Ruhestörung
Lkw-Lärm reißt Familie aus dem Schlaf
09.08.2009 | 14:05 Uhr 2009-08-09T14:05:00+0200
Die Laster kommen immer nachts. Dann zieht ein tiefes Grollen durch das Haus. Mal kommen sie um 3.40 Uhr, mal um 5.15 Uhr, mal zu einer anderen Zeit. Sie sind unberechenbar.
Wenn sie kommen, ist es mit der Nachtruhe für Axel Gutschank (46), seine Frau Anja (45) und die beiden Söhne Maximilian (14) und Felix (11) vorbei. „Wir fallen regelrecht aus dem Bett”, sagt der Familienvater.
Gutschanks wohnen in einem Einfamilienhäuschen in direkter Nachbarschaft zum Plus-Markt an der Selbecker Straße. Eigentlich ganz praktisch, zum Einkaufen brauchen sie bloß das Nachbargrundstück zu betreten. Das Problem sind die Lastwagen, die den Supermarkt mit Ware versorgen und die fast ausschließlich dann, wenn es verboten ist, zwischen 22 und 6 Uhr, an der Selbecker Straße vorfahren. „Seit Jahren beschweren wir uns”, wettert Gutschank. „Doch nichts hat sich geändert. Ich weiß keinen Rat mehr.”
Die Lärmbelästigung hat ihre Tücken. Manchmal verfrachten die Speditionsfahrer bloß einen Anhänger in den Hof und lassen ihn dort stehen, damit er am Tage von den Angestellten des Supermarktes entleert werden kann. Sofern Gutschanks nicht vom Abkoppeln des Anhängers geweckt werden, reißt sie spätestens der schrille Piepton, den das Rückfahrwarnsystem des Lasters beim Rangieren auf dem Parkplatz von sich gibt, aus dem Schlaf.
Noch intensiver ist der Krach, wenn die Lastwagen sofort von ihrer Fracht befreit werden. Dann rumpeln mitten in der Nacht Container mit lautem Getöse über die Rampe des Fahrzeugs ins Lager des Supermarktes, und bei Gutschanks wissen sie nicht mehr, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Ohrstöpsel helfen nicht, wenn die Lastwagen quasi neben dem Schlafzimmer vor- und zurücksetzen und die Wände vibrieren. „Meist kann ich dann nicht wieder einschlafen”, sagt Maximilian, der ältere Sohn, der wie sein Bruder regelmäßig übernächtigt zur Schule gehen muss. Auch im Alltag der Eltern bleibt die nächtliche Ruhestörung nicht ohne Konsequenzen. „Wenn wir nicht geschlafen haben, sind wir am Tag natürlich völlig erschöpft”, so Anja Gutschank, die bei der Sparkasse tätig ist.
Obwohl Axel Gutschank seit drei Jahren das Hagener Bauordnungsamt in seine Bemühungen um die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Betriebsruhezeiten eingeschaltet hat, hat sich der nächtliche Terror eher verschlimmert. „Mittlerweile kommen die Laster jede Nacht. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir in einem Mischgebiet wohnen, doch erwarten wir schon, dass die Behörden unsere Rechte ernst nehmen.” Tatsächlich hat auch die Plus Warenhandelsgesellschaft, deren Zentrale in Mülheim an der Ruhr sitzt, Druck auf die Spedition ausgeübt: „Wie Ihnen sicher bekannt ist, sind laut Landesimmissionsschutzgesetz zwischen 22 und 6 Uhr sämtliche Tätigkeiten untersagt, welche geeignet sind, die Nachtruhe zu stören. Bitte weisen Sie Ihren Fahrer nochmals darauf hin. Sollte es in diesem Zusammenhang zu Bußgeldentscheidungen gegen die Firma Plus kommen, so werden wir sämtliche Kosten an Sie weiterbelasten”, heißt es in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt.
Gefruchtet hat das wenig. Vielmehr kommen die Fahrer, die sich über ihr Fehlverhalten offenbar im Klaren sind, des öfteren mit ausgeschalteter Beleuchtung auf den Parkplatz, damit niemand das Nummernschild erkennen kann. Wie Rüdiger Grothoff vom Bauordnungsamt der Stadt erklärte, werde nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Im Raum stehe zunächst eine Strafe im vierstelligen Bereich, doch könnten auch bis zu 50 000 Euro angedroht werden. Vielleicht ist eine derart hohe Summe nötig, damit Familie Gutschank endlich ihre Nachtruhe findet.
Als das Bauordnungsamt vor zwei Jahren schon einmal ein saftiges Bußgeld und in letzter Konsequenz sogar die Schließung der Plus-Filiale androhte, hatten Gutschanks endlich Ruhe.
Eine Woche lang.
Dann kamen die Laster wieder nachts.
11:56
@8 und wie kommen dann Menschen ohne Auto, die vielleicht noch etwas älter und nicht mehr so fit sind, zum Einkaufen?
Bei uns gibts mitten im Ort mehrere Einkaufsmärkte - die keine Discounter sind. Wenn ich da mal Kleinigkeiten hole, sehe ich daß da meistens o.g. Zielgruppe einkauft. Und für die wäre ein Einkaufsmarkt weit draußen vor dem Ort absolut ungeeignet.
00:54
Mit diesem Discounter Wahn muss ohnehin Schluss sein. Es muss ein Gesetz auf dem Weg gebracht werden das maximal einen Einkaufsmarkt pro Ort erlaubt und diesen weit draußen mit vielen Parkplätzen. Speditionsverkehr ist zudem zu untersagen. Ein LKW pro Tag ist festzulegen, der kann ja dann vor den Toren der Stadt aus verschiedenen Fahrzeugen bestückt werden. Dies muss von den Ordnungsämtern rigoros überwacht werden, die LKW Fahrer persönlich bestraft werden. Wenn nicht dies endlich umgesetzt wird, haben wir in spätestens 10 Jahren unerträgliche Zustände in ganz Deutschland. Ein klarer Aufruf an die Politik! Bitte macht was!
10:54
Vielleicht sollten die Befürworter der nächtlichen Ruhestörungen mal ein paar Nächte bei Fam.Gutschank verbringen. Dann haben sie bestimmt mehr Verständnis.
22:54
Man muss sich auch immer wirklich über jeden Kack aufregen. Und immer beschweren sich alle über LKW, nur sind wir von denen abhängig und müssen mit denen Leben. Wenn man an einer Bahnstrecke wohnt, muss man ja auch mit dem Lärm leben. Aber ein bis zwei LKW in der Nacht würden mich da nicht stören, gehören halt zu einem Plus-Markt dazu. Man könnte ja aufs Land ziehen, aber nicht in die nähe eines Bauernhofes, wo z.B. die Milch morgens vom LKW abgeholt wird.
Aber wenn der LKW beim Plus später kommt, beschweren sich die Leute, dass morgens nicht alles in den Regalen steht.
20:11
Das liegt auch daran das die Läden immer länger offen haben. In einigen Orten kann man schon von 7-24 Uhr einkaufen.
Und die Kunden möchten immer einen Parkplatz finden, und keinen störenden LKW dort finden. - Da kann doch der Spediteur nur von 0-7 Uhr anliefern.
06:28
Warum schließt man nicht diese Plusfiliale? Ach nee, geht ja nicht, dann müßten die Anwohner (auch diese Familie) weiter zum einkaufen fahren.
Das geht ja nun auch wieder nicht.
Im übrigen würde mich mal interessieren, wieviel Lkw jede Nacht dort entladen - einer, vielleicht zwei?
Da stelle ich mir gerade vor, wie sich ein Lkw - Fahrer fühlt, der Nacht für Nacht auf einem Autobahnparkplatz seine Ruhepause verbringen muß, keine 5 Meter neben der Fahrbahn.
23:29
Plus müßte mit viel härteren Bandagen gegen die Spedition vorgehen,falls die Fahrer keine Beleuchtung anhaben die Polizei rufen zur ermittlung des Kennzeichen.
21:02
Dieses Schei... Piepen, das man zig Meilen gegen den Wind hört, ist sowieso eine Plage. Da ist der Schaden durch Nervenzusammenbrüche usw. weit höher, als der Nutzen durch Vermeidung von Unfällen.
17:43
Warum kündigt Plus denn nicht die Spedition?
Sollte die Kündigung nicht möglich sein so kann man doch mal die Eingangsbereich(e) mit jeweils paar Schranken versehen die dann nach den Öffnungszeiten geschlossen werden.
Und falls das auch nicht möglich ist, Plus wirklich schließen.
Ich verstehe sowieso nicht warum die LKWs nachts kommen dürfen.