Klinisch rein

Warum ich diese Zeilen hier schreiben musste? Sonst hätten’s wohl die Kollegen getan – mit ungewissem Ende für mich. Also nahm ich die Sache lieber selbst in die Hand.

Was uns zum eigentlichen Thema bringt: Gestern – man mag es kaum glauben – war der „Räum-Deinen-Schreibtisch-auf-Tag“. Und das, so war sich die Redaktionsgemeinschaft bereits in der Mittagskonferenz einig, falle eindeutig in mein Ressort.

Schließen wir an mit der Erinnerung an einen pensionierten Kollegen. Der hat allabendlich eine gute halbe Stunde damit verbracht, seinen Schreibtisch aufzuräumen. Einen Arbeitsplatz, an dem es eigentlich nichts aufzuräumen gab.

Er hat das Telefon einen Viertelmillimeter nach links geschoben und den Kalender um einen Hauch nach vorne. Dann hat er sich akribisch der Positionierung der Unterlage gewidmet und schließlich eine klinisch reine Platte geputzt, auf der die winzigste Milbe jämmerlich verhungert wäre.

Sagen wir’s mal so: Ich bin das Gegenteil. Aber gestern, nachdem ich diese Zeilen hier geschrieben hatte, habe ich mich sofort daran begeben, mal wieder für ein wenig Ordnung auf meinem Schreibtisch zu sorgen.

Zumindest hatte ich’s mir ganz fest vorgenommen . . .