Lutz Hagen zeigt „Frerk, Du Zwerg“

Szene aus „Frerk, Du Zwerg“ am   Theater Hagen mit  Kristina Günther-Vieweg, Marie-Theresa Lohr und  Firat Baris Ar.
Szene aus „Frerk, Du Zwerg“ am Theater Hagen mit Kristina Günther-Vieweg, Marie-Theresa Lohr und Firat Baris Ar.
Foto: Klaus Lefebvre / Theater Hagen
Die Junge Bühne Lutz Hagen zeigt mit „Frerk, Du Zwerg“, wie Kinder sich mit Mut und Phantasie aus der Opferrolle befreien können. Das Stück stammt von Finn-Ole Heinrich.

Hagen.. Frerk ist das geborene Opfer. Seine Mutter steckt ihn in unmögliche Klamotten, er hat den uncoolsten Ranzen der ganzen Stadt und ist auch noch der Zweitkleinste in der Klasse. So etwas nutzen Typen wie Andi (Ändi) natürlich aus. Der quält Frerk, wo er nur kann und klaut ihm sein Pausenbrot. Das schmeckt ihm noch nicht einmal, denn Frerks Mutter hält nichts von Toast mit Majo und Wurst, sie steht mehr auf Vollkorn. Mit „Frerk, Du Zwerg“ hat Finn-Ole Heinrich wieder ein Kinderstück geschrieben, das den Finger am Puls der Zeit hat. Regisseurin Miriam Michel setzt es jetzt im Lutz des Theaters Hagen ebenso fröhlich wie sensibel um.

Deutscher Jugendliteraturpreis

Finn-Ole Heinrich gilt als einer der kreativsten unter den deutschen Schriftstellern. Die Buchfassung von „Frerk, Du Zwerg“ ist 2012 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden. Hochverdient, das Thema Mobbing unter Kindern wird hier eben nicht voller Betroffenheit und mit mahnend erhobenem Zeigefinger behandelt, sondern in eine anarchisch-komische Geschichte verpackt. Frerk weigert sich einfach, ein Opfer zu sein. Doch das ist gar nicht so leicht. Wie er es trotzdem schafft, davon erzählt das Stück.

Die junge begabte Regisseurin Miriam Michel muss hier eine Gratwanderung hinlegen. Denn so öde Frerks Alltag ist, so lebendig blüht seine Phantasie. Dieser Wechsel von Außenwelt und Innenwelt gelingt Miriam Michel, ohne ihren Protagonisten zu beschädigen oder der Sache das Geheimnis zu nehmen. Jeremias H. Vondrlik hat dafür eine ebenso schlichte wie bildkräftige Drehbühne gebaut. Sie zeigt Frerks Welt, die um Schulhof und Zuhause kreist. Auf dem Schulhof findet sich an Graffiti alles, was zur Zeit in der Jugendkultur unterwegs ist.

Dazu gehört auch ein großer gemalter Hund mit gefletschten Zähnen. So einen wünscht sich Frerk inniglich. Der würde Andi (Ändi) schon in Schach halten. Aber seine Mutter hat es gerne sauber und ordentlich. Von Tieren will sie nichts wissen. Von Spielkameraden auch nicht. „Freunde soll ich nicht mit nach Hause bringen, ich alleine mache ja schon genug Dreck. Sie ist gegen alles allergisch, was Freude macht“, resigniert Frerk.

Zwerge! echte Zwerge!

Kristina Günther-Vieweg spielt diesen Frerk mit leise aufblitzendem Charme als viel zu klugen Jungen, der zwar die Situationen um sich herum gründlich durchschaut, der aber erst lernen muss, sich auch darin zu behaupten. Levi Schmehl ist als Andi (Ändi), der Raufbold, der geradezu riecht, wenn jemand sich nicht wehren kann. Marie-Theresa Lohr und Firat Baris Ar geben die Mutter mit der Bakterienphobie und der darob verstummte Vater, der gar keinen Anteil mehr nimmt.

Als Frerk eines Tages von Andi (Ändi) mit dem Kopf in den Sand gedrückt wird, findet er ein Ei. Was mag daraus wohl schlüpfen? Ein Hund? Zwerge! Echte Zwerge! Und die beginnen sofort, das Leben von Frerk und seinen Eltern auf den Kopf zu stellen.

„Frerk, Du Zwerg“ ist ein Märchen über die Macht des Wünschens und der Kraft der Veränderung. Nicht nur Frerk wächst aus der Opferrolle heraus, auch der Vater überwindet seine Sprachlosigkeit, so dass die Familie wieder funktionieren kann. Das ist so herrlich schräg und aufmüpfig gespielt, dass es schade wäre, wenn nur Kinder die Vorstellungen sehen.

Das Stück ist im Programm „Jeder Schüler ins Theater“. Kontakt: tillmann.schnieders@stadt-hagen.de. Termine und Karten unter: www.theaterhagen.de

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