Mindestens 380 Tote bei Angriff auf Hagen

Ein Bild der Verwüstung: Vor 70 Jahren griffen US-Bomber den Hagener Stadtteil Eckesey an.
Ein Bild der Verwüstung: Vor 70 Jahren griffen US-Bomber den Hagener Stadtteil Eckesey an.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Bei einem Großangriff auf Hagen starben am 28. Februar 1945 mindestens 380 Menschen. Vor 70 Jahren legten Bomber den Stadtteil Eckesey in Trümmer.

Eckesey.. Die Bilder zeigen die Überlebenden, nicht die Toten. Mehr als 380 Menschen kamen heute vor 70 Jahren im Umfeld des Bahnhofs und in Eckesey ums Leben. Ein ganzer Stadtteil wurde in weiten Teilen dem Erdboden gleich gemacht. Ein Teil Hagens, der wie aus dem Luftkriegstagebuch der Stadt Hagen hervorgeht, bis zu diesem Tag nahezu verschont geblieben war.

Am Nachmittag des 28. Februars 1945 lag Eckesey in Trümmern. Dokumentiert hat die unglaubliche Zerstörung der Apotheker Ludwig Neuhoff, der unmittelbar nach der „Entwarnung“ auf den Auslöser seiner Kamera drückte.

Fotos eine Rarität

„Diese Straßenszenen so unmittelbar nach dem Angriff sind eine Rarität“, sagt der Hagener Historiker Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Wissenschaft, Museen und Archive, „eine der eindrucksvollsten Fotoserien vom Luftkrieg in Deutschland.“

Dabei war der Angriff an diesem Tag eigentlich dem Zufall geschuldet. Er war so etwas wie der Plan B der amerikanischen Airforce. In die Tat umgesetzt wurde er wegen der schlechten Witterung. „Ursprünglich sollten die Bomber Angriffe auf die Verschiebebahnhöfe in Leipzig und in Halle fliegen“, erklärt Dr. Ralf Blank, der in seinem Buch „Bitter Ends“ die letzten Kriegsmonate im Ruhrgebiet ausführlich beschrieben hat, „die schlechten Wetterprognosen für den mitteldeutschen Raum sorgten dafür, dass die Angriffsbefehle noch in der Nacht zum 28. Februar geändert wurden.“ So kam der am Vortag ausgearbeitete Alternativplan zum Zug – das „Todesurteil“ für einen Stadtteil.

Bodenoffensive

Statt Leipzig und Halle standen nun die Verschiebebahnhöfe in Hagen-Eckesey, Soest, Schwerte und Siegen sowie der Eisenbahnviadukt bei Arnsberg und die Honsel-Leichtmetallguss GmbH in Meschede in den Angriffsbefehlen. Strategisch betrachtet galten die Luftangriffe auf diese neuralgischen Punkte auch der Unterstützung der Bodenoffensive. „Am 28. Februar 1945 brachen die 9. und die 1. US-Army bei Erkelenz und Schleiden durch die deutschen Verteidigungslinien, um an den folgenden vier Tagen den Rhein bei Düsseldorf und Köln zu erreichen.“

Kaum vorstellbare 1100 Langstreckenbomber starteten am Morgen gegen 7 Uhr auf Flugplätzen in Ostengland mit Kurs auf die Ziele in Westdeutschland. Dass sie am Ende ihre tödliche Fracht nahezu unbehelligt über den Zielen abwerfen konnten, lag auch an der Fehleinschätzung der deutschen Jagdleitführung: „Wie schon an den Vortagen ging sie von einem erneuten Einflug der US-Bomber in den mitteldeutschen Raum und nach Berlin aus“, so Blank. Die Jägerleitoffiziere bemerkten den Einflug viel zu spät. „Die über Mitteldeutschland in Warteräumen versammelten Jagdflugzeuge hatten schließlich keinen Treibstoff mehr, um die Bomberverbände zu erreichen.“

Hagen besonders stark betroffen

Die Folgen waren fatal: „So stark wie Hagen war keine der anderen Städte betroffen“, sagt Ralf Blank, „das im Norden des Hauptbahnhofs gelegene Eisenbahngelände wurde zwischen 15.05 und 15.11 Uhr und noch einmal um 15.32 bombardiert. 151 Flugzeuge waren daran beteiligt. Das gesamte Eisenbahngelände und die angrenzenden Wohn- und Industrieviertel wurden durch den konzentrierten Abwurf von mehren Bombenteppichen komplett verwüstet.“ 380 Menschen starben in Altenhagen, Boelerheide und vor allem in Eckesey.

Ein ehemaliger SPD-Stadtverordneter notierte in seinem Tagebuch: „Selbst im Stollen, wo ich während des Angriffs war, merkte man die ungeheuren Erschütterungen. Als wir rauskamen, bot sich ein Bild der Verwüstung, wie ich es mir nicht vorgestellt hatte. Ich bin von Eckesey bis zu meiner Wohnung nur über Trümmer geklettert.“