Kruppianer fordern Betriebsrentenanpassung

Weit mehr als 200 ehemalige Kruppianer versuchten einen Platz im Zehner Treff zu finden.
Weit mehr als 200 ehemalige Kruppianer versuchten einen Platz im Zehner Treff zu finden.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Beim Thema Geld hört der Spaß bekanntlich auf. Das gilt derzeit vor allem für die ehemaligen Kruppianer und Hoeschianer aus Hohenlimburg und Iserlohn, die sich jetzt für eine korrekte Anpassung ihrer Betriebsrente stark machen. Denn diese sei von ihrem ehemaligen Arbeitgeber „Thyssen Krupp Steel“ nur unzureichend angehoben worden.

Die Berichterstattung dieser Zeitung legte offen, dass das Unternehmen bis zu 1 134 Euro zu wenig ausgezahlt haben soll und folglich auch der aktuelle Betriebsrentensatz unter dem Soll liegen könnte. Dieses Denkmodell legte eine Beispielrechnung von Rainer Thomas offen. Demnach hat das Unternehmen jährlich eine Anpassung um ein Prozent vorgenommen. „Diese Steigerung ist, gemessen an den gestiegenen Lebenshaltungskosten, unzureichend“, wie der Organisator des Treffens Gustav Stefan mitteilte.

Um Klarheit zu erhalten, versammelten sich mehr als 200 ehemalige Kruppianer und Hoeschianer im „Zehner Treff“ am Kirchenbergstadion, um den Worten des IG-Metall-Bevollmächtigten Werner Vosseler zu lauschen, der Licht in den Renten-Dschungel brachte.

1999 trat das Betriebsrentengesetz in Kraft, das den Unternehmen eine Anpassungsprüfungspflicht im Dreijahresrhythmus auferlegte. Demnach sind bei einer Erhöhung der betrieblichen Altersversorgung insbesondere die Belange des Versorgungsempfängers und die wirtschaftliche Lage des Arbeitgebers zu berücksichtigen (Paragraf 16, Abs.1). Diese Verpflichtung entfällt, wenn der Arbeitgeber garantiert, die laufenden Leistungen jährlich um wenigstens ein Prozent anzupassen. Genau dort liegt die Krux. Denn Thyssen-Krupp hat sich an diese Vorgabe gehalten.

Rentenempfänger ab 1999 betroffen

„Auch wenn die Volksseele kocht, so muss man trotzdem differenziert auf die Thematik schauen“, warnt Werner Vosseler.

Denn wer vor 1999 in Rente gegangen ist, der profitiere vom „Kombipack“. Einer sogenannten kapitalisierten Rente, die als Einmalzahlung erfolgte. Erst ab 1999 besteht die Möglichkeit, die Betriebsrentenanpassung prüfen zu lassen.

„Nach unserer Auffassung, ist in der letzten Periode korrekt abgerechnet worden. Es besteht natürlich die Möglichkeit, die zuvor abgerechneten Perioden zu kontrollieren. Allerdings kann dieser Schuss auch nach hinten losgehen“, erklärt Vosseler.

Denn eine Erhöhung der Bezüge ist laut Gesetz an die wirtschaftliche Lage des Unternehmens gekoppelt. War diese Wirtschaftlichkeit in der Vergangenheit nicht gegeben, so könnten die aktuellen Bezüge sogar gekürzt werden.

Hoffnungen vieler Rentner gedämpft

„38 Thyssen-Krupp-Unternehmen sind derzeit wirtschaftlich nicht in der Lage, eine Betriebsrentenanpassung vorzunehmen. Wer nun prüfen lässt, ob ihm in der Vergangenheit zu wenig gezahlt wurde, läuft möglicherweise Gefahr, dass ihm sogar die Bezüge gekürzt werden“, erklärt Vosseler, der betont, dass man zwischen Nachzahlung und Nachholung unterscheiden müsse. „Eine Nachzahlung zu fordern, ist nahezu ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist eine Nachholung, also eine korrekte Anpassung der Bezüge für kommende Abrechnungen.“

Weil der Betriebsrentenempfänger jedoch in einer Holschuld ist, verteilte Gustav Stefan beim Infotreffen Antragsformulare, mit der Aufforderung zu einer Anpassungsprüfung ab Werksrentenbeginn, gemessen am Verbraucherpreisindex für Deutschland. „Mitglieder der IG-Metall sind im Falle eines Rechtsstreits abgesichert. Wer nicht Mitglied ist, könnte auf den Kosten sitzen bleiben“, warnt Vosseler.