobilien oder diversen ausländischen Spekulanten galt: „Das schloss und schließt jeglichen Verkauf aus.“ Das Wort jeglichen in Großbuchstaben.

Kaerger meint, die GWG habe „tentakelgleich Fühlungnahme mit der Politik“ aufgenommen und ausgelotet, was an Kooperationsmöglichkeiten denkbar ist. „Mehr nicht“.

Dass die GWG Überlegungen anstelle, sich aus den Räumen Wehringhausen und Haspe heraus zu bewegen und künftig auch gesamtstädtisch zu operieren, sei ein nachvollziehbarer Ansatz.

Von Martin Krehl

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Kommentare
20.06.2011
18:41
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von spatzenfreund | #8

ich kann mir auch mit sehr viel phantasie nicht vorstellen, dass sich herr k. beim wechsel in die hgw verschlechtert haben könnte. er bekommt wohl eher mehr netto und ist als beamter noch abgesichert mit einer rücknahmegarantie, falls etwas schiefgeht. trockener kann man es nun wirklich nicht haben, wie diverse andere stadthallen- und sonstige geschäftsführer auch...

20.06.2011
07:47
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von dasreichtjetzt | #7

Wenn der feine Herr Rehrmann doch erst am Dienstag seine Genossen informieren will, warum redet er dann schon vorher mit der Presse? Mitarbeiter und Mieter der HGW zu verunsichern scheint zum Hobby der hohen Herren -deren Jobs nicht zur Debatte stehen - zu werden. Soll Herr Rehrmann doch seine privaten Häuser an die GWG verkaufen, wenn er so gern kauft und verkauft!

19.06.2011
19:59
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von kpdhagen | #6

Ich muß hier für Harald Kaerger, mit dem ich nicht verwandt oder verschwägert bin (bin auch kein Parteifreund), eine Lanze brechen! Er hat nicht sein Schäflein ins Trockene gebracht! Er war vor seinem derzeitigen Job Leiter des Rechtsamtes der Stadt Hagen. Die Politik in unserem Rathaus hat ihm dann den Posten des HaGeWe-Chefs aufs Auge gedrückt. Er hat sicher nicht widersprochen - warum auch! Aber er hat nicht - was man in Hagen nicht von allen Politikern und Stadtspitzen sagen kann - sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert! Und schlechtere Geschäftsführer hat die HaGeWe auch schon gesehen!

19.06.2011
12:39
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von spatzenfreund | #5

übrigens waren die wohnungen 2002 bestimmt mehr wert als jetzt mitten in der immobilienkrise. man muss sich also auch fragen, ob sich das für die stadt hagen lohnt, zum jetzigen zeitpunkt zu verkaufen. oder ob jemand anderes auf kosten der stadt profitiert... das manöver mit der giv seinerzeit habe ich bis heute nicht verstanden, zumal der kredit wohl noch läuft. so wirtschaftet man nicht sparsam und wirtschaftlich, oder? der einzige gewinner ist wahrscheinlich wieder irgendeine bank... und die gwg wird wohl auch ein darlehen benötigen... wie komme ich nur auf solche gedanken?

19.06.2011
11:55
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von tremoniaest | #4

Herr Kaerger hat sein Schäflein ins trockene gebracht, nur das ist doch wichtig.

18.06.2011
22:56
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von kpdhagen | #3

Warum tut eine Wohnungs-Genossenschaft nicht einfach das, wofür sie da ist: Wohnungen bauen, vermieten und - im Interesse der Mieter (und Genossen) - instand halten!

17.06.2011
22:38
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von spatzenfreund | #2

in hohenlimburg hat sich der bauverein finanziell übernommen und aus der genossenschaft seinerzeit einen gemischtwarenladen gemacht, mit hotels und bauunternehmen. die folgen kann jeder heute sehen. bei dem hohen schuldenstand der stadt hagen darf es keine tabus hinsichtlich der vermögensverwertung geben, wenn es sich finanziell lohnt, müssen ggf. auch wohnungen verkauft werden. zumal 2002 die finanzielle lage zwar schon dramatisch (viele mögen das anders sehen), aber gegenüber heute noch harmlos war. vielleicht zählt aber auch wieder das parteibuch?
wirft die hgw als kapitalbesitz keinerlei rendite für die stadt hagen ab? eigentlich kann man mit wohnungen ja auch geld verdienen.

17.06.2011
22:19
Nur eine „tentakelgleiche Fühlungsnahme“
von everglades | #1

Rehrmann leidet an Größenwahn: Erst die teuren Prestigeobjekte Hasper Torhaus und Neubauten an der Eugen-Richter-Straße - jetzt der geplante Kauf der städtischen Wohnungsgesellschaft!!!
Die sollen sich bei der GWG lieber um die Bestandsobjekte als um teure Prestigeobjekte kümmern!
Wenn der ganze GWG-Laden nach der Übernahme dann Pleite geht, sind die Einlagen der Genossen kaum mehr zu retten...

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