Küchenhilfe in Hagen erklärt eigenen Mann für tot

Lutz Könnecke, Pächter der Kantine am Landgericht, glaubte seiner Mitarbeiterin. Sie hatte erzählt, dass ihr Mann verstorben sei.
Lutz Könnecke, Pächter der Kantine am Landgericht, glaubte seiner Mitarbeiterin. Sie hatte erzählt, dass ihr Mann verstorben sei.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Lutz Könnecke (61) bemerkte zu spät, dass ihm seine Mitarbeiterin (50) etwas aufgetischt hatte: eine makabere Lügengeschichte. Damit erschlich sie sich Geld von ihrem Chef.

Hagen.. Im obersten Stockwerk des Justizgebäudes an der Heinitzstraße tischt Küchenmeister Lutz Könnecke (61) täglich drei warme Mahlzeiten auf. Der Kantinenpächter bemerkte zu spät, dass ihm seine Mitarbeiterin (50) auch etwas aufgetischt hatte: eine makabere Lügengeschichte.

Betrug lautete jetzt die Anklage im Amtsgericht – denn die Frau hatte sich trickreich einen Kredit erschwindelt. Das Strafverfahren endete mit der Verurteilung der ehemaligen Gerichtskantinen-Beschäftigten. Sie muss 3500 Euro Geldstrafe zahlen.

Schicksalsschlag sorgt für Anteilnahme

Der „tragische Fall“ hatte im Frühjahr 2013 eine Welle der Anteilnahme unter den regelmäßigen Gästen der Gerichtskantine ausgelöst: Die nette Küchenhilfe an der Essensausgabe schien von einem schweren Schicksalsschlag getroffen worden zu sein. Ihr Ehemann, ein Lastwagenfahrer, sei in Norwegen in einen schlimmen Verkehrsunfall verwickelt worden. Ein großer Container sei vom Lkw gefallen, fünf Tote habe es dabei gegeben. Ihr schwer verletzter Mann ringe auf der Intensivstation um sein Leben, machte es die Runde.

Wochen später, am 13. Juni 2013, erschien die Kantinenhilfe bei ihrem Chef Lutz Könnecke und dessen Ehefrau zuhause: „Sie hat bitterlich geweint und unter Tränen geschildert, dass es aufgrund der schweren Hirnschädigung sehr bald mit ihm zu Ende ginge. Sie wollte ihren Mann deshalb nach Deutschland holen, seine letzten Tage sollte er hier in einem Hospiz verbringen. Dazu fehle ihr jedoch das nötige Geld.“

Der Kantinenpächter und seine Frau waren spontan entschlossen: „Da helfen wir!“ Sie übergaben ihrer Mitarbeiterin prompt 2500 Euro, „aus Mitleid, weil sie uns leid tat.“ Sie ahnten nicht, dass alles nur dreist erlogen war. Der Geldbetrag wurde als kurzfristiger zinsloser Kredit gewährt. Doch bis heute, zwei Jahre später, sind – mit Gebühren und Kosten – noch immer 2400 Euro offen

In Kochmontur im Zeugenstand

Die Angeklagte behauptete jetzt im Prozess: Ihr Mann habe damals tatsächlich einen Unfall gehabt, sein Lastwagen sei überladen gewesen. Deshalb sei in Norwegen eine Strafe von rund 3000 Euro gegen ihn verhängt worden. Um an das Geld zu kommen, habe sie seine Verletzungen „etwas dramatisiert und schwerer gemacht, als sie tatsächlich waren“.

Amtsrichter Dr. Thorsten Opitz wollte sich nicht weiter veralbern lassen: „Dann müssen wir jetzt den Zeugen hören.“ Er griff zum Telefon und rief in der Gerichtskantine an. Keine vier Minuten später stand der geprellte Küchenmeister in Kochmontur im Zeugenstand. Lutz Könnecke: „Zum Schluss hat sie uns und unseren gutgläubigen Gästen sogar noch die Story aufgetischt, ihr Mann sei verstorben. Ich kann gerne Richter als Zeugen benennen, die ihr damals kondoliert haben.“

Nachdem die Küchenhilfe alle Beileidsbekundungen entgegengenommen hatte, wurde sie in der Gerichtskantine nie mehr gesehen. Kurz vor der angeblichen Beerdigung flog dann der ganze Schwindel auf. Amtsrichter Dr. Opitz im Urteil: „Was Sie gemacht haben, war nicht nur menschlich sehr enttäuschend. Es ist moralisch weit unten anzusiedeln, wie das Darlehen erschlichen worden ist.“