Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen

Foto-Exkursion in den Hohenlimburger Steinbruch mit Geologin Antje Selter (rechts) und Diplom-Designer und Kursleiter Rainer Scholz.
Foto-Exkursion in den Hohenlimburger Steinbruch mit Geologin Antje Selter (rechts) und Diplom-Designer und Kursleiter Rainer Scholz.
Foto: WP

Oege..  Hier findet jeder Fotograf das richtige Motiv: Ob Industriearchitektur, Naturaufnahmen oder Gesteinsformationen – ein breites Spektrum an Strukturen, Formen und Farben ist im Steinbruch der Hohenlimburger Kalkwerke zu entdecken.

Auf diese Entdeckungstour sind am Samstag neun Teilnehmer eines Kurses der Volkshochschule Hagen mit dem Diplom-Designer Rainer Scholz gegangen. Der Experte für Fotografie hat schon zu Beginn hilfreiche Tipps parat: „Das richtige Motiv findet man nicht auf Augenhöhe, man muss nach so einer Foto-Exkursion Muskelkater vom Knien haben!“

Diesen Hinweis nehmen die Teilnehmer ernst, eifrig wird später aus der Hocke heraus geknipst, dem Objekt kniend bis auf wenige Zentimeter zu Leibe gerückt.

Zur Sicherheit ausgestattet mit obligatorischen Schutzhelmen, lauschten die Steinbruch-Entdecker zuvor einer kurzen Einführung der Hagener Diplom-Geologin Antje Selter, die kenntnisreich die Tour begleitete. In anschaulichen Worten erläuterte sie, was im Steinbruch überhaupt zu sehen ist: Das, was heute als Kalkstein abgebaut wird, sei vor 360 Millionen Jahren eine belebte Region unter dem Meeresspiegel gewesen. Dann geht es beladen mit Kameratasche, Wechselobjektiv und Stativ in den Steinbruch.

Die Geologin kennt dort nicht nur jede Gesteinsart, sondern auch die Besonderheiten von Flora und Fauna. Schon während des Aufstiegs zur Abbaufläche deutet sie mehrmals ins Grün am Wegesrand. „Wer noch Kräuter für die Pizza am Abend benötigt, dem empfehle ich den Wilden Thymian, der hier überall wächst. Oder probieren Sie eine der Walderdbeeren.“ Die tiefroten, winzigen Früchte schmecken zuckersüß, bald werden auch Him- und Brombeeren reif sein. Der Steinbruch ist eben nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Lebenswelt einiger Tier- und Pflanzenarten. Immer wieder kreist ein Rotmilan hoch über den Köpfen der Teilnehmer.

So könnte es auf dem Mars aussehen

Nachdem schon die haushohen Brech- und Siebmaschinen und die meterlangen Förderbänder abgelichtet worden sind, öffnet sich der Blick in die Abbaugrube. So staubig, steinig und karg könnte es wohl auch auf dem Mars aussehen, ähnlich heiß wird es dort ebenfalls sein.

Die Auslöser der Kameras klicken unentwegt, der Anblick dieses vom Menschen geschaffenen Erdkraters, das Farbspiel der verschiedenen Gesteinsschichten ist faszinierend. Nur einer der Gründe, die Kursusleiter Scholz einmal mehr in den Steinbruch zieht: „Es sind die tiefen Spuren der Menschen in der Natur, die mich beeindrucken. Und jedes Mal, wenn ich hier bin, sieht es wieder anders aus. Es gibt also immer etwas zu entdecken.“

Denn unter der Woche wird im Steinbruch täglich gesprengt. Antje Selter macht auf besondere Gesteinsschichten, versteinerte Einschlüsse oder herumliegende Fossilien aufmerksam. Was für den Laien aussieht, wie die zu Stein gewordene Hinterlassenschaft eines Hundes, erkennt die Expertin schnell als Trochiten, Teile von Crinoiden. „Einfach ausgedrückt sind es versteinerte Stiele einer Seelilie.“

Dann gehen die Teilnehmer selbst auf die Suche. Goldgräbermentalität breitet sich aus, der Mensch ist und bleibt doch Jäger und Sammler.

Während sich die einen langsam an das Fotomotiv der Begierde heranpirschen, suchen die anderen aufgeregt nach dem großen Fund, dem besonders schönen Stein. „Nehmen sie mit, was sie tragen können!“, ermuntert Selter. Manch ein schmucker Stein landet in mitgebrachten Tüten, die bald ziemlich schwer sind. Die anderen belassen es dann doch nur beim Fotografieren. Ein Teilnehmer besucht Scholz‘ Kurs bereits zum zweiten Mal, er hat sich vorgenommen, aus den Fehlern beim vorigen Kurs zu lernen.

Außergewöhnliche Formen

Auch der Hohenlimburger Thomas Demski, passionierter Hobbyfotograf, hat die Chance genutzt, den Steinbruch mit der Kamera zu erkunden. „Mich interessieren außergewöhnliche Formen“, sagt Demski, während er konzentriert den Schatten eines Stacheldrahts auf dem Boden fotografiert. Mit vielen Eindrücken, hunderten Foto-Aufnahmen im Gepäck und leichtem Muskelkater in den Beinen verlässt die Gruppe am Abend den Steinbruch wieder. Etwas erschöpft, aber doch guter Laune.

Etwas anderes kennt Geologin Antje Selter auch nicht, wie sie zum Abschied erzählt. „Egal ob die Sonne scheint oder es regnet, ich habe noch keinen Teilnehmer erlebt, der den Steinbruch nicht mit einem Lächeln verlässt.“