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Mit Genossenschaft zum Breitband

13.02.2016 | 16:00 Uhr
Mit Genossenschaft zum Breitband
Vertreter von Wirtschaft und Stadt wollen den Breitbandausbau voranbringen.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Mit der Gründung einer Breitbandgenossenschaft will die für Wirtschaftsförderung zuständige Hagen-Agentur endlich für ein leistungsstarkes, schnelles Internet im bislang benachteiligten Lennetal sorgen.

Mit der Gründung einer Breitbandgenossenschaft will die für Wirtschaftsförderung zuständige Hagen-Agentur endlich für ein leistungsstarkes, schnelles Internet im bislang benachteiligten Lennetal sorgen . Alle dort befindlichen Unternehmen werden aufgefordert, der Genossenschaft beizutreten und somit die notwendigen Finanzmittel für den so oft geforderten Breitbandausbau bereit zu stellen. „Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen hängt nicht nur von Verkehrsanbindung, Fachkräften und Gewerbesteuern ab, sondern ebenso von einem leistungsfähigen Breitband“, gibt Oberbürgermeister Erik O. Schulz die Richtung vor.

Vorbildcharakter für Andere Städte?

Hagen ist vom Landeswirtschaftsministerium als Modellregion für das privatwirtschaftliche Geschäftsmodell einer Breitbandgenossenschaft ausgeguckt worden. Funktioniert das Experiment im Lennetal, könnte es Vorbildcharakter für andere Städte in Nordrhein-Westfalen gewinnen . Das Ministerium finanziert derzeit eine Untersuchung über die technischen und finanziellen Voraussetzung einer Breitbandverlegung im Lennetal. Spätestens bis zu den Sommerferien soll die Studie abgeschlossen sein und die Genossenschaft gegründet werden – dann dürfte auch feststehen, in welcher Höhe Anteile gezeichnet werden können. „Die Genossenschaft baut das Netz und vermietet es an Telekommunikationsunternehmen“, umreißt Michael Ellinghaus, Geschäftsführer der Hagen-Agentur, das Prinzip. Die Mittel für den Breitbandausbau kommen nicht allein von der Genossenschaft, geplant ist zudem, Geld zu günstigen Bedingungen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu leihen.

Kommentar
Handeln statt klagen

Ein leistungsfähiger Internetzugang gilt heute als wichtiger Standort- und Wohlfühlfaktor – sowohl was Unternehmen als auch Privatpersonen betrifft. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden mit Ihrer Familie in ein Haus ziehen, in dem das Handy kein Netz findet und die Youtube-Videos ständig stehen bleiben – Ihre Kinder wären Ihnen vermutlich auf ewig gram. Jeder Bürger investiert heutzutage viel Geld in seine Erreichbarkeit – ins Mobiltelefon, den Festnetzanschluss und den Computer, in E-Mail-Zugang und alle möglichen Apps.

Bei Unternehmen und Gewerbetreibenden ist das merkwürdigerweise anders. Merkwürdigerweise deshalb, weil sie ebenfalls auf einen schnellen, kapazitätsstarken Internetzugang angewiesen sind. Das gilt längst nicht mehr nur für IT-Betriebe, auch Handwerker und die klassische Industrie brauchen den digitalen Datenaustausch.

Doch die wenigstens sind bereit, die dafür notwendigen Mittel zu investieren. Stattdessen lassen sie immer wieder Klagen über die mangelhafte Infrastruktur laut werden. Die Firmen im Lennetal haben jetzt die Möglichkeit, die Initiative zu ergreifen und etwas für sich selbst zu tun. Und endlich dahin zu gelangen, wo viele Privatleute längst angekommen sind. Hubertus Heuel

Derzeit weiß allerdings noch niemand, wie viele Unternehmen es im Gewerbegebiet Lennetal eigentlich gibt. Registriert seien 250, so Ellinghaus: „Es können aber auch 350 sein.“ Die Hagen-Agentur sei dabei, ihre Kartei zu vervollständigen, schließlich sollen alle Betriebe angeschrieben und zum Beitritt in die Genossenschaft veranlasst werden. Aber auch Anwohner angrenzender Wohngebiete in Halden oder Fley können Mitglied werden.

Höchste Zeit

Dass es höchste Zeit ist, Hagens wichtigstes und größtes Industriegebiet endlich mit einem adäquaten Internetzugang zu versehen, darüber sind sich alle Beteiligten einig. „Wir sind zu Recht stolz auf die vielen Weltmarktführer hier, aber jetzt müssen wir etwas dafür tun, dass sie es auch bleiben“, sagte Andreas Lux von der Industrie- und Handelskammer. Für Michael Hösterey von den Hagener Wirtschaftsjunioren darf die Frage denn auch nicht lauten, wie teuer der Breitbandausbau ein Unternehmen zu stehen komme, sondern wie teuer die Folgen seien, wenn man diese Investition unterlasse: „Ohne Breitband verlieren wir Innovationskraft und Wirtschaftswachstum.“

Je mehr Unternehmen Anteile in der Genossenschaft zeichnen, desto günstiger ist der Ausbau letztlich für den einzelnen Betrieb; je später ein Unternehmen Mitglied in der Genossenschaft wird, desto mehr muss es zahlen. An Firmen, die keine Anteile zeichnen, könnte die Breitbandversorgung sogar komplett vorbeigehen. . .

Hubertus Heuel

Kommentare
15.02.2016
14:27
Schlimmer geht immer:
von Nervenverloren | #3

Als seinerzeit das Neubaugebiet "Schmittewinkel" für viel Geld von der Sparkasse verhökert wurde, hieß es "voll erschlossen". Fakt ist, dass sich...
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2 Antworten
Einige Anmerkungen
von DJSCHARFF | #3-1

a) LTE ist kein Festnetzersatz, das hat der TÜV Rheinland in einer Studie erst letztlich wieder bestätigt. Da es ein Shared Medium ist, teilt sich die Bandbreite auf die Nutzer auf und mit einer Torte ist bei hundert Gäste schlecht Party feiern.
b) Glasfaser - es mag zutreffen, dass in der Nähe kein Glasfaserknoten ist, da die meisten Leitungen eben Kupfer und sehr alt. Scheuen sie mal wo die Hauptverteiler stehen da können locker 5 Kilometer und mehr zusammenkommen. Tiefendorf z.B. 8 Kilometer. Da wird dann natürlich selbst bei Leerrohren weiter mit Kupfer gearbeitet. Die Telekom rechnet wirtschaftlich und da sind kleine Orte und Gewerbegebiete eben nicht die Geldbringer - Zu wenige Anschlüsse auf zu großer Fläche. So ein Gebiet wie Pappelstrasse und umliegende Strassen oder die Innstadt sind da luktrativer. Viele Anschlüsse mit Zusatzdiensten auf gleich großer oder sogar weniger Fläche.
dafür gibt es ja von der EU / Bund / Land Fördermittel die einen Teil der Kosten deckeln.

Einige Anmerkungen Fortsetzung
von DJSCHARFF | #3-2

Nur müssen solche Fördermittel nach einer Markerhebung ( die übrigens ebenfalls gefördert wird) von der Kommune (in diesem Fall die Stadt Hagen) bei den entsprechenden Stellen EU / Bund / Land beantragt werden. Hier kommt dann noch ein Eigenanteil der Kommune zum tragen. Aufgrund dieses Eigenanteils wurde bisher regelmäßig eine Antragstellung seitens der Stadt Hagen verneint. Allerdings weiß man bis dato nicht einmal genau wie hoch in Euro und Cent dieser Anteil überhaupt ist, weil es eben auch keine Markterhebungen gegeben hat wo die Telekom oder ein Mitbewerber entsprechende Angebote zum Ausbau eines Gebietes vorlegen. Der Anbieter kalkuliert seine Kosten für den Ausbau rechnet seine Erträge gegen und hat dann eine Unterdeckung. Diese Summe wird dann gefördert und ein prozentualer Anteil davon entfällt auf die Kommune. Der Ball liegt also nach wie vor im Spielfeld der Stadt Hagen, und solange der da liegt wird sich nichts bewegen.

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Mit Genossenschaft zum Breitband
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http://www.derwesten.de/staedte/hagen/mit-genossenschaft-zum-breitband-id11560324.html
2016-02-13 16:00
Wirtschaft, Internet, Hagen, Breitband, Breitbandgenossenschaft
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