Küster und „kleiner Gehilfe“ sind starkes Team

Breckerfeld..  Sie sind ein starkes Team. Herbert, der vor eineinhalb Jahren an Krebs erkrankte und nach mehreren Operationen im Alltag merkt, „dass man nicht mehr so kann, wie man möchte“, und Niclas, der in der Homborner Werkstatt ausgebildet wurde und jetzt auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Chance erhält. Herbert van Rienen, der Küster, und Niclas Herbert, der ihm so gerne hilft – sie rücken die Stühle und Tische im Martin-Luther-Haus, bevor die Senioren zum Kaffeetrinken kommen, sie mähen den Rasen am und rund um den Kindergarten, und sie kümmern sich um die beiden Gotteshäuser.

Die Evangelische Kirchengemeinde Breckerfeld ist ihr Arbeitgeber. Und schon das ist besonders. Weil keine andere Gemeinde im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Integrations-Arbeitsplätze bereitstellt – und im übrigen auch kein anderer Arbeitgeber in Breckerfeld. „Wir wollen nicht nur über Integration reden“, sagt Pfarrer Paul Diehl, „wir wollen sie auch leben und fördern. Und zwar ganz direkt.“

Hauswirtschafterinnen in Kita

Also hat die Gemeinde gehandelt. Und hat mittlerweile drei Menschen mit psychischen und/oder geistigen Einschränkungen angestellt. Kristina Sutter und Carmen Joraschkewitz arbeiten im Hauswirtschaftsbereich der Kindergärten Zwergenwald (Zurstraße) und Sterntaler (Breckerfeld), Niclas Herbert unterstützt den Küster der Gemeinde.

Für die beiden Einrichtungen, in denen nach Einführung der U-3-Betreuung die Essenversorgung der Kinder immer wichtigeren Raum einnimmt, sind die neuen Arbeitskräfte ebenso eine riesige Entlastung wie für den Küster, dessen Aufgabengebiet durch die Fusion der Gemeinden Breckerfeld und Zur­straße erheblich gewachsen ist.

Mindesten genauso wichtig aber ist, dass drei Menschen eine Perspektive haben. Die hat sich auch eröffnet, weil in diesem Fall viele Akteure zusammengefunden haben: die Homborner Werkstatt, der Integrationsfachdienst der Caritas, der LWL, die Agentur für Arbeit und das Kreiskirchenamt.

„Im Grunde ist es immer unser oberstes Ziel, Förderschüler in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln“, so Moritz Vogel, Integrationsassistent an der Werkstatt Homborn, „dass das so reibungslos funktionieren kann, ist aber eher die Ausnahme.“

Möglich geworden ist es auch, weil die Betroffenen auf einem sogenannten Außenarbeitsplatz vorbereitet wurden. „Dabei arbeiten sie bereits an einigen Tagen außerhalb der Werkstatt, werden aber bei uns weiter qualifiziert“, so Vogel. „Ein solcher Außenarbeitsplatz soll Sprungbrett sein, kann aber in einigen Fällen auch zur Dauerlösung werden. Wir gewährleisten in dieser Phase die fachliche Betreuung und bereiten die Menschen auf ihre Aufgaben vor. Das ist für Arbeitgeber durchaus attraktiv.“

Finanzielle Unterstützung

Finanziert wird das Integrations-Projekt in Breckerfeld durch den LWL und durch die Agentur für Arbeit. Die Zuwendungen der Agentur laufen nach einer gewissen Zeit aus, die des Landschaftsverbandes fließen unbefristet. Denn so sind auch die Arbeitsverträge ausgelegt, die Carmen Joraschkewitz, Kristina Sutter und Niclas Herbert unterzeichnet haben.

Niclas, der zum 1. Februar offiziell seine neue Stelle antritt, soll seinen Führerschein machen und nach und nach lernen, eigenständig zu arbeiten. Immer montags wird er sich bald alleine um den Friedhof in Zurstraße kümmern. „Darauf freue ich mich schon“, sagt er und grinst. „Ich bin ja der kleine Gehilfe des Küsters.“