Nach Blackout in Hagen hat Firma eine Woche Strom-Not

Mahindra-Vorstand Burkard Rausch beklagt herbe Verluste durch die unzureichende Stromversorgung.
Mahindra-Vorstand Burkard Rausch beklagt herbe Verluste durch die unzureichende Stromversorgung.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Firma Schöneweiss fast eine Woche ohne ausreichende Stromversorgung
  • Folge des Brands im Umspannwerk Emst in vergangener Woche
  • Unternehmen spricht von hohen Verlusten

Ambrock.. An der Eingangspforte der Firma Schöneweiss klebte bis gestern unübersehbar ein Hinweiszettel: „Achtung! Keine unnötigen Stromverbraucher einschalten.“ Der Schmiedebetrieb in Ambrock (350 Mitarbeiter) hatte am längsten und stärksten von allen Hagener Unternehmen unter dem Brand des Umspannwerkes Emst zu leiden, erst am Montagnachmittag um 14.22 Uhr wurde die Fabrik wieder ausreichend mit Strom versorgt.

Vorstandsmitglied erzürnt

Burkhard Rausch, Vorstandsmitglied des indisch-spanischen Mahindra-Konzerns, zu dem die Firma gehört, war erzürnt: „Eine solche Situation erwartet man im Kongo, aber hier handelt es sich um den Industriestandort Deutschland. Der Hagener Stromversorger Enervie hat bewiesen, dass das hier nicht der richtige Standort für uns ist. Was hier passiert ist, kommt bei unserer ­Muttergesellschaft gar nicht gut an.“

Auf einen sechsstelligen Betrag bezifferte Rausch den Verlust, der Schöneweiss durch die mangelhafte Stromzufuhr entstanden sei. Dass die Fabrik wie kein anderes Unternehmen von den Folgen des Feuers im Umspannwerk getroffen wurde, hat zwei Gründe, die eng miteinander gekoppelt sind. Zum einen ist Schöneweiss mit zehn Megawatt täglich der größte Stromfresser aller Hagener Betriebe. Zum anderen bezieht das Unternehmen seinen Strom über ein 10 000-Volt-Kabel direkt aus dem Umspannwerk Emst und nicht, wie fast alle Firmen und Haushalte, über den Umweg weiterer Leitungen und Knotenpunkte. Ergo stand Schöneweiss, als der Brand das Umspannwerk lahmlegte, gänzlich ohne Energiezufuhr da.

Strom „zusammengekratzt“

Urplötzlich wurde es am Dienstag vor einer Woche um 6 Uhr still in den sonst so lauten Fabrikhallen, Spulen verbrannten in den Aggregaten, weil auf einmal der Nachschub aussetzte, die Schächte, in denen das Brauchwasser gesammelt wird, liefen über, weil die Pumpen versagten. Und im Verwaltungsgebäude behalf sich Empfangsdame Regine Michels fortan mit Kerzen und Taschenlampen, bis das Haus über einen Notstromgenerator versorgt wurde. „Wir hatten hier weder Licht noch Leben“, schüttelt sie den Kopf.

Tatsächlich musste die Produktion in den Folgetagen erheblich zurückgefahren werden, bis zum Wochenende konnte der heimische Energieversorger Enervie lediglich wieder fünf Megawatt liefern. Deshalb ließ Schöneweiss die Aggregate und Maschine abwechselnd hochfahren, dringende Aufträge hatten Vorrang. „Wir haben alles an Strom zusammengekratzt, was möglich war, um die Prodution aufrechtzuerhalten“, so Rausch. Wenn beispielsweise die gigantische 12 800-Tonnen-Presse, die 60 Prozent der Wertschöpfung des Unternehmens ausmacht, in Betrieb genommen wurde, mussten alle anderen Geräte still stehen.

Regressforderung wird geprüft

Kein Wunder, dass Schöneweiss sich Regressforderungen vorbehält. ­Gestern gelang es den Enervie-Technikern, die Firma in Ambrock durch Neuverknüpfungen und Verbindungen aus anderen Umspannwerken wieder mit der notwendigen 10-Megawatt-Volllast zu versorgen. Unternehmenssprecher Uwe Reuter betonte, die Situation in Ambrock sei nicht vergleichbar mit anderen Betrieben: „Unsere Mitarbeiter haben am Wochenende durchgearbeitet. Das war ein Kraftakt.“