Mit Küsschen wurde gegeizt
11.11.2009 | 16:56 Uhr 2009-11-11T16:56:00+0100
Hagen. Pünktlich um 11.11 Uhr übernahmen gestern im Rathaus an der Volme die Narren das Regiment. Prinz Sebastian I. und Prinzessin Nike I. sind nun offziell in Amt und Würden.
Er stellte sich mit charmanter Untertreibung zwar als karnevalistischer Lehrling vor, verließ das Podium im Ratssaal aber mindestens als Geselle des heimischen Karnevals. Denn seine Rolle als Gastgeber der örtlichen Frohsinns-Fraktion zum Auftakt der neuen Session meisterte Oberbürgermeister Jörg Dehm bei seiner Premiere gestern perfekt.
Eins mag der Oberbürgermeister, wie viele andere im Ratsaal auch, vermisst haben: geküsst wurde nicht. Was manch einer mit Blick auf die frisch inthronisierte Prinzessin Nike besonders bedauert haben mag. Aber die kussfreie Zone war der Schweinegrippen-Furcht geschuldet. Dagegen wurden fleißig Hände geschüttelt. Was insofern weniger ein Problem war, weil Karnevalisten von Haus aus meistens Handschuhe tragen. Jedenfalls bei offiziellen Anlässen.
Kloß im Hals
Bevor es gestern 11.11 Uhr und damit gewissermaßen karnevalistisch-amtlich wurde, ging es schon anderthalb Stunden lang hoch her. Da ließen das Festkomitee Hagener Karneval und die Abordnungen der Vereine die Amtsträger der vergangenen Session noch einmal hochleben. Komitee-Vorsitzender Moritz Padberg verteilte fleißig Dank und Blumen, der OB ebenso. Und manch ein Würdenträger, der das karnevalistische Leben fürderhin als Ex meistern muss, hatte schon einen ordentlichen Kloß im Hals. Der scheidende Prinz Thomas gehörte dazu.
Dann hatte pünktlich zum närrischen Glockenschlag das neue Prinzenpaar seinen Auftritt: Sebastian Kock und Nike Wiswedel. Und mit den sympathischen Repräsentanten des Hagener Karnevals schwebte ein Hauch Kölner Karneval in den Saal. Denn Prinzessin Nike ist Kölnerin. Mit Leib und Seele. Und der entsprechenden Muttersprache. Die Biografie der Prinzessin findet sich sogar auf dem neuen Prinzenorden, den Prinz Sebastian seiner Nike umlegte: darauf vereinen sich der Kölner Dom mit dem Schloss Hohenlimburg und der Hagener Eiche. Auch das Motto des Prinzenpaares spannt diesen Bogen: „Vom Rheinland bis zum Sauerland, ist Karneval in Jeckenhand”.
Junge Menschen für das Brauchtum gewinnen
Für Oberbürgermeister Jörg Dehm ist das neue Prinzenpaar die richtige Antwort auf die leidige Diskussion über die immer älter werdende Hagener Bevölkerung. Und Sebastian und Nike selbst äußerten die Hoffnung, mit ihrer Jugendlichkeit viele junge Menschen fürs närrische Brauchtum gewinnen zu können. Eines allerdings sprachen der OB und der Prinz gleichermaßen an: jugendliche Trinkgelage unter dem Vorwand der Brauchtumspflege. Jörg Dehm: „Wir wünschen uns volle Säle in der Session, aber keine vollen Jugendlichen."
Wie schon ihre Vorgänger werben auch Sebastian und Nike in ihrer Session für die Unterstützung einer karitativen Einrichtung. Sie haben sich für die Lebenshilfe entschieden, in deren Haus in Rummenohl zwei Dutzend Menschen mit Behinderungen ein Zuhause gefunden haben.
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