Mädchen und Jungen lernen „Nein!“ zu sagen

Petra Rottmann von der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt "Wildwasser Hagen" leitet im Kindergarten Unterm Regenbogen ein präventives Selbststärkungsprogramm.
Petra Rottmann von der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt "Wildwasser Hagen" leitet im Kindergarten Unterm Regenbogen ein präventives Selbststärkungsprogramm.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Elf Kinder fassen sich an den Händen und bilden so einen Kreis, nur ein Junge bleibt außen vor. Er berührt nun ein anderes Kind; gefällt diesem der körperliche Kontakt, wird der Junge in den Kreis aufgenommen – wenn nicht, dann nicht. Freundlich streichelt er einem Mädchen über den Arm; der Kreis öffnet sich, er gehört nun dazu. Was auf den ersten Blick wie ein kindlicher Zeitvertreib wirkt, besitzt jedoch einen pädagogischen Hintergrund.

Denn das vermeintliche Spiel gehört zum Konzept von Wildwasser Hagen, der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt, deren Mitarbeiterin Petra Rottmann im Reher Kindergarten Unterm Regenbogen zu Gast war. „Die Kinder sollen sich trauen, zu ihren Gefühlen zu stehen“, beschreibt Rottmann den Sinn des präventiven Programms.

Das Selbstbewusstsein stärken

Drei Tage lang wird das Selbstbewusstsein der Fünf- bis Sechsjährigen in jeweils einstündigen Einheiten zu den Themen „Gefühle“, „Berührungen“ und „Nein sagen dürfen“ auf spielerische Art und Weise gestärkt. Aus gutem Grund, erläutert die Wildwasser-Expertin, die die Strategien der Täter genau kennt: „Die Täter stammen meist aus der Familie oder dem näheren Umfeld und versuchen, die Kinder durch Sätze wie ,Ich hab dich doch lieb’ zu verwirren.“ Deshalb sollen die Kinder lernen, auch Erwachsenen gegenüber klar und deutlich „Nein!“ zu sagen und über ihren eigenen Körper zu bestimmen: „Denn die Täter suchen sich meist Opfer aus, bei denen sie nicht mit Widerstand rechnen.“

„Nicht in allen Familien wird über den Körper gesprochen“, weiß die Kindergartenleiterin Jutta Karras von der Wichtigkeit des Programms. „Und den Kindern macht es zudem Spaß.“

Deshalb soll die Zusammenarbeit mit der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt laut Karras auch künftig fortgesetzt werden: „Im vergangenen Jahr gab es einen Elternabend, zu dem auch Wildwasser eingeladen war. Dieser wird auch 2016 wieder stattfinden.“