Küken auf Dortmunder Nordwest-Baustelle

Dortmund..  Flussregenpfeifer-Küken ignorieren Absperrungen für einen Firmen-Neubau im Gewerbegebiet Phoenix-West in Hörde. Einen extra für diese Jungvögel aufgeschütteten Erdwall überkletterten sie einfach, um ihren fliegenden Eltern auf die Baustelle zu folgen. Jetzt soll ein Kleintierzaun die agilen Küken stoppen.

Die unter Schutz stehenden Vögel legten im April 2015 ihre Eier mitten auf ein Baugrundstück im Gewerbegebiet Phoenix-West in Dortmund-Hörde. Flussregenpfeifer sind Bodenbrüter. Als die ersten Bauarbeiter anrückten, protestierten deshalb Vogelschützer. Zunächst mit Erfolg.

Baustart bereits verzögert

Die brütenden „Flussregenpfeifer“ verzögerten den Baustart für einen neuen Firmensitz der Nordwest AG aus Hagen. Freiwillig verzichtete das Handelsunternehmen auf Bauarbeiten, die Vögel und Gelege gefährden könnten. Der Naturschutzbund prangerte weitere Bauarbeiten als „illegal“ an und konfrontierte die Stadt Dortmund mit einschlägigen Gesetzestexten.

Fortan galt dieser Plan: Die Vögel dürfen in aller Ruhe brüten. Und die Bauarbeiten beginnen erst, wenn die Küken flügge sind und das Gelände mit ihren Eltern auf natürlichem Wege verlassen haben. Auf dieses Abkommen verließen sich die Vögelschützer, die das Areal im Nordwest-Zipfel auf Phoenix-West intensiv beobachten.

Vor zehn Tagen rückten dann allerdings erneut Bauarbeiter an, um erste Erdmassen zu bewegen. Beobachter Günther Hennemann: „Es läuft alles auf den ersten Spatenstich hinaus.“ Da die anpassungsfähigen Flussregenpfeifer ein ausgeprägtes Revierverhalten besitzen, kümmerten sie sich um die Baustellen-Grenzen in „ihrem“ Areal herzlich wenig. Zurzeit leben dort vier Familien mit acht Küken. Watschelnd folgten die Küken den Eltern einfach auf die Baustelle.

Die Eltern haften hier nicht

Doch „Eltern haften für ihre Kinder“ gilt hier nicht: Ein von der Stadt Dortmund eingesetzter „Artenschutz-Fachgutachter“ ordnete den Bau eines Erdwalls an. Die Küken spazierten einfach drüber. Das rief die Vögelschützer auf den Plan. Erneut schalteten sie die Behörden ein, um Artenschutz durchzusetzen. Jetzt soll ein 50 Zentimeter hoher Kleintierzaun verhindern, dass die Jungvögel die Baustelle betreten. Einer der Vogelbeobachter auf Phoenix-West, Günther Hennemann, ist trotzdem sauer: „Es darf nicht sein, dass hier gebaut wird. Dies ist ein erheblicher Eingriff in die Natur. Der Flussregenpfeifer steht unter Schutz.“

Die Stadt Dortmund berichtete, dass die Bauarbeiten zum Schutz der Tiere zunächst einmal gestoppt worden seien. Beginnen dürften sie erst wieder, wenn die Küken den Kleintierzaun nicht überwinden und den für sie gefährlichen Baubereich nicht betreten. Das zu überwachen, sei Aufgabe des Gutachters. Er stehe „in ständigem Kontakt“ zum Umweltamt, sagte Stadt-Sprecher Frank Bußmann.

Zu den natürlichen Flussregenpfeifer-Feinden zählt nicht nur der Mensch. Turmfalken und Krähen haben sich bereits die ersten Küken geschnappt. Übrig geblieben sind acht Jungtiere. Die Vogelschützer hoffen, dass die Familien jetzt auch den Baustellen-Stress überstehen und die Küken schnellstmöglich das Fliegen lernen. Ohne vorher unter die Räder zu kommen.