Lutherkirche bald keine Kirche mehr

Die evanglische Lutherkirche wird am Sonntag entwidmet.
Die evanglische Lutherkirche wird am Sonntag entwidmet.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Am kommenden Sonntag wird die seit fünf Jahren leerstehende Lutherkirche entwidmet. Das Gotteshaus ist bald keine Kirche mehr.

Hagen.. Wäre die Lutherkirche ein lebendiges Wesen, könnte man von einem Tod auf Raten sprechen. Dass es sich um ein Gebäude handelt, macht die Sache allerdings nicht viel besser. Am kommenden Sonntag wird das seit fünf Jahren leerstehende Gotteshaus entwidmet. Die Lutherkirche ist bald keine Kirche mehr.

Vor dem Schritt, der Lutherkirche ihren sakralen Charakter zu nehmen, ist die evangelische Stadtkirchengemeinde lange zurückgescheut. Das Presbyterium hegte die Hoffnung, einen Käufer zu finden, der das marode, unter massivem Schimmelbefall leidende Bauwerk nicht nur auf Vordermann bringen, sondern auch für kirchliche Zwecke zur Verfügung stellen würde. Vor den immensen Kosten – der Sanierungsstau beträgt mindestens eine Million Euro – schreckten jedoch alle Investoren zurück. „Schweren Herzens haben wir uns daher zur Entwidmung entschlossen“, seufzt Pfarrerin Juliane im Schlaa.

Gebäude ohne Sonderstatus

Mit der Entwidmung, die noch der kreis- und landeskirchlichen Zustimmung bedarf, wird die Lutherkirche als Kirche aufgegeben. Auch wenn sie noch wie eine Kirche aussieht, ist sie dann ein stinknormales Gebäude ohne Sonderstatus oder Zweckbestimmung. Gottesdienste können dort nicht mehr gefeiert werden. Pfarrerin im Schlaa ist sich der Emotionalität des Entwidmungsaktes bewusst: „Das tut vielen Menschen richtig weh. Sicherlich werden Tränen fließen.“

Der Lutherkirche wird nicht einmal die „Ehre“ einer Entwidmung an Ort und Stelle zuteil. Das Innere des Hauses ist mit Schimmelsporen kontaminiert, ein mehrstündiger Aufenthalt in der Kirche aus gesundheitlichen Gründen nicht anzuraten. Vor allem im Keller unterhalb der Orgel hat sich der gefährliche Pilz breitgemacht; eine Inbetriebnahme der Orgel und das damit verbundene Vibrieren der Wände würde den Sporenflug verstärken. Deshalb wird der Entwidmungsgottesdienst am Sonntag, 10. Mai, um 10.30 Uhr in der Markuskirche am Ischeland gefeiert.

Pfarrerin im Schlaa will per Powerpoint-Präsentation an die lange Geschichte der Lutherkirche und ihres Vorgängerbaus erinnern, zudem will sie den Gläubigen Prinzipalstücke wie Abendmahlskelche, Paramente und Kerzenleuchter aus der Kirche im Bahnhofsviertel zeigen: „Und wir nehmen natürlich in Gebeten und Texten Bezug auf die Lutherkirche.“

Moschee nicht erlaubt

Die Entwidmung ist notwendig, um die Kirche anderweitig nutzen zu können. Ein Hotel wäre denkbar, ein Altenheim, ein Bürohaus oder ein Kongresszentrum. Oder ein Wohnhaus. Eine Moschee oder einen Rotlichtbetrieb lassen die Statuten der Kirche dagegen nicht zu. In jedem Fall wären die Umbaukosten enorm, zumal die Lutherkirche unter Denkmalschutz steht, der neue Besitzer also Auflagen beachten muss. Nicht nur das Gebäude, auch große Teile der Inneneinrichtung, etwa das Wandkreuz, der Taufstein, der Altar, die Orgel und sogar die weißen Kirchenbänke stehen unter Denkmalschutz.

Vor zwei Jahren scheiterte der Verkauf der wertvollen, passgenau in die Seitenempore eingebauten Orgel an eine Gemeinde in Oslo am Veto des Hagener Denkmalamtes. „Man kann nicht einfach die Orgel ausbauen ohne zu wissen, was mit der Kirche geschehen soll“, fordert Amtsleiterin Ina Hanemann ein umfassendes Nutzungskonzept. Doch die Kirchengemeinde ist angesichts der trüben Verkaufsperspektiven und des bedrückenden Zustands des Gebäudes, dessen Erhalt den Gemeindehaushalt belastet, schon einen Schritt weiter: „Wenn wir im nächsten Jahr keinen Investor finden, beantragen wir die Abrissgenehmigung“, kündigt Pfarrerin im Schlaa an.

Erst die Schließung der Kirche, dann der fortschreitende Verfall, jetzt die Entwidmung und demnächst möglicherweise der Abriss – wäre die Lutherkirche ein lebendiges Wesen, könnte man von einem Tod auf Raten sprechen.