Menschen voller Hoffnung und Träume
20.06.2007 | 09:35 Uhr 2007-06-20T09:35:17+0200Mitte. (FS) Der letzte Abend der "TanzRäume" war ein Heimspiel. Hagens Ballett-Ensemble überzeugte das Publikum am Samstag mit "Estacao esperanca (Station der Hoffnung)".
Das Festival endet am Samstag eindrucksvoll, melancholisch. "Estacao esperanca (Station der Hoffnung)" erzählt, wie die Tänzer und Tänzerinnen ihre Heimat verlassen. Bis sie ankommen, gibt es viele Stationen und viele Tänze.
Ein Film von Mustafa Özgür Arslan läuft im Hintergrund. Er war am Projekt "Ebene II" beteiligt und drehte für das Stück auf dem Bahnhof, den Straßen Hagens. Eine 30er-Jahre-Film-Ästhetik liegt über den Bildern. Am Anfang ist der Film, dann beginnt die Choreographie, und der Film läuft weiter.
Ballettchef Ricardo Fernando verließ vor 15 Jahren Brasilien, viele der anderen Tänzer sind ebenfalls Migranten. Das Thema ist zur Zeit aktuell, relevant, und am Samstag war es auf der "Opus"-Bühne: Hoffnungsfroh und doch voller Sehnsucht nach der Heimat. Die Kulisse ist erst ein Bahnsteig, dann sind es Straßen, aber auch Landschaften. Klassische oder lateinamerikanische Musik beeinflussen die Stimmung.
Die Auswahl der Lieder ist zum Teil sehr persönlich und varriiert vom russischen Volkslied bis zum portugiesischen Fado. Die Musik passt zur Choreographie, das Zusammenspiel ist harmonisch.
Koffer und Mäntel spielen wichtige Rollen, während Daria Dergoussova, Simona Tartaglione, Viola Crocetti, Angelo Murdocco, Marcelo Moraes und Ta?mas Krizsa die Choreographie Ricardo Fernandos auf die Bühne bringen. Die Bewegungen sind fließend, die Musik mal ruhig, mal schnell.
Am Anfang sind die sechs im Bahnhof, suchend. Sie steigen in verschiedenen Ländern in Züge, treffen sich auf einem Bahnsteig, sind in einem Zug. Hagen wird zur Station der Hoffnung, doch die Sehnsucht nach der Heimat bleibt. Hebefiguren und Drehungen wirken melancholisch und dennoch schön. Von Tanz zu Tanz wird der Applaus lauter, letztendlich ist er unterlegt von Fußgetrappel. Die Karten waren seit zehn Tagen ausverkauft. Für Jutta Ihlow ist dieser Abend "das Highlight" des Festivals. "Am Besten hat mir die Verbindung zwischen Film und Tanz gefallen", sagt Karin Köppen.
Die Choreographie wurde schnell entwickelt, sie ist sehr persönlich. Ricardo Fernando liegt sie "sehr am Herzen", aber sie sollte auch nicht "sehr theatralisch" sein. Er ist seit 15 Jahren in Europa, mit Koffern. Er fuhr mit dem Zug zur Arbeit und in gewisser Weise saßen alle Tänzer im selben Zug - in "Estacao esperanca (Station der Hoffnung)" teilen sie außerdem Sehnssucht und Hoffnung.
Migration ist ein aktuelles Thema. Das Stück ist eine nahegehende Inszenierung (siehe auch überregionale Kulturseite).
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