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Mief und Müll im Hagener Horror-Haus

05.03.2010 | 10:28 Uhr
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus

Hagen. Im Treppenhaus stapeln sich Müll und Unrat, Scheiben sind eingeschlagen, der Hof gleicht einer Müllkippe. Das Horror-Haus in Hagen beschäftigt sechs Behörden. Der Vermieter bekommt das Chaos bislang nicht in den Griff.

Die Zustände im Haus an der Eugen-Richter-Straße 98 in Hagen-Wehringhausen sind eigentlich unhaltbar. Sechs Behörden schicken hier regelmäßig ihre Aufsichtsbeamten vorbei: die Untere Wasserbehörde, die Abfallbehörde, das Ordnungsamt, die Stadtentwässerung, das Bauordnungsamt und das Gesundheitsamt. Alle sehen sie hier nach dem Rechten.

Es ist aber auch ein wahres Horror-Haus, ein Dreckloch. In dem verlotterten Treppenhaus stapeln sich Müll und Unrat, der Staub liegt dick auf Fensterbänken und Böden, an mancher Wohnungstür sind die Scheiben eingeschlagen. Man kann den Mief förmlich riechen. Und das alles bietet der Hinterhof in potenzierter Form, nur dass hier auch noch Efeu und Gesträuch wild durcheinander wuchern und Wasser in trommelndem Stakkato aus einem abgebrochenen Rohr tropft. Wenn in einer der Mietwohnungen der Spülhahn aufgedreht wird, ergießt sich ein Wasserschwall in den Hof. „Am schlimmsten aber war das defekte Abwasserrohr”, sagt Georg Thomys, Leiter des Bauordnungsamtes, und rümpft die Nase. Drei Tage lang flossen die Fäkalien der Hausbewohner ungeklärt in den Garten, es muss entsetzlich gestunken haben. Das Gesundheitsamt hat (noch) keine bakterielle Verseuchung festgestellt.

Erbaut um Jahrhundertwende

Und stetig tröpfelt das Abnwasserrohr.

Das Haus an der Eugen-Richter-Straße 98 war einmal ein schönes Haus. Erbaut um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, vermittelt die Fassade noch heute eine Ahnung einstigen Bürgerstolzes. Der schleichende Verfall, wann setzte er ein? Der Besitzer, Horst Edel (72), ein ehemaliger Opernsänger, wohnt in Baden Baden. 150 000 Euro habe er in den vergangenen vier Jahren in die Sanierung des Gebäudes gesteckt, berichtet er am Telefon: „Einige Bewohner unterschlagen einfach die Miete. Wenn ich sie endlich los bin, lassen sie ihren Unrat zurück. Sie gehen zum Amt, beantragen neue Möbel und verhunzen die nächste Wohnung.”

Die Stadtverwaltung hat Edel kürzlich mit drei Zwangsgeldern gedroht: wegen Holzstapeln, ach was, Bretterbergen im Hausflur und kaputter Treppenstufen. „Diese Mängel sind dann beseitigt worden”, so Zeki Ates, Sachbearbeiter im Rathaus.

Mietnomaden

„Dem Vermieter kann man keinen Vorwurf machen”, sagt Mieter Kai-Uwe Stein. Wohl aber einigen Mitbewohnern des Hauses: „Das sind regelrechte Mietnomaden.” Auch Olaf Möller (33), der im benachbarten Haus Nr. 96 lebt und für Edel die Vermittlung leer gezogener Wohnungen übernommen hat, macht die Mieter für die asozialen Verhältnisse verantwortlich: „Wenn eine neue Tür eingebaut ist, gebe ich Ihnen drei Monate, dann ist die Tür eingetreten.” Bereitwillig zeigt er eine vor Schmutz starrende Wohnung: „Die Leute sind einfach abgehauen.”

Für die ästhetischen Mängel, für den Dreck kann die Stadt kein Zwangsgeld verhängen. „Wir müssen uns an die Fakten halten”, sagt Thomys. Deshalb wende man sich an den Eigentümer, der sei dafür verantwortlich, dass Bestands- und Verkehrssicherheit, Brandschutz und gesunde Wohnverhältnisse gewährleistet seien. Ja, man habe auch schon über eine Zwangsräumung nachgedacht: „Aber dann stehen alle Mieter auf der Straße.”

Hof als Müllkippe

Es wohnen nicht wenige Hartz-IV-Bezieher in dem Haus, und zwei Türen weiter, in Haus Nr. 102, das ebenfalls Edel gehört, ist es genauso. Möller zeigt den Hof, oder besser: Er zeigt die Müllkippe. Er steht inmitten eines ungeheuren Müllhaufens. Auf einer Balkonstange ist ein halbes Brötchen aufgespießt, möglicherweise als Vogelfutter. „Wenn der Hartz-IV-Geruch erst einmal im Haus hängt, kriegt man keinen vernünftigen Mieter mehr”, sagt Edel. Er ist weit weg in Baden Baden, und wenn er etwas reparieren lässt in diesem einstmals stolzen Bürgerhaus, dann mutet das an wie Flickschusterei, und kann er wirklich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn betrunkene Mieter die Türen einschlagen, die Abwasserrohre beschädigen und ihren Müll aus dem Fenster werfen?

Der Unrat, die offene Kloake, die Zerstörungen - all das ist bittere Realität. Mitten in Hagen. Mitten in Deutschland. Das Haus wird die Hagener Behörden wohl noch lange Zeit beschäftigen.

Mief und Müll im Hagener Horror-Haus

Hubertus Heuel

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Kommentare
19.01.2011
13:25
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Klapperschlange | #32

Aha, aufeinander zugehen....sonst noch was?

Wer zu faul oder zu dämlich ist, seinen Müll ordentlich zu entsorgen und seine Wohnung wenigstens etwas sauber zu halten, sollte sich auf einer Deponie ansiedeln. Da kann einfach alles rumgeschmissen werden, man muss nicht putzen und es stinkt immer, ohne dass sich jemand Mühe damit geben muss.

06.03.2010
10:21
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Käppchen | #31

Tür kleingehackt und mit dem Holz über der
Badewanne einen leckeren Hammel
gegrillt.

06.03.2010
10:08
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Hans Huckebein | #30

Die Behörden haben einzig und allein die Aufgabe, altgedienten Parteikadern ohne Ausbildung und Wissen gutdotierte Posten zu verschaffen, oder ist hier jemand, dem eine Behörde schon mal geholfen hat?

06.03.2010
00:00
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Institut Lichtblick W. Schmidt | #29

Hier gehören alle Beteiligten an einen Tisch - und zwar ganz schnell ! Eigentümer, Mieter, Anwohner, Behörden usw. sollten sich professionelle Hilfe bei einem MEDIATOR suchen.
Nicht streiten, sondern aufeinander zugehen.
Nicht die Probleme beschreiben, sondern die Lösungen suchen und finden!

05.03.2010
23:00
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Klaus Kind | #28

Aber hallo, dümmer geht es nicht mehr?
Seit 2005 kann man nicht zumm AMT gehen und neue Möbel beantragen.
Es ist eine Arbeitsgemeinschaft, die keine Sachleistungen über den ALG II Beträgen hinaus an ihr KUNDEN vergibt.

Wie alt ist EDEL eigentlich 72 oder 74 Jahre,

Vielleicht will Edel auch nur die Häuser endlich abreisen lassen können.
Als Baugrund für bessere Zeiten sind Spekulanten sicher bereit diese zu kaufen.


-----------------------------------------------Zitat----------------
„Einige Bewohner unterschlagen einfach die Miete. Wenn ich sie endlich los bin, lassen sie ihren Unrat zurück. Sie gehen zum Amt, beantragen neue Möbel und verhunzen die nächste Wohnung.”
-----------------------------------------------Zitat ENDE-----

05.03.2010
22:12
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Günther zollner | #27

Ich habe die selbe meinung wie Artickel Nr: 14

05.03.2010
19:24
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von schnilch | #26

hm, tja.. augen auf bei der auswahl der mieter - wer sich bequem zurücklehnen will, bekommt halt jeden ins haus gesetzt ... und somit halt: selber schuld!

05.03.2010
18:23
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von Mensch ist der united | #25

Ganz Hagen ist voll der Horror!

05.03.2010
16:40
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von prima | #24

Sie brauchen sich ja auch um nix kümmern und gefällt die Wohnung nicht mehr, ziehen sie aus..meistens ohne vorher zu kündigen..rennen zum Amt und bekommen die neue Wohnung bezahlt und eingerichtet.

Wie kommen Sie denn auf das schmale Brett?

05.03.2010
16:33
Mief und Müll im Hagener Horror-Haus
von S.Sauer | #23

-----------------------------------------------Zitat----------------
„Einige Bewohner unterschlagen einfach die Miete. Wenn ich sie endlich los bin, lassen sie ihren Unrat zurück. Sie gehen zum Amt, beantragen neue Möbel und verhunzen die nächste Wohnung.”
-----------------------------------------------Zitat ENDE-----

Erst lockt Herr Edel die Leute in sein Haus und dann beschwert er sich über diese. Lächerlich.

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