Mut zu neuem Denken

Natürlich kann man auf den Remondis-Vorstoß mit den üblichen kommunalpolitischen Reflexen reagieren: Private haben in den zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge nichts zu suchen – egal, ob es sich um Trinkwasser, Schwimmbäder, Busverkehr oder Müllabfuhr handelt. „Das haben wir noch nie gemacht, das fangen wir gar nicht erst an.“ Teufelszeug. Doch wer sich permanent in einem Kokon der absoluten Eigenständigkeit verkriecht, läuft Gefahr, beim Festklammern an Prinzipien zu verpassen, wie sich die Welt um einen herum weiterdreht.


Natürlich würde der HEB mit einem Remondis-Einstieg keinen willfährigen Schmusepartner gewinnen. Der kontinuierlich wachsende Riese aus Lünen gilt als fordernd, hartnäckig und aggressiv gewinnorientiert. Alles nicht ehrenrührig oder gar unlauter, aber extrem fordernd – und äußerst erfolgreich. Remondis wäre also ein Begleiter im Haifischbecken der Abfallwirtschaft, der beim HEB sicherlich Ängste auslöst, aber ebenso für kreativen Input und strategische Stärke sorgen könnte.


Vielleicht muss man sich einfach mal trauen, in den Dialog mit einem solchen Branchen-Profi einzutreten, anstatt sich gleich in ideologischen Schützengräben für einen Remondis-Abwehrkampf zu verschanzen. Sollten dabei innerhalb eines konkreten Handlungsrahmens, den am Ende ja der politisch dominierte Aufsichtsrat durchaus diktieren kann, Strategien entwickelt werden, die dem Hagener Entsorgungsbetrieb neue ökonomische Perspektiven eröffnen, würden am Ende alle Bürger bei der Gebührengestaltung von einem möglichen Zukunftserfolg profitieren. Und auch der Kämmerer freut sich, wenn in den nächsten Jahren zuverlässig ein Überschuss – im Vorjahr immerhin 600 000 Euro – in seine Kassen sprudelt. Es lohnt sich also, zunächst zuzuhören, zu prüfen und abzuwägen, bevor man gleich panisch die Krallen ausfährt.