Mieter wehren sich gegen hohe Heizkosten von Vivawest

Die Vivawest-Mieter Erich Gries (links) und Bernhard Wulff (rechts) wollen gegen Vivawest vorgehen.
Die Vivawest-Mieter Erich Gries (links) und Bernhard Wulff (rechts) wollen gegen Vivawest vorgehen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Vivawest-Mieter in der Wilhelm-Leuschner-Straße haben horrende Heizkosten-Nachzahlungen erhalten. Sie haben einen Anwalt eingeschaltet.

Boelerheide.. Das Thermostat steht auf „Dampf“. Es herrscht nämlich dicke Luft in den Häusern der Wilhelm-Leuschner-Straße 6 bis 20 in Boelerheide. Nachdem unsere Redaktion in Hohenlimburg bereits über den Heizkosten-Ärger der dortigen Mieter des Gelsenkirchener Unternehmens Vivawest in der Wiesenstraße berichtet hatte, traut man in Boelerheide ebenfalls seinen Augen nicht.

Laut den Mietern geht es um 22 000 Euro, die im Zeitraum 2013/2014 zu viel abgerechnet wurden. Man fühlt sich über den Tisch gezogen, fehlinformiert und mit einem aggressiven Inkasso konfrontiert. Doro Kabeck lebt gar nicht in der Wilhelm-Leuschner-Straße. Ihre verstorbene Schwiegermutter Heidrun Kabeck wohnte bis vor kurzem aber noch da. Und an die hat Vivawest ein Schreiben mit einer Nachzahlung von 624 Euro adressiert.

Doro Kabeck wird deutlich: „Eine Sauerei ist das. Meine Schwiegermutter hat in all den Jahren, die sie dort wohnte, nichts nachzahlen müssen, sondern stets etwas zurückerhalten. Noch dazu hatte sie durch ihre Herzerkrankung starke Hitzewallungen und hat dementsprechend wenig geheizt. Hier werden ältere Leute, von denen das Unternehmen glaubt, dass sie sich nicht wehren, über den Tisch gezogen.“

Kosten um 80 Prozent gestiegen

Erich Gries (74) ist ebenfalls verärgert. Obwohl er in seinen Augen einen energetischen Minderverbrauch von etwa 35 Prozent hatte, sollen die Kosten gegenüber der Vorjahresabrechnung um satte 80 Prozent gestiegen sein. „Außerdem sollen die ,Personalkosten Heizung’ um 60 Prozent gestiegen sein“, sagt er. Nach seinen Recherchen in der 64 Wohnungen großen Nachbarschaft der Wohnblock-Siedlung, habe Vivawest den Mietern insgesamt eine Nachzahlung von 22 000 Euro aufgebrummt.

Es ist vorerst nicht zu erwarten, dass Vivawest, ähnlich wie in Hohenlimburg, auch in Boelerheide zurückrudert und sich entschuldigt (siehe Beistelltext). „Der Fall ist mit der Wiesenstraße nicht vergleichbar“, sagt Unternehmenssprecherin Marie Hense, „es handelt sich zwar ebenfalls um Einrohrheizungen, hier jedoch wurden im Juli 2013 Durchflussbegrenzer eingebaut.“ Defekte seien an der Anlage hier nicht bekannt.

Die Diskrepanz zwischen der Entwicklung des Verbrauches und der Kosten liege im Wechsel des Abrechnungsprinzips begründet. Bis zur Abrechnung 2012/2013 wurde nach dem so genannten „Abflussprinzip“ abgerechnet. Hierbei würden diejenigen Kosten mit den Mietern abgerechnet, mit denen der Vermieter selbst im Abrechnungszeitraum belastet worden sei. Mit der Abrechnungsperiode 2013/2014 wurde aufgrund einer neuen Gesetzeslage auf das „Leistungsprinzip“ umgestellt, bei dem nur diejenigen Brennstoffkosten berücksichtigt würden, die im abzurechnenden Zeitraum verbraucht worden seien.

Undurchsichtiges Firmengeflecht

Das Abrechnungsprinzip, vom Bundesgerichtshof in dieser Form erlassen, will Erich Gries auch gar nicht beanstanden, dafür aber die im Verbrauch viel zu hoch angesetzten Kosten für die Kilowattstunde Strom (8,8 statt marktüblicher 6,2 Cent pro Kilowattstunde) und die gestiegenen „Personalkosten Heizung“, die laut Vivawest damit zu begründen seien, dass der Hausmeister früher direkt beim Unternehmen angestellt gewesen sei, nun aber bei einem externen Dienstleiter, wo er neu eingruppiert worden sei.

„Mit dem Hausmeister habe ich gesprochen“, sagt Erich Gries, „eine Lohnerhöhung hat es nach seiner Aussage nicht gegeben.“ Gries hat die Angelegenheit in die Hände eines Rechtsanwaltes gelegt und will gerichtlich gegen Vivawest vorgehen. „Als normaler Mieter kommt man in diesem undurchsichtigen Geflecht von Unternehmen und Subunternehmen nicht weit.“