Kleinste Operettenbühne der Welt

Schwerte..  Heizöltanks raus, gestreifte Polstersitze und Cappuccino-Theke rein. Ein stilvolles Theatercáfe unter der Spiegelkugel krönt als Sahnehäubchen die wohl kleinste Operettenbühne der Welt. Hinter der unscheinbaren Fassade eines 70er-Jahre-Bungalows im Heinkessiepen 5 hat sich Gunther Gerke, Direktor der Schwerter Operettenbühne, sein Traumreich geschaffen, wo die 50er-Jahre stillzustehen scheinen.

Exakt 31 Gäste können durch den Samtvorhang in den Zuschauerraum mit den roten Samtsesseln eintreten. Dann wird das Schildchen „Heute ausverkauft“ an das Kassenhäuschen gehängt. Ein Handgriff, der zu jeder Vorstellung gehört wie das Happy-End zur Komödie. Als deren vorerst letzte feierte im April 2014 „Der Kuss der Schwerterin“, mit ganz viel Musik seine Premiere.

Beliebter Tenor

„Andere bauen sich eine Bar oder einen Swimmingpool im Keller – dann baust du dir eben ein Theater“, dachte sich der beliebte Tenor Gunther Gerke, als er sein Häuschen zu Weihnachten 1999 erworben hatte. Das Drehbuch des Lebens hatte vorgesehen, dass sein Bruder Christian eine Schreinerlehre absolvierte. Er packte er kräftig mit an, die Empore für den Zuschauerraum und die Bühne zu zimmern.

Seinen besonderen Charme erhielt das Theater aber durch die liebevolle Ausgestaltung. Das Kassenhäuschen beispielsweise, das Gunther Gerke zufällig beim Abriss des Stadttheaters Plettenberg retten konnte.

Nummerierte Plätze

Die Loge in der obersten Sitzreihe – wie alle Plätze mit Alu-Schildchen nummeriert. Oder die Kristallleuchter, die Garderobenmarken, die Himmelstapete – und, und, und. Nicht sattsehen kann sich das Auge an den Details, von denen es immer wieder neue zu entdecken gibt. Dann lenken die Scheinwerferkegel die Aufmerksamkeit auf die nicht minder nostalgisch ausgestattete Bühne, von der sich sogar schon Schlagersängerin Elfi Graf („Herzen haben keine Fenster“) bezaubern ließ. Eigentlich zelebriert auf den Brettern aber natürlich die Schwerter Operettenbühne ihre Heimspiele.

Mutterglück und Krankheitspech haben die Aufführungen zuletzt leider arg eingeschränkt. Derzeit öffnet sich der Vorhang deshalb nur hin und wieder für geladene Gäste.