Musikalisches Pfingstfest

Die katholische Heilig-Geist-Kirche auf Emst.
Die katholische Heilig-Geist-Kirche auf Emst.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
In der Heilig-Geist-Kirche auf Emst feierte man ein musikalisches Pfingstfest. Der Paderborner Domorganist Tobias Aehlig gestaltete sein Konzert mit überragender Technik und hochsensibler Interpretation.

Hagen-Emst.. In der Heilig-Geist-Kirche feierte man am Freitagabend ein musikalisches Pfingstfest. Der Paderborner Domorganist Tobias Aehlig, der 2010 sein Konzertexamen „mit Auszeichnung“ bestanden hatte, gestaltete sein Spiel mit überragender Technik und hochsensibler Interpretation. Das Programm begann mit Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 von Bach, einem Mammut-Projekt.

Zarte Floskeln

Majestätisch im Plenum leitete der 1. Satz mit gewaltigen Akkorden im punktierten Rhythmus, der an französische Ouvertüren erinnerte, das Konzert ein. Kleine zarte Floskeln standen zwischen drei mächtigen, den Anfangsteil immer wieder aufgreifenden Blöcken. „Pro Organo Pleno“ galt auch für die Tripelfuge, von Schweitzer wegen ihrer Dreiteiligkeit „Trinitatisfuge“ genannt.

Tatsächlich könnte das ruhig fließende erste Thema Gott Vater zugeschrieben sein, der lebhafte Mittelteil dem Sohn in seinem Erdenleben, der tänzerische Schluss der Freude der Gläubigen über den Heiligen Geist. Siegfried Karg-Elert (1877-1933) blieb mit „7 Pastellen vom Bodensee“ op. 96 bodenständig. In Nr. 2 „Landschaft im Nebel“ waberte es im Untergrund, über dem sich ein Solo langsam hochschraubte: Die Sonne dringt durch und wird wieder verschluckt. Ein nasales Zungenregister könnte für das Nebelhorn stehen, das in der Programmbeschreibung eine Rolle spielte.

Plastisches Stimmungsbild

Dem Organisten gelang mit der Ausnutzung der Registerfarben ein plastisches Stimmungsbild mit breitem Spielraum für die Fantasie des Publikums, ebenso mit Nr. 4 „Schilfbewachsene Wasser“, wo über der stillen Oberfläche helle Flöten-Motive Vogelgezwitscher symbolisierten; auch der Kuckuck rief. Die Sonate Nr. 1 f-Moll op. 65 von Mendelssohn Bartholdy verlangte wieder mit vollgriffiger Eingangsakkordik das Plenum.

Die Choralzeile „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“ behielt ihre schlichte Liedform, bis sie sich kurz vor Schluss dem vollen Orgelkang anschloss. Dem innigen Gebet des Adagio folgte das Andante Recitativo, ein ständiges Pendeln zwischen lauten und sanften Registern. Es ging in den Schluss-Satz über, ein gewaltiges Konstrukt, in dem sich der Organist austobte. Vor allem die Füße hatten viel zu tun, und zwar in rasendem Tempo.

Der junge Musiker bewies mit „5 Skizzen über verschiedene Pfingstthemen“ sein hervorragendes Improvisationstalent. Der Hymnus „Veni creator spiritus“ wurde im barocken Fugenstil ausgearbeitet. Die Anfangszeile des Chorals „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ tauchte in allen Stimmen auf.

Hohe Flötentöne

Die Pfingstsequenz „Veni Sancte Spiritus“ ließ die Melodie über einem Orgelpunkt im Bass fröhlich tanzen, tauchte auch im Pedal auf. Das Gottesloblied „Komm Schöpfer Geist“ setzte sich aus hohen Flötentönen über flächiger Begleitung zusammen. Majestätische Plenum-Akkorde leiteten das „Te deum laudamus“ ein. Ein schwingender ostinater Rhythmus zog sich durch den Satz. Während die Manual-Stimmen sich zum Schluss hell in die Höhe schraubten, behielt der Bass das Thema bei. Begeisterter Beifall des Publikums führten zu einer Zugabe: Der Choral „Großer Gott, wir loben dich“ in langsamen Notenwerten versteckte sich unter einer lebhaften Melodik im Non-stop-Drive.