Moderatorin Sabine Heinrich punktet durch ihre Herzlichkeit

Hagen-Mitte..  Sie könnte Hagen bestens kennen, schließlich ist sie fast um die Ecke in Unna aufgewachsen. Aber Sabine Heinrich bekennt ehrlich: Eigentlich hat sie nie eine rechte Verbindung zur Volmestadt gehabt. Den Hauptbahnhof kennt die Radio- und Fernsehmoderatorin vom Durchfahren und die Klischees über Hagen vom Hörensagen.

In einer Reihe mit Bestseller-Autoren

Seit Freitagabend hat Hagen aber einen ganz anderen Klang in ihren Ohren. Zum einen, weil sie als Debüt-Autorin bei den ersten Hagener Literaturtagen in einer Reihe steht mit den Bestseller-Autoren Wladimir Kaminer (Russendisco) und Jan Weiler (Maria, ihm schmeckts nicht), die nächste Woche lesen – und das kaum fassen kann. „Davon werde ich später mal erzählen können“, sagt Sabine Heinrich. Und zum anderen, weil das Publikum ihr am Freitagabend bei der Lesung in der Stadtbücherei auf der Springe deutlich seine Begeisterung gezeigt hat. Ein Publikum, das im Durchschnitt nicht die Zielgruppe von Einslive darstellte, dem Jugendradiosender des WDR, wo Sabine Heinrich seit Jahren eines der Aushängeschilder ist.

Aber Sabine Heinrichs Buch „Sehnsucht ist ein Notfall“ ist auch kein Teenagerbuch. Sondern vielmehr eine Mischung aus Ruhrpottromantik und Beziehungswirwarr. Sicherlich – wenn man eine Geschlechtereinordnung wagen will – eher ein Frauenbuch. Aber vor allem ein Roman, bei dem die inzwischen auch schon 38 Jahre alte Autorin überraschende Akzente zu setzen vermag. Allein durch ein tragendes Element des Buches: die typische Ruhrgebiets-Oma der Protagonistin verlässt mit 79 Jahren ihren Ehemann, einen Bergmann. Da Eva, eine Physiotherapeutin, fast zeitgleich ein Affäre mit einem ihrer Patienten beginnt und ihren Freund Johannes, einen Mathematiklehrer, damit betrügt, lässt das die beiden Frauen spontan zu einer Reise nach Italien aufbrechen. Obwohl es Januar ist und obwohl Oma bislang nicht weiter als bis zum Steinhuder Meer gekommen ist. Eine absurde Geschichte? Nun ja, nicht wirklich.

Oma hat sich mit 79 Jahren getrennt

Sabine Heinrichs Oma hat sich auch im wahren Leben mit 79 Jahren von ihrem Mann getrennt. Sonst, so sagt sie, habe die Geschichte ihrer spät getrennten Großeltern zwar nichts mit der im Buch zu tun. Aber Sabine Heinrich schafft es, eine große Authentizität zu schaffen. Ständig fragt man sich: Was ist autobiografisch an ihrem Buch? Wo flechtet sie selbst Erlebtes ein?

Klar, im Buch werden auch Klischees gepflegt. Über das Ruhrgebiet und über Männer und Frauen so rund um die 30. Aber Sabine Heinrich trifft den Nerv der Leser – und des Hagener Publikums. Viel Lachen, viel Klatschen. Und immer wieder ist ein bestätigendes „genau“ aus dem Publikum zu hören. Vor allem punktet die Frau, die man als Star bezeichnen darf, durch Herzlichkeit und Volksnähe. Sie einigt sich mit dem Publikum gleich auf das Du. In der Pause mischt sie sich unters Volk, spricht die Gäste an. Überhaupt nimmt sie sich Zeit, gut zwei Stunden dauert die Lesung, die kein stures Vorlesen ist, sondern ein Unterhaltungsprogramm mit vielen Erklärungen und spontanen Einwürfen. Fazit: empfehlenswert.