Norm für Fahrgeschäfte bedroht-Schausteller-Existenzen

Die neue Norm sorgt für Ärger bei den Betreibern sogenannter fliegender Fahrgeschäfte.
Die neue Norm sorgt für Ärger bei den Betreibern sogenannter fliegender Fahrgeschäfte.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Auch Hagens Schausteller haben ihre Sorgen mit der neuen EU-Sicherheitsnorm für sogenannte fliegende Fahrgeschäfte. Es gibt bislang keinen Bestandsschutz. Enorm hohe Kosten drohen.

Hagen.. Für manche Schausteller könnte es der Todesstoß sein. Eine seit Jahresbeginn gültige EU-Norm (DIN 13814) hat die Sicherheitsvorkehrungen für sogenannte fliegende Fahrgeschäfte dermaßen verschärft, dass die nötigen Umbau-Investitionen die Existenz vieler Betreiber bedroht. Auch Hagens Schausteller schlagen Alarm. Das nächste Volksfest, das von den Auswirkungen der Norm betroffen sein wird, ist die Hagener Osterkirmes.

Mehr Sicherheit, das finden natürlich auch Hagens Schausteller wünschenswert. „Aber es muss auch darstellbar sein“, sagt Hagens Schausteller-Chef Dirk Wagner. Die neue Norm erhöht die Sicherheitsstandards. So sollen dynamisch bewegliche Fahrgeschäfte – dazu gehören zum Beispiel „Breakdancer“, fliegende Teppiche oder Kraken – künftig zum Beispiel für ein Durchschnittsgewicht der Fahrgäste von 100 Kilo ausgerichtet sein und nicht mehr wie bisher für 75 Kilo. Lastwechsel, Gewicht, Statik – alles muss neu berechnet werden.

TÜV rechnete nicht mit Arbeitsaufwand

Während die übersichtliche Zahl an Besitzern von fliegenden Teppichen das zwischen 60.000 und 100.000 Euro teure TÜV-Gutachten gesammelt in Auftrag geben kann, haben Besitzer von Karussell-Unikaten es weitaus schwerer und müssen den Begutachtungsbetrag selber stemmen. „Dazu kommt, dass der TÜV dem Arbeitsaufwand aktuell gar nicht gerecht werden kann. Und wenn man das teure Gutachten dann hat, muss man auch einen Hersteller finden, der das Fahrgeschäft umrüstet“, so Wagner. Man muss schon eine hohe Besucherfrequenz als Schausteller haben, um die entstehenden Kosten, die bei größeren Fahrgeschäften auch in siebenstellige Höhen gehen können, wieder reinzufahren.

„Das kann das Ende für 50 Prozent aller deutschen Fahrgeschäfte sein“, sagt der Hagener Schausteller Ronny Deinert. Er besitzt zum Beispiel eine Schaukel, die im Jahr 2003 gebaut wurde.

Schonfrist bis zum Jahresende

Die Norm (gültig seit 2012) – und das ist es, was die Schausteller zu einer Sammelklage veranlasst hat – gewährt älteren Anlagen keinen Bestandsschutz. „Es gab noch nie irgendwelche Probleme mit der Schaukel, und sie wird jedes Jahr gewartet. Wenn das mit dem Bestandsschutz nicht klappt, denke ich darüber nach, sie ins Ausland zu verkaufen.“ In Frankreich zum Beispiel wurde den Schaustellern eine 14-jährige Übergangsfrist gewährt. In Deutschland – und das auch nur, weil der TÜV mit der Begutachtung nicht hinterherkommt – geht die Schonfrist bis zum 31. Dezember dieses Jahres.

Der Bundesverband deutscher Schausteller hat gegen den fehlenden Bestandsschutz geklagt und vorerst Recht bekommen. Die Berufung läuft. „Für unsere Osterkirmes zum Beispiel wäre es ein Gau, weil so viele Schausteller davon schwer getroffen würden“, sagt Dirk Wagner.