„Menschen freuen sich, wenn jemand für sie da ist“

Breckerfeld..  Ein Notfallseelsorge-Team kümmert sich seit Beginn des Jahres bei der Feuerwehr Breckerfeld um Unfallbeteiligte, Verletzte und deren Angehörige. In einem Gottesdienst ist das Team eingeführt worden. Unsere Zeitung sprach mit Eva Brühl, eine der Initiatorinnen der Gruppe, über das Angebot, das sich in kirchlicher Trägerschaft befindet.

Wie ist die Gruppe entstanden?

Eva Brühl: Mein Mann ist seit 2006 bei der Löschgruppe Delle aktiv. Der Melder lag quasi neben dem Bett. Wenn der dann losgegangen ist und mein Mann zum Einsatz rausfuhr, habe ich immer wieder gehört, dass Notfallseelsorger zu Einsatzstellen angefordert wurden. Dabei habe ich aber auch mitbekommen, dass die Geistlichen, die bislang diese Aufgabe wahrgenommen haben, nicht immer auf Abruf verfügbar waren. So kam die Idee zu der Gruppe auf – um dieses Manko zu beheben.

Wie sind die Notfallseelsorger ausgebildet worden?

Wir haben an einem Seminar teilgenommen, das unter der Leitung der Polizei- und Feuerwehrseelsorge des Ennepe-Ruhr-Kreises stand. 16 Interessierte haben gemeinsam begonnen. Einige sind aus den verschiedensten Gründen abgesprungen. So muss ja zum Beispiel der Arbeitgeber diesem Engagement zustimmen. Und im Gegensatz zu Feuerwehrleuten gibt es keine Erstattung, wenn wir während der Arbeitszeit zu einem Einsatz gerufen werden. Am Ende sind wir zu sechst.

Wie viele Einsätze hat das Team denn seit Anfang des Jahres absolviert?

In diesem Jahr sind wir glücklicherweise erst einmal angefordert worden. Aber denken Sie nur an den tragischen Badeunfall an der Glörtalsperre, bei dem ein Schüler ertrunken ist. Da musste auf einen Schlag eines ganze Schulklasse betreut werden. Wir rechnen mit fünf bis acht Einsätzen pro Jahr.

Fahren Sie bei jedem Einsatz mit der Feuerwehr raus?

Nein. Wir werden erst in einem zweiten Schritt angefordert, wenn vor Ort klar wird, dass es Bedarf gibt. Einer aus dem Team hat immer für sieben Tage Bereitschaft und wird dann über die Leitstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises informiert.

Sie selbst sind ja schon etwas länger aktiv – gibt es Einsätze, die Ihnen in Erinnerung bleiben?

Ja, natürlich. Bei einem schlimmen Verkehrsunfall habe ich mich sehr intensiv um die Familie des Unfallfahrers gekümmert. Der Vorfall ist allen sehr nahe gegangen. In Breckerfeld kennen die Menschen ja einander. Da geht es dann auch darum, wie man gegenüber der Öffentlichkeit mit so einem tragischen Unfall umgeht. Einmal habe ich mich intensiv um einen dementen Mann gekümmert, dessen Frau verstorben war. Angehörige hatte er nicht. Er war mit der Situation überfordert.

Sind Sie schon einmal abgewiesen worden?

Nein. Bisher noch nicht. Manchmal gehe ich auch am Tag nach einem Vorfall bei den Betroffenen vorbei. Bislang bin ich immer mit offenen Armen empfangen worden. Die Menschen freuen sich, wenn jemand für sie da ist, der sie in einer belastenden Situation unterstützt. Sie wissen, dass sie uns vertrauen können. Wir unterliegen der Schweigepflicht.

Wie belastend sind die Einsätze?

Bedingt durch meinen Beruf als Sozialarbeiterin bei der Drogenhilfe in Hagen habe ich manches erlebt. Anfangs hat es mir geholfen, darüber zu sprechen. Heute gelingt es mir, eine Art Schalter umzulegen. Ich suche das Positive in dem, was ich erlebe. Die Notfallseelsorger können aber selbst Unterstützung in Anspruch nehmen. Die Gruppe trifft sich einmal im Quartal zum Austausch. Hinzu kommen regelmäßig Fortbildungen. All das hilft.