Konfetti und Vampire zum Geburtstag
10.07.2011 | 15:53 Uhr 2011-07-10T15:53:00+0200
Hagen.Auf der Bühne brasilianischer Samba, auf den Dächern darüber tanzen die Vampire. Es sind die nicht ganz alltäglichen Momente wie dieser, mit denen der Muschelsalat seit 25 Jahren für Abwechslung auf dem Hagener Kulturspeiseplan sorgt. Alles andere als eine beschwingte Geburtstagsfeier wäre eine Überraschung gewesen, als am Samstagabend ein farbenfroher Kleinkunstmarathon zum Jubiläum auf das Elbersgelände lockte.
Der Gratulantenkreis auf der Bühne setzte sich dieses Mal aus lauter Hagener Künstlern zusammen, die bis auf ihre Herkunft allerdings nicht zu viele Ähnlichkeiten aufwiesen: Johnny Cash und Lady Gaga? Synchronschwimmer und indianische Walgesänge? Beim Muschelsalat kein Widerspruch, wie immer galt: Erlaubt ist, was bunt ist – lebensfroher Gospel von den „Living Voices“ und die Jazz-Standards des Elke-Ortmann-Trios fanden ebenso Platz wie die skurrile Slapstick-Bootfahrt, zu der „Trifolie“ von der Volme aus aufbrachen.
Durch das Programm führte Radio Hagen-Chefin Cordula Aßmann - einst selbst im Publikum, als der Muschelsalat 1986 erstmals aufgetischt wurde. Auch sonst kam manch alter Weggefährte zu Wort: Harro Kleffmann, der seit einem Vierteljahrhundert für den richtigen Sound sorgt und natürlich die „Muschelsalatretter“, ohne die es zum Jubiläum erst gar nicht gekommen wäre. „Die Hagener stimmen immer wieder mit den Füßen über die Zukunft des Muschelsalats ab“, freute sich Nicole Schneidmüller-Gaiser. Für den Jubiläumsabend galt das erst recht: Auf dem gesamten Gelände drängten sich die Schalentier-Freunde, denen sich im Rahmen der langen Nacht der Industriekultur zusätzlich die Gelegenheit bot, zwischendurch an einer der „Extraschicht“-Führungen teilzunehmen.
„MStage“ begleiteten den Abend tänzerisch und erkletterten als „Seelen der Tuchfabrik“ die feierlich illuminierten Elbershallen - allerdings nicht nur: Die ganz Kleinen hatten Geburtstagsluftballons mitgebracht, andere erinnerten in einem ironischen Sketch an manch kritische Stimme, die dem Muschelsalat anfangs entgegenschlug: „Straßentheater, was soll das denn?“ „Bestimmt alles Freaks!“
Die Eigenkompositionen des Duos „Kreuzer und Wagner“ - immerhin auch schon 20 Jahre im Geschäft - überzeugten mit virtuosen Gitarrenarrangements, das Geburtstagsständchen steuerten die „Good Girls“ bei: Aus „Aux Champs Élysées“ wurde zur Feier des Tages „Oh Muschelsalat“. „Kaufen und Schenken“ wiederum coverten sich in demonstrativ wilden Kombinationen durch die Musikgeschichte - da durfte das Publikum erst eine rasante Version von „Country Roads“ mitsingen, um dann mit Radioheads „Creep“ im Tangorhythmus konfrontiert zu werden. Ein Vorgeschmack auf den finalen Höhepunkt: Beim Daltons Orckestrar kam nicht nur ungewöhnliches Weltmusik-Instrumentarium zum Einsatz: Auch eine Konfettimaschine, Croissants oder ein Zollstock erwiesen sich als nützlich, um „La Paloma“ oder den Eurythmics-Song „Sweet Dreams“ in garantiert noch nie gehörter Form zu performen - oder eben die „Winnetou“-Titelmusik als Walgesang darzubieten. „Für so etwas liebe ich den Muschelsalat“, brachte ein Zuschauer es zwischen johlendem Applaus auf den Punkt – hoffentlich auch in den nächsten Jahren.
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