Mann tötet Frau mit 20 Stichen und stürzt sich in den Tod

Über dieses Gerüst verließ der Hagener (52) die Wohnung. Dort hatte er zuvor seine Lebensgefährtin (48) erstochen.
Über dieses Gerüst verließ der Hagener (52) die Wohnung. Dort hatte er zuvor seine Lebensgefährtin (48) erstochen.
Foto: WP/Michael Koch
Was wir bereits wissen
Schreckliches Ende eines Beziehungsstreits in Hagen: Die Frau (48) hatte verzweifelt versucht, ihre Söhne zur Hilfe zu holen. Aber sie kamen zu spät.

Hagen.. Am Tag nach der Bluttat in der Frankfurter Straße mit zwei Toten schärft sich das Bild, was sich genau auch am Sonntagabend abgespielt hat. Die Obduktion der beiden Leichen hat ergeben, dass ein 52-Jähriger seine Lebensgefährtin mit etwa 20 Messerstichen getötet hatte, bevor er sich selbst von einem etwa acht Meter hohen Gerüst stürzte und auf dem Gelände der Tankstelle Tucht aufprallte. Der Mann starb laut Polizei an seinen schweren Kopfverletzungen und war schon beim Eintreffen der Rettungskräfte tot. Bei der Tatwaffe handelte es sich um ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge.

„Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen ist von einem Beziehungsstreit und einem anschließenden Suizid auszugehen“, heißt es offiziell von Staatsanwaltschaft und Polizei. Doch hinter diesen nüchternen Worten verbirgt sich eine Tragödie: Die 48-Jährige hinterlässt vier Kinder – zwei erwachsene Töchter sowie zwei Söhne (15 und 27 Jahre). Und die beiden Söhne mussten am Sonntagabend in Teilen den Todeskampf der Frau miterleben.

Die Beziehung stand wohl vor dem Aus

Seit drei Jahren lebte die 48-Jährige mit dem 52-Jährigen zusammen. Aber offensichtlich stand die Beziehung vor dem Aus: Nach Informationen unserer Redaktion war der Auszug des 52-Jährigen aus der Wohnung der 48-Jährigen geplant. Die wohnte schon seit mehr als 15 Jahren in dem Haus an der Frankfurter Straße und galt als ordentliche und unauffällige Mieterin.

Am Sonntagabend muss es dann zu einem massiven Streit gekommen sein. Die 48-Jährige rief nach Polizeiangeben gegen 18.30 Uhr in ihrer Not ihren 27-jährigen Sohn an und schrie um Hilfe, doch das Telefonat wurde unterbrochen. Mit einem Taxi eilte der Sohn in die Frankfurter Straße. Auch sein 15-jähriger Bruder und der Schwager der beiden hatten von der Notsituation der 48-Jährige erfahren. Sie waren schnell vor Ort.

Als niemand in der Wohnung aufmachte, kletterten der 15-Jährige und der Schwager über ein Gerüst, das wegen Renovierungsarbeiten an dem Haus steht, hoch zur Wohnung. Durch ein Fenster gelangten sie in die Wohnung und entdeckten die blutüberströmte Frau in ihrem Schlafzimmer.

Gewalt Zu der Zeit hatte der 27-jährige Sohn schon die Polizei alarmiert, die sich eilends auf dem Weg zur Frankfurter Straße machte, als ein zweiter Notruf einging: Nachbarn hatten einen dumpfen Knall gehört und schließlich einen Mann auf dem unmittelbar angrenzenden Tankstellengelände entdeckt. Es handelte sich um den 52-jährigen Lebensgefährten, der nach den Messerstichen über das Gerüst an der Rückseite des Hauses aus der Wohnung geflüchtet und dann offensichtlich absichtlich acht Meter in die Tiefe gesprungen war.

Nach Suizid ist Fall für Ermittler abgeschlossen

Der 52-Jährige hatte nach Informationen dieser Zeitung zwar ein Alkoholproblem. Doch: „Bei der Tat spielte Alkohol keine Rolle“, so Polizeisprecher Tino Schäfer. „Wir sind zuvor auch nie mit Streitigkeiten des Paars beschäftigt gewesen.“ Eine Einschätzung, die aus dem familiären Umfeld des Opfers geteilt wird: Mit solch einer Gewalttat habe man trotz Streitigkeiten nie rechnen können. Für Polizei und Staatsanwaltschaft gibt es zudem keine Hinweise, dass weitere Personen beteiligt gewesen sein könnten. Da der offensichtliche Täter selbst verstorben ist, ist für sie der Fall zunächst abgeschlossen.

Auch auf dem Tankstellengelände der Firma Tucht, das nur zufällig am Sonntag zum Schauplatz einer Tragödie wurde, herrschte am Montag normaler Geschäftsbetrieb. Zumindest fast: Ein paar Kunden mehr kamen vorbei, um nach dem Geschehen zu fragen.