„Konzentration leidet unter Anspannung im Job“

Hohenlimburg..  Stefanie Pilz und der Badminton-Club Hohenlimburg - das sind seit langer Zeit zwei Komponenten, die in hohem Maße miteinander korrelieren. Die 29-jährige, die seit 1999 als Hohenlimburger Badminton-Crack die Federbälle durch die Wiesenhalle pfeffert, ist aus dem Verein nicht mehr wegzudenken. Seit 2004 ist sie im Vorstand tätig, war zunächst Presseverantwortliche, dann Sportwartin und kümmert sich momentan als Kassenwartin um die finanziellen Abläufe beim BCH.

Sportlich aktiv ist sie gegenwärtig in der dritten Mannschaft, mit der sie in der vergangenen Spielzeit den Aufstieg in die Oberliga erreichte. Natürlich konnte sie ihr Leben nicht immer vollends dem sportlichen und ehrenamtlichen Vereinsleben widmen. Nach dem Abitur am Burggymnasium Altena im Jahre 2005 studierte sie zunächst Kulturwirt mit Hauptfächern Wirtschaftswissenschaften und Englisch an der Universität Duisburg-Essen und setzte danach an der Fern-Universität Hagen den Master in Wirtschaftswissenschaften darauf.

Mittlerweile arbeitet sie seit 2011 bei einer Bank und musste schon des Öfteren den Spagat zwischen Verein und Berufsleben meistern. Wie ihr das gelang, erörterte sie in einem Interview mit dieser Zeitung.
Frau Pilz, welchen Beruf üben Sie zurzeit aus?
Stefanie Pilz: Ich bin Vertriebsbetreuerin bei der Commerzbank.


War dies auch ihr Wunschberuf oder wollten sie mal etwas ganz anderes machen?
Der Job hat sich aufgrund von Praktika und Werkstudentenjobs ergeben. Ich war aufgrund meines Wirtschaftsstudiums recht offen bei der Berufsplanung.


Stand der Sport Ihrer Karriere mal im Weg? Oder eventuell auch andersherum?
Ich habe aufgrund des Sports ausgeschlossen, ein Auslandssemester oder Auslandspraktikum zu machen, obwohl ich eine Sprache studiert habe. In der 11. Klasse habe ich einen einjährigen Schüleraustausch gemacht, der sportlich Nachteile in den letzten beiden Jugend-Saisons bewirkt hat. Persönlich gesehen war das jedoch eine Bereicherung.


Wie schafft man es, trotz zeitaufwendigen Berufes, so oft in der Halle zu stehen?
Ich versuche seit Berufsstart im Jahr 2011 den beruflichen Kalender möglichst gut auf die Trainingszeiten abzustimmen, wobei das vor allem in den ersten zweieinhalb Jahren schwierig war, da ich als Assistenz der Geschäftsleitung stark von anderen Terminplanungen abhängig war. Man muss sich schnell damit abfinden, dass man es mal nicht pünktlich zum Training schafft oder zu kaputt ist, um qualitativ gut zu trainieren und zu spielen. Badminton erfordert viel Konzentration, was natürlich unter der Anspannung im Job leidet. Unsere Trainingszeiten sind leider an ungünstigen Tagen.


Mitgestalten

Warum haben Sie Verantwortung im Vorstand übernommen?
Das war für mich schon in der Schulzeit ein interessantes Themenfeld, da ich anhand der Aufgaben, wie zum Beispiel anfangs als Pressewartin - jetzt Kassenwartin, Fähigkeiten und Kenntnisse dazu lernen konnte, die mir auch im Job weiterhelfen. Wenn man drei bis fünfmal pro Woche für seinen Verein in der Halle steht und von diesem gefördert wird, sollte es normal sein, auch etwas zurückzugeben. Außerdem gestalte ich gerne mit und kann so direkt Einfluss auf die Entwicklungen des Vereins nehmen.


Inwieweit hat Ihr Studium Ihnen bisher bei der Vorstandsarbeit geholfen?
Ich pflege unter anderem die Homepage, was mir im Studium vermittelt worden ist. Außerdem kann ich meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse nun gut für den Posten des Kassenwarts nutzen.


Wie bewerten Sie die zurückliegende Saison des BCH?
Bis auf den verpassten Aufstieg in die zweite Bundesliga war das eine sehr erfolgreiche Saison, vor allem auf individueller Ebene. Natürlich hat der nicht mögliche Aufstieg von erster und zweiter Mannschaft Unmut bei den Betroffenen ausgelöst. Ich sehe das seit längerer Zeit aus der persönlichen Situation nicht mehr als wichtigstes Ziel an, sportlich erfolgreich zu sein. Das scheint aber eine gute Strategie zu sein, da wir - die dritte Mannschaft - ohne ausgegebenes Ziel unerwartet den Aufstieg in die Oberliga geschafft haben.


Teilen Sie die Auffassung anderer Personen im Verein, dass zur nächsten Saison unbedingt der Aufstieg in die zweite Bundesliga angepeilt werden muss?
Ich sehe das aus zwei Blickwinkeln. Ich persönlich sehe keine Notwendigkeit darin, unbedingt aufzusteigen, da es für den Vorstand einen enormen Zusatzaufwand (Sponsorensuche etc.) bedeuten würde. Außerdem werden perspektivisch die betreffenden Spieler selbst aus dem Studentenstatus in den Job übergehen, und dann ist es fraglich, ob diese Doppelbelastung noch so machbar und gewünscht ist.

Auf der anderen Seite ist klar, dass wir den Aktiven eine Perspektive bieten wollen und nur mit solchen Erfolgen auch Werbung für uns machen können - in Richtung potenzieller Spieler und Sponsoren. Stillstand heißt Rückschritt und das könnte bei einem erneuten Verbleib in der Regionalliga leider der Fall sein.