Prinzenabend
Naturbekloppte mit kölschem Schlag servieren Narren-Gala
16.01.2010 | 12:00 Uhr 2010-01-16T12:00:00+0100
Hagen. Einen Parade-Start in die Prunksitzungssession 2010 erlebte das närrische Hagen beim Prinzenabend im Stadtgarten-Restaurant „Kota Radja”.
Mit einer satten Kölschen Vitaminspritze entpuppte sich das professionell inszenierte Frohsinnsspektakel nicht nur als perfekte Huldigung für die Tollitäten Prinz Sebastian I. und seine Lieblichkeit Nike I., sondern auch als würdiger Abschiedsrahmen für die heimischen Karnevals-Urgesteine „Die Dösköppe”.
Donnerstagabend, der Asia-Gourmettempel am Rande des Stadtgartens erlebt eine bizarre Verwandlung: Die Teehaus-Pagode im zigarettenrauchgeschwängerten Festsaal dient als sparsam ausgeleuchtete Narren-Bühne, Luftschlangen zieren die Drachen- und Dschunken-Lampen - Konfetti statt Glückskekse, Schunkeln statt Chop Suey, die Kellner jonglieren in einer Hand Teller mit Sate-Spießen und Wiener Schnitzel durch den proppenvollen, mit 330 erwartungsfroh gestimmten Menschen gefüllten Saal. Die Frage nach der Gedankenwelt der asiatischen Service-Kräfte im Angesicht der buntbekappten, ordenbehangenen Frohsinnsfreunde, die zum Teil mit Sonnenblumengestecken im Haar hemmungslos auf den Stühlen tanzen, verbietet sich.
"Ihr werdet Euer Kommen nicht bereuen"
„Ihr werdet Euer Kommen nicht bereuen”, verspricht der neue Vorsitzende des Festkomitees Hagener Karneval, Moritz Padberg. Und er soll bis zur letzten Minute des Programms Recht behalten. Ganz dem Motto der Hagener Tollitäten entsprechend („Vom Rheinland bis ins Sauerland, ist Karneval in Jeckenhand”), serviert die Hagener Dachorganisation der närrisch bewegten Vereine rheinische Narretei-Garanten der Extraklasse. Gleich zum Auftakt beweist „Dä Mann met däm Hötche” (alias Peter Raddatz) sein Talent als Stimmungseisbrecher: Behutet mit schwarzer Melone, weißen Handschuhen und schwarz-weiß kariertem Gottlieb-Wendehals-Gedächtnis-Jacket trifft er mit zotig-philosophischen Lebensweisheiten und gekonnt vorgetragener Macho-Romantik den Nerv des Publikums.
Ein Ball, den die quirlig-blonde Stimmungschanteuse Elke Breu aufnimmt: Als 1000-mal belogenes Mädchen bringt die Entertainerin in Domplatten-Mundart mit Rosamunde-Rhythmen, Schunkel-Medley, Tisch-Sirtaki und Seemannsträumereien den Saal zum Kochen.
Hagener Eiche für die Dösköppe
Das Feld ist bereitet für die Verleihung der Hagener Eiche an Franz-Martin Neudeck und Karl-Heinz Schäfers: „Die Dösköppe sind eine Spitzenklasse für sich”, würdigt der frischgebackene Alt-OB Peter Demnitz die beiden Würdenträger. Die „ansehnliche Antwort auf die Unzulänglichkeiten des Alltags” habe den „Menschen ein herzliches Lachen geschenkt”. Ein Kompliment, dessen Beweis die beiden Musikschelme gleich eindrucksvoll hinterherliefern: Mit einer musikalischen Zeitreise durch vier Jahrzehnte Hagener Stadtkuriositäten wecken „Die Dösköppe” nicht nur viele Erinnerungen, sondern legen den Finger auch in aktuelle Wunden - frech aber fair, nie verletzend und immer urkomisch.
Begeistert und voller Respekt vor ihrer närrischen Lebensleistung stimmt die versammelte Hagener Jeckengemeinde am Ende zur River-of-Babylon-Melodie ein: „An den Ufern der Volmestadt, das ist famos, da ist jeden Tag, immer der Teufel los . . .” Mit einem Lächeln im Gesicht und Kloß im Hals sagen die Komödianten zu, zur Eichen-Verleihung im nächsten Jahr eine allerletzte musikalische Laudatio auf den folgenden Würdenträger präsentieren zu wollen. Ein Versprechen, auf das die Karnevalisten sich schon heute freuen dürfen.
"Die 3 Colonias" rocken den Saal
Der grandiose Dösköppe-Auftritt macht es dem Boeler Humoristen Marco Bötzel nicht gerade leicht, das Niveau der Begeisterung zu halten. Talentiert schwadroniert er über die Widrigkeiten eines Stadtbummels mit der Familie und ebnet somit launig den Weg für die Kölner Stimmungsprofis „Die 3 Colonias”.
Mit Frank Morawa, Dieter Stendler und Willi Wilden, die sich selbst als die „drei Naturbekloppten” bezeichnen, zog der Hagener Prinz Sebastian als Team-Begleiter in den vergangenen Jahren durch die Festsäle in und um Köln. Diesmal lassen die drei Musikclowns es sich nicht nehmen, dem Prinzenabend ihres Team-Mitglieds mit musikalischen Variationen von „Horch was kommt von draußen rein” das i-Tüpfelchen zu verpassen. Mit stehenden Ovationen feiern nicht nur die Tollitäten den Gala-Auftritt der Kölner Profis mit erstklassigen Rampensau-Qualitäten.
Knöllchen als Souvenir
Obwohl der denkwürdige Abend schon fast in die vierte Stunde geht, zeigen die Symbolfiguren der Karnevals- sowie der Heimat- und Brauchtumsvereine auch nach 22 Uhr kaum Verschleißerscheinungen. Die Partystimmungsgaranten „Los Rockos” sowie ein Abschluss-Gesang des Prinzenpaares runden einen denkwürdig-perfekten Karnevalsabend rasant ab.
Erst bei der Rückkehr zum Parkplatz stürzt die Narretei-Gemeinde im freien Fall aus dem Rumtata-Himmel ab - beim harten Aufschlag auf dem Boden der Hagener Realitäten klemmt am Scheibenwischer des Autos ein Knöllchen. 50 Strafzettel haben zwei Politessen auf dem Wanderparkplatz am Stadtgarten geschrieben, weil die Partyschar in der Dunkelheit es offenkundig übersehen hat, auch nachts ihre Fahrzeuge mit Parkscheiben zu dekorieren. Ein letzter Fall für die Dösköppe . . .
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