Kunstwerk bleibt verloren

Dortmund..  Das zerlegte und dann vergessene Kunstwerk aus der Spielbank Hohensyburg wird wohl nicht nach Dortmund zurückkommen. Rechtliche Bedenken und ein rigoroses „Nein“ der Erben des Künstlers Max Bill verhindern das Aufstellen der einst im Casino-Foyer über drei Etagen reichenden „Unendliche Spiralfläche“ im öffentlichen Raum.

Zu einer eindeutigen Absage konnte sich der Eigentümer der zerstörten Plastik, Spielcasinobetreiber Westspiel, bis heute nicht durchringen. Die Juristen würden das Thema noch prüfen, teilte Sprecher Christof Schramm auf wiederholte Nachfrage mit. Es stehe aber „aktuell nicht auf der Agenda“.

Juristisch nicht möglich

Allerdings ließ Schramm bereits durchblicken, dass aus einem Transfer wohl nichts wird. „Juristisch gesehen wird es nicht möglich sein, das Kunstwerk abzugeben.“ Nach dem Tode eines Künstlers hätten die Angehörigen noch 70 Jahre lang ein „ausgesprochen weitreichendes Mitspracherecht“. Und die Aussagen von Jakob Bill, dem Sohn des Künstlers, sind eindeutig.

Das Werk sei zerstört und dürfte nicht mehr gezeigt werden, sagte Bill, auch Präsident der Bill-Foundations, dieser Zeitung. „Es muss entweder entsorgt werden oder ins Stiftungsarchiv gehen.“ Westspiel wird diese Ansicht aller Voraussicht nach akzeptieren: „Wir werden uns nicht dagegen stellen“, kündigte Schramm an.

Zurzeit lagert das Werk in einer Galerie in Willich. Die Dortmunder Architektin Susanne Schamp wollte es (wie berichtet) zurück nach Dortmund holen und auf Phoenix-West aufstellen. „Dann wäre es wenigstens noch zu sehen.“ Inzwischen hat sich noch ein weiterer Interessent gemeldet, wie Christof Schramm sagt, ein Arzt aus der Umgebung von Dortmund.

Die raumgreifende Edelstahlplastik hatte der international bekannte Bildhauer und Maler Max Bill einst zur Casionoeröffnung in Dortmund entworfen. Vor mehr als zehn Jahren wurde der glanzvolle Mittelpunkt des Saals wegen Umbau und Brandschutzsanierung – ohne Absprache mit der Künstlerfamilie – in mehrere Teile zerlegt, eingelagert und vergessen.

Kein Kunst-Wert mehr

Im Zuge der Berichte über die Versteigerung von Kunstwerken durch die NRW-Bank, zu der Westspiel seit Aufspaltung der West-LB gehört, wurde das verschwundene Kunstobjekt wieder Thema.

Allerdings geht es in dem Fall nicht um eine millionenschwere Versteigerung, wie bei den Warhols. Denn durch das Zerlegen hat die neun mal vier Meter große Endlosspirale ihren Wert als Kunstwerk verloren.

So schätzen es jedenfalls Experten ein, neben Jakob Bill auch Kurt Wettengl, Direktor des Museums Ostwall, und Kunsthistorikerin Prof. Barbara Welzel von der TU Dortmund.

Es koste das Unternehmen nur Lagerungsgebühr, „wer einen großen Garten hat, kann es abholen“, hatte der Westspiel-Sprecher zunächst etwas leichthin gesagt. Dazu wird es nun wohl doch nicht kommen.