„Musik muss aus dem Herzen kommen”
12.02.2008 | 19:46 Uhr 2008-02-12T19:46:00+0100
Hagen. Spät am Montagabend kam Jon Lord in Hagen an. Am Dienstagmorgen aber war der Musiker und Komponist von Weltruf bereits wieder zur Stelle.
Die ersten Proben mit dem Philharmonischen Orchester Hagen für das Konzert am Freitag in der ausverkauften Stadthalle standen an. Und dafür überlässt Jon Lord nichts dem Zufall.
Gut gelaunt, ohne Allüren, humorvoll und sehr charmant stellte sich der Mitbegründer der legendären Rockpioniere „Deep Purple” anschließend den Fragen der Journalisten. Ganz die gepflegte englische Schule eben. Über viele Jahre bestimmten Lord und die „Deep Purple” die Rockmusik weltweit mit. Hits wie „Smoke on the water”, „Child in time”, „Black Night, „April” oder „Speed King” stammen auch aus der Feder des Keyboarders. Über 200 Millionen Platten verkauften die Hardrocker, die Ende der 60er-Jahre selbst in vielen bundesrepublikanischen Wohnzimmern angekommen waren.
Doch Jon Lord huldigte neben der Rockmusik noch einer zweiten großen musikalischen Liebe: der Klassik. Diese Lieben brachte Jon Lord 1969 in seinem Werk „Concerto for Group and Orchestra” unsterblich zusammen. Und der Engländer riss damit einst Wände ein. Besonders konservative, elitäre Klassik-Kreise waren für diesen Mix noch lange nicht reif”, betonte Jon Lord. Er wurde angefeindet. „Doch Musik muss immer aus dem Herzen kommen. Egal, ob Rock, Folklore, bayrische Zittermusik oder Klassik”, erklärt Jon Lord. Außerdem war die Welt damals, Ende der 60er Jahre im Umbruch. Auch musikalisch. „Die Beatles hatten Grenzen gesprengt.” Mit dem „Royal Philharmonic Orchestra” unter der Leitung von Sir Malcolm Arnold führte „Deep Purple” das Crossover-Werk 1969 in London auf. Das Eis war gebrochen. Jetzt, fast 40 Jahre später also Hagen. „Gerade in unserem Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag des Philharmonischen Orchesters wollen wir zeigen, dass wir für alle Hagener Bürger da sind und Genre übergreifend spielen”, betont die Theaterkoordinatorin/Orchester, Antje Haury. Dazu sind die Musiker absolut in der Lage. „Wir haben ein sehr flexibeles Orchester”, weiß Antje Haury um die hohe Qualität dieses Klangkörpers.
Dass das „Concerto for Group and Orchester” überhaupt noch aufgeführt werden kann, ist einem jungen Holländer zu verdanken, wie Jon Lord gestern erzählte. Die Partitur verschwand einst in einer Kiste und tauchte nicht mehr auf. Dieser Musikliebhaber aber hörte sich alle Noten aus dem vorhandenen Audiomaterial heraus und schaute sich die Fingerbewegungen der Musiker auf Videos ab. Er notierte alles, Jon Lors machte noch einige kleinere Änderungen - und schon war das „Concerto for Group und Orchester” wieder vorhanden.
Wer kann Jon Lords Stück erleben?
- Das Konzert am Freitagabend ist ausverkauft.
- Karten für die Generalprobe am Donnerstag (19 Uhr) sind an der Theaterkasse, Abendkasse und bei Hagen-Touristik erhältlich.
Dass Lord nach Hagen kommt, ist Ralph Breitenbach von der „Dead Composers Rockin Society” (DCRS) und dem Orchester-Musiker Klaus Korte zu verdanken. Sie knüpften die Drähte zu Jon Lord. Die DCRS-Band übernimmt übrigens den Rockpart des Konzerts. Deren Mitglieder sind ebenfalls ausgebildete Orchester-Musiker. Von der erste Probe mit den Hagenern waren sie sehr angetan. „Alle ziehen begeistert mit.” Dirigent des Konzerts ist der 1. Kapellmeister Gwennole Rufet.
Ein englischsprachiges Interview mit Jon Lord als Video unter http://www.derwesten.de/nachrichten/video/kultur/2008/2/12/news-23112821/detail.html
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