Müll, Trinker und Pöbeleien auf dem Hasper Kirchplatz

Der Kirchplatz im Zentrum Haspes. Es gibt einige Probleme an dem zentralen Ort im Stadtteil. Dazu gehören vor allem die Sauberkeit und die Trinkerszene.
Der Kirchplatz im Zentrum Haspes. Es gibt einige Probleme an dem zentralen Ort im Stadtteil. Dazu gehören vor allem die Sauberkeit und die Trinkerszene.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Der Kirchplatz gehört zu den zentralen Orten im Hagener Stadtteil Haspe. Und er bereitet Anwohnern starke Bauchschmerzen. Die größten Probleme: Müll, Trinker und Pöbeleien.

Haspe.. Es könnte so schön sein: Die hohen Bäume mit ihrem dichten Blattwerk, der Blick aus dem Fenster auf die Kirche und den Platz, Geschäfte, Cafés und Restaurants gleich um die Ecke. Die Wirklichkeit rund um den Hasper Kirchplatz nehmen einige Anwohner aber ganz anders war: Müllhalden, pöbelnde Jugendliche, abgetretene Außenspiegel. Anne Göttenauer und Ralph Schulze reicht es.

Die Anwohner

„Wir sind ratlos“, sagt Anne Göttenauer. Und: „So wie es jetzt ist, kann das nicht weitergehen. Wir wollen hier einfach nur in Ruhe leben. Das kann doch nicht zu viel verlangt sein.“

Dabei ist es keineswegs das bunte Leben auf dem Platz, das die Anwohner stört. Vielmehr sind es die dauernden Auswüchse: Trinker, die in Hauseingänge und Kellerschächte pinkeln. Jugendliche, die ihren Müll achtlos auf dem Platz fallen lassen, anstatt ihn in einen der Eimer zu stecken. Und Dealer, die in der Dämmerung Drogen verhökern.

Einen Kiosk und einen Hähnchenwagen, der einst verschwunden war und nun wieder an Ort und Stelle steht, haben die Anwohner ins Visier genommen. „Seit zwei Jahren verschärfen sich die Zustände“, so Ralph Schulze. „Dabei machen wir den Betreibern keinen Vorwurf. Die sind bemüht. Aber das Problem ist die Kundschaft.“

Tausende Kippen und ausgespuckte Kürbiskerne auf dem Pflaster trüben den Anblick. Abfalleimer nehmen einige nur als Dekoration wahr. Und abends fliegen sogar Fußbälle über den Platz und prallen vor die Fensterscheiben im ersten Stock. „Die Scheibe eines Reisebüros ist schon zweimal zu Bruch gegangen“, sagt Anne Göttenauer.

Der Hähnchenmann

Der verschwundene Hähnchenwagen, für den viele Hasper mit einer Unterschriftenaktion stark gemacht hatten, ist wieder zurück. Zumindest auf Zeit – denn die Stadt hat sich mit dem Betreiber geeinigt und ihm eine Gnadenfrist bis Ende des Jahres eingeräumt. Seit des Comebacks, so Anne Göttenauer, habe sich die Problematik wieder verschärft. Wenngleich Besitzer Georgios Papandreou verspricht: „Ich sammele häufiger den Müll ein. Mir ist ja selbst an einem sauberen Umfeld gelegen.“

Das Müllproblem

Müll sammelt auch der Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) am Kirchplatz in Haspe. Und zwar nicht nur aus den sechs Papierkörben, sondern auch vom Platz. „Das ist für uns einer der Schwerpunkte“, so Jacqueline Jagusch. Sechs- statt wie an anderen Plätzen fünfmal rückt eine Kolonne des HEB aus. „Probleme machen vor allem große Pizza-Kartons, die einfach auf Papierkörben abgestellt werden, und ausgespuckte Reste von Sonnenblumenkernen, die vorzugsweise Jugendliche kauen. Daran würden wohl auch mehr Papierkörbe nichts ändern.“

Die Polizei

Auch die Polizei hat durchaus Verständnis für die Anwohner. „Vieles, was die Anwohner beklagen, ist ja richtig“, sagt Gerd Kaupenjohann, Leiter der Wache Haspe, „wenn es wärmer wird, werden wir unsere Präsenz auf dem Platz erhöhen und unsere mobile Wache dort aufstellen.“

Allerdings macht die Polizei auch keinen Hehl daraus, dass die Möglichkeiten begrenzt sind: „Wenn jemand mutwillig Spiegel von Autos abtritt, dann ist das ja innerhalb von Sekunden erledigt“, so Kaupenjohann, „entweder, die Polizei erwischt ihn auf frischer Tat oder es braucht sehr konkrete Zeugenhinweise. Sonst können wir solche Sachbeschädigungen kaum aufklären.“ Was die Kriminalitätsstatistik angehe, so sei der Hasper Kirchplatz nicht weiter auffällig. Und bei mehrfachen Personenkontrollen auf dem Platz und im Umfeld durch Zivilbeamte seien keine Dealer aufgegriffen worden.

Die Kirche

Besitzer des Platzes ist die Evangelische Kirchengemeinde Haspe, die wiederum verpflichtet ist, den Platz der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Offiziell gilt das Areal als Kinderspielfläche, um der Trinkerszene Einhalt gebieten zu können.

So viel zur Theorie: „Ich find es ja auch kaum erträglich, wenn ich des Sonntags zum Gottesdienst komme und die leeren Wodkaflaschen vom Gelage am Vorabend finde“, macht Pfarrer Jürgen Schäfer aus seinem Ärger keinen Hehl. „Wir werden die Polizei noch einmal im August ins Presbyterium einladen und beraten, was wir noch tun können. Aber eine Lösung, die allen und allem gerecht wird – das wird schwierig.“

Die Politik

Auch die Hasper Bezirksvertreter haben sich immer wieder mit dem Kirchplatz beschäftigt. „Seit zwei Jahren sind die Zustände ein Thema“, so Bezirksbürgermeister Dietmar Thieser.

Man habe einen Ortstermin mit Anwohnern und der Polizei organisiert, das Ordnungsamt habe Kontrollen verstärkt, Kontakt mit dem Betreiber des Hähnchenwagens („Der macht sauber“) gesucht.

Eine Patentlösung allerdings hat auch die lokale Politik nicht parat. „Bei allem Verständnis – aber wir können den Platz nicht Tag und Nacht überwachen lassen“, so Thieser.