Loßröcke kehren Wohnzimmer aus
01.02.2009 | 16:38 Uhr 2009-02-01T16:38:00+0100
„Die Wohnzimmer sind leer im Hagener Norden, denn alle sind bei den Loßröcken”, begrüßte Oberloßrock Bernd I. seine Gäste. Gut 750 Karnevalisten genossen am Samstagabend eine Prunksitzung der besonderen Art.
„Ich will euch nicht mit der Theorie langweilen”, erklärte Herzdame Elwira I., und so ging es gleich los. Nach einer kurzen Begrüßung der Größen aus Politik, Religion und Karneval hielt die Gäste nichts mehr auf den Stühlen. Es erklang die Boeler-Nationalhymne „Die alten Germanen” und alle stimmten voller Inbrunst ein.
Die Stimmung war fantastisch, bereits beim Einmarsch der Loßröcke herrschte „Gänsehaut-Feeling”. Ausgelassen freuten sich die Karnevalisten in der ausverkauften Gesamtschule Helfe auf ein Programm voller Witz und Spaß.
Gleich zu Beginn stürmte die Tanzsportgarde KG Grün-Weiß Vorhalle die Bühne. Mit ihrer Choreographie zu einem bunten Mix aus Schlagern und Disco-Hits rissen sie auch die letzte Schlafmütze aus ihren Tagträumen und machten deutlich, dass der Abend nur eins werden konnte: Energiegeladen!
Egal ob beim „Postboten” Franz-Josef Bienentreu, der seit 30 Jahren wie kaum ein anderer aus der Bütt austeilt, bei Gerard dem Bauchredner, der mit seiner spontanen Stand-Up-Comdey das Publikum von einem Lachanfall zum nächsten trieb, oder beim Parodisten Pit Schneider, dem in seiner kunterbunten Show nichts und niemand heilig war; wer gemütlich in seinem Stuhl sitzen wollte, war hier fehl am Platz.
Wenn sogar die Kellner die eine oder andere spontane Tanzeinlage einlegten, ist klar, auf welche Begeisterung das Prinzenpaar Thomas I. und Heike I. stoßen musste. Wieder einmal stand die gesamte Aula, um die Einmarschierenden genügend zu ehren. Das Besondere an den Prunksitzungen der Loßröcke ist aber nicht nur das ausgesuchte Programm. Ohne das Publikum würde wohl auch in Boele die karnevalistische Normalität eintreten. Das Geheimnis liegt in der familiären Atmosphäre, hier kennt jeder jeden und es geht um mehr, als um das bloße konsumieren der Bühnenshow.
Diese Nähe zu den Gästen lässt sich wohl nur mit dem Jahrzehnte langen Einsatz der Loßröcke im und für den Hagener Norden erklären. Unter diesen Voraussetzungen überraschte es dann auch niemanden, dass es trotz der Bemühungen der Technik nicht gelang, das Programm pünktlich um halb Zwölf zu beenden. Wie jedes Jahr gab es massenweise Zugaben und auch nach dem Auszug des Oberloßrockpaares war der Abend für die meisten noch nicht beendet.
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eine gelungenden Sitzung wenn, ja wenn das Vereinsgeplänkel auf ein Mindesmass reduziert würde, dann hätte zeitlich auch alles gepasst. Ob es am Anfang das langatmige Begrüßen mit interner Ordensverleihung schon war, hat der fast einstündige Block mit Heidefreunde und Vorhaller Selbstbeweihräucherung nur Insider Kenner vom Hocker reissen können. Die zahlenden Gäste waren mehr als gelangweilt. Ein ständiges Aufstehen und umherlaufen dürfte den Losröcke Verantwortlichen wohl nicht entgangen sein. Im Vereinsleben gehört das mit dazu. Dann aber Bitte in einer eigenständigen Veranstaltung. Kleines Programm mit viel Ehrungen und Lobhudeleien. In Köln macht das jede Gesellschaft so. Regimentsapell (erweiterte Hauptversammlung)heisst das dann. Dort kann jeder der Namhaft spendet auch persönlich seinen Orden bekommen. Im Eintritt ist dann auch ein Essen und Getränk enthalten. So wird das Haus voll zur Kostendeckung. Die eigendliche Prunksitzung läuft dann präzise, Schlag auf Schlag, ohne Stimmungseinbruch ab. Sehr zur Freude der zahlenden Gäste. Ohne diesen Makel war es eine gute Mischung an Programmdarbietungen die wohl alle Gemüter getroffen hat.