Mann sucht gefährliche Nähe zu Kindern und Jugendlichen

Obwohl ein Triebtäter immer wieder gegen Auflagen verstößt, belässt es das Gericht bei einer Bewährungsstrafe.
Obwohl ein Triebtäter immer wieder gegen Auflagen verstößt, belässt es das Gericht bei einer Bewährungsstrafe.
Foto: Kurt Michelis
Ein wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafter Hagener sucht trotz Auflagen weiterhin den Kontakt zu Kindern. Er kommt mit einer Bewährungsstrafe davon.

Hagen.. Er hatte einen 15-jährigen Schüler gefragt, ob dieser ihn beim Aufsammeln von Zigarettenresten begleiten würde. Was sich harmlos anhört, war in diesem Fall eine Straftat und wird den Mann (48) beim nächsten Mal hinter Gitter bringen.

Dr. Thorsten Opitz hat in seiner Richterlaufbahn schon vieles verhandelt – aber eine Anklage nach Paragraf 145a Strafgesetzbuch war bisher noch nie dabei. Äußerst selten ist der Vorwurf, gegen eine Weisung während der Führungsaufsicht verstoßen zu haben.

Der unscheinbar wirkende Anklagte aus Altenhagen ist ein einschlägig vorbestrafter Sexualstraftäter, der insbesondere die Nähe zu Jungen in der Nachbarschaft sucht. Zuletzt wurde er im August 2007 wegen Kindesmissbrauchs in fünf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Davon verbüßte er ein Jahr und sechs Monate – und zog danach ausgerechnet wieder in das Wohnhaus ein, indem auch seine früheren Opfer wohnen.

Strenge Auflagen für den Angeklagten

Die Richter erließen im Nachhinein strenge Auflagen gegen den Mann, der immer noch als gefährdeter Triebtäter eingestuft wird. So darf er die nächsten Jahre nicht in Berufen arbeiten, die ihn mit Kindern und Jugendlichen zusammenbringen. Zudem ordnete die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts „Führungsaufsicht“ an, eine Maßnahme zur Kontrolle und Überwachung. Im Dezember 2012 wurde dem Angeklagten durch einen Gerichtsbeschluss auferlegt, sich von Spielplätzen fern zu halten: „Jegliche Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen ist ihm verboten“.

Diese Weisung zu befolgen, scheint dem Angeklagten schwer zu fallen, berichtete seine Bewährungshelferin. So hätte er ihr gegenüber eingeräumt, dass sich wieder mehrfach Kinder und Jugendliche in seiner Wohnung aufgehalten hätten. Zu erneuten Übergriffen sei es aber nicht gekommen. In Kürze soll der Angeklagte im „ambulant betreuten Wohnen“ untergebracht werden.

Am 25. Juli vergangenen Jahres, so der jetzige Anklagevorwurf, hätte er einen 15-jährigen Jungen gebeten, ihn auf einem Parkplatz an der Alexanderstraße beim Sammeln von Zigarettenresten zu begleiten.

„Ich hatte nichts mehr zu rauchen. Da dachte ich mir, ich gehe mit ihm Kippensammeln“, so der Angeklagte. Das war nachts um 23.50 Uhr. Etwa 20 Minuten sei er mit dem Jugendlichen allein gewesen. Auf der Anklagebank tut der Mann das mit einem lapidaren „war blöd“ ab.

Schutzpflicht des Staates

Wegen des Verstoßes gegen die Weisung aus der Führungsaufsicht verhängte Richter Dr. Opitz zwei Monate Haft, ausnahmsweise und letztmalig zur Bewährung ausgesetzt.

„Beim nächsten Mal müssen Sie garantiert ins Gefängnis“, erklärte der Amtsrichter unmissverständlich. „Es gibt eine Schutzpflicht des Staates, die muss auch durchgesetzt werden, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Von Ihnen geht leider immer noch ein Risiko aus.“