Millionen-€-Kunst sicher vor Dieben?
13.02.2008 | 07:22 Uhr 2008-02-13T07:22:00+0100
Mitte. Schnell, dreist, bewaffnet - Kunsträuber verlieren angesichts steigender Preise für Kunstwerke immer mehr Hemmungen.
Wie sicher werden die Millionen-Werte sein, die in Hagen in das renovierte Karl Ernst Osthaus-Museum (KEOM) und das Emil Schumacher kommen? „Sehr sicher”, sagt der städtische Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin und hat dafür auch eine einleuchtende Begründung: den Standort. „Direkt nebenan ist die Polizeiwache an der Prenzelstraße, das schreckt schon ab”, ist sich Belgin sicher. Auch seien in Hagen die Verhältnisse ganz anders als beim jüngsten Fall in der Schweiz. Der weit gereiste Museumsleiter kennt den Ort des Geschehens: „Das ist kein Museum, das ist eine schöne gemütliche Villa, in die jeder hinein spazieren kann.”
In Hagen werden die Museen über eine Außenhaut-Sicherung und eine automatische Diebstahlsicherung an den Objekten geschützt. Zudem gibt es tagsüber Wachpersonal und nachts einen Wachdienst. Eine Standleitung zur nahen Polizei ruft auch automatisch Hilfe heran. Eine Sicherung, die Belgin angesichts der Werte der Hagener Sammlung für notwendig hält: „Ein Kirchner kostet drei bis fünf Millionen €, wenn ein Sammler unbedingt will, auch zehn.” Auch etwa für Karl Schmitt-Rotluff, Emil Nolde, Max Beckmann oder Alexej von Jawlensky werden Millionenwerte aufgerufen. Die Werke befinden sich derzeit, während der Umbauphase, auf einer Rundreise durch Deutschland un begeistern zehntausende Besucher. Nach der Eröffnung des Karl-Ernst-Osthaus-Museums werden sie wieder in Hagen zu sehen sein. Auch die Sammlung, die ihre Heimat im Emil Schumacher-Museum finden wird, hat einen Marktpreis in zweistelliger Millionenhöhe. Während die Versicherung des KEOM weiterläuft, wird für das Schumacher-Museum ein neuer Vertrag ausgehandelt.
In den 20er Jahren verkaufte Hagen seine Sammlung nach Essen, inzwischen ist hier wieder eine eindrucksvolle Sammlung zu sehen.
- Vorläufer des Karl Ernst Osthaus-Museums ist das Museum Folkwang, 1902 von Karl Ernst Osthaus gegründet.
- Das Museum wurde von 1899 bis 1902 unter der Leitung des Berliner Baurats Paul Gérard im Neo-Renaissancestil errichtet, die Innenausstattung durch den belgischen Künstler Henry van de Velde ausgeführt.
- Am 9. Juli 1902 wurde das Museum Folkwang eröffnet.
- Als Osthaus im Jahr 1921 starb, verkauften seine Erben die Sammlungen ein Jahr nach seinem Tod an die Stadt Essen, finaziert wurde de kauf durch das Kohlensyndikat.
- Seit 1955 befindet sich im Hagener Folkwang-Gebäude das Karl Ernst Osthaus-Museum.
- Die Sammlung des Karl Ernst Osthaus-Museums umfasst Werke der Klassischen Moderne wie der aktuellen Kunst.
Nach extrem hohen ersten Angeboten ist die Stadt nach Belgins Worten nun schon deutlich unter 50 000 € Versicherungsprämie im Jahr: „Wir müssen nicht alle Risiken versichern und gelten auch als sicherer Standort. Das zahlt sich aus.”
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