Kritik von OB Schulz: Douglas hat Hagen keine Chance gegeben

Erik O. Schulz, Oberbürgermeister von Hagen kritisiert den Douglas-Umzug.
Erik O. Schulz, Oberbürgermeister von Hagen kritisiert den Douglas-Umzug.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz kritisiert die Douglas-Führung: Das Unternehmen habe Hagen keine Chance gegeben, über Alternativen zu reden.

Hagen.. „Ein schwerer Schlag für Hagen!“ Oberbürgermeister Erik O. Schulz fand am Dienstag klare Worte zur angekündigten Verlagerung der Unternehmenszentrale der Douglas Holding AG von Hagen nach Düsseldorf und verspürte auch keinerlei Motivation, „das mit wohlfeilen Worten glatt zu reden“.

"Hiobsbotschaft für die Stadt"

Aufsichtsratsvorsitzender Henning Kreke hatte den Hagener Verwaltungschef ebenfalls erst am Vormittag über diese unternehmerische Entscheidung in Kenntnis gesetzt, die Schulz als „echte Hiobsbotschaft für die Stadt“ einordnete. „Ich bin an diesem Tag mit meinen Gedanken vor allem bei den betroffenen Mitarbeitern und ihren Familien, die künftig täglich nach Düsseldorf fahren müssen oder gar ihren Job verlieren.“

Douglas-Umzug OB Schulz machte in seinem Telefonat mit dem neuen Douglas-Aufsichtsratsvorsitzenden Henning Kreke unmissverständlich deutlich, dass es ihn durchaus befremdet habe, diese Wirtschaftsnachricht aus den Medien erfahren zu haben: „Das ist schon die Erwartung und Hoffnung eines OB, solche Informationen im Vorfeld zu erhalten.“

Im Gegenzug versicherte ihm sein Gesprächspartner, dass Douglas mit den Abteilungen Kundenservice, Buchhaltung, EDV-Management und Steuern mit etwa 400 Arbeitsplätzen in Hagen verbleibe. Welche Halbwertzeit diese Zusage habe, vermochte auch Schulz nach seinem Gespräch mit Kreke gestern nicht zu bewerten. „Ich kann nur hoffen, dass diese Jobs auch eine langfristige Perspektive haben“, gab sich der Verwaltungschef aber auch keinerlei Illusionen hin, dass Konzerne strategische Entscheidungen üblicherweise alle fünf Jahren wieder hinterfragen.

Kein Dialog mit Konzernführung

Gleichzeitig betonte er, dass es zu keinem Zeitpunkt für die Stadt Hagen eine Chance gegeben habe, über Alternativen in einen Dialog mit Douglas einzutreten. Man sei ebenso wie die Belegschaft vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Henning Kreke habe ihm gegenüber aber ausdrücklich versichert, dass die Verlagerung der Unternehmenszentrale keineswegs mit einer kritischen Bewertung des Wirtschaftsstandortes Hagen einher gehe.

Der Oberbürgermeister erinnerte ausdrücklich daran, dass der Name Douglas immer eng mit dem Namen der Stadt Hagen verwoben gewesen sei und durchaus identitätsstiftend gewirkt habe: „Die Unternehmerfamilie Kreke und der Name Douglas sind untrennbar mit Hagen verbunden.“ Dass sich ein Süßwarenunternehmen wie Hussel zu einem internationalen Parfümeriekonzern entwickeln konnte, habe auch mit den Menschen in der Stadt zu tun, erinnerte Schulz. „Mit dieser Entscheidung geht auch ein Stück Hagener Wirtschaftsgeschichte zu Ende.“

Steuerverluste beherrschbar

Mit einem gravierenden Einbruch der für den Hagener Haushalt so wichtigen Gewerbesteuereinnahmen ist aufgrund der Douglas-Abwanderung übrigens nicht zu rechnen. Ohne auf Details eingehen zu dürfen, gab der OB lediglich die Einschätzung: „Aus der Tatsache, dass ein Unternehmen 20 000 Menschen beschäftigt, sollte man nicht den spontanen Reflex ableiten, dass die Höhe der Gewerbesteuern entsprechend gravierend ausfällt.“ Kämmerer Christoph Gerbersmann muss die ohnehin schwierigen Haushaltsplanungen für die Jahre 2016/17 keineswegs von vorne beginnen.