Kleingärtner sollen Toiletten demontieren
26.01.2012 | 18:01 Uhr 2012-01-26T18:01:00+0100
Hagen. In elf Hagener Kleingärten sollen Toiletten abgebaut werden sowie Abwasser- und Wasserleitungen verschwinden. Einige der Betroffenen wehren sich. Sie wollen der Aufforderung des Wirtschaftsbetriebes Hagen (WBH), die nicht genehmigten Einrichtungen abzubauen, nicht nachkommen.
Unter den Kleingärtnern verstärkt sich der Protest gegen die von der Stadt angeordnete Demontage von Toiletten und Wasserleitungen.
Mehrere Laubenbesitzer wollen der Aufforderung des Wirtschaftsbetriebes Hagen (WBH), die nicht genehmigten Einrichtungen abzubauen, nicht nachkommen. „Wir sind mündige, harmlose Bürger, werden aber behandelt wie Untergebene im 16. Jahrhundert“, empören sich Jürgen und Edeltraud Knoche, Inhaber eines Gartens in der Kolonie am Grenzweg.
Sickergruben müssen weg
Hagen ist Schrebergartenland. 41 Vereine mit insgesamt 2500 Grundstücken, die im Bezirksverband der Kleingärten zusammengeschlossen sind, gibt es in der Stadt. Doch das bürgerliche Idyll wird von zahlreichen bürokratischen Auflagen getrübt, der Streit um Toiletten, Abwasserentsorgung und Frischwasserzufuhr belastet das Verhältnis zu den Behörden seit Jahrzehnten.
Da verwundert es nicht, dass sich Winfried Heckrodt, Fachbereichsleiter beim WBH und seit mehr als 20 Jahren im öffentlichen Dienst mit den Belangen der Kleingärtner befasst, mit einem Brief an die „lieben Gartenfreundinnen und Gartenfreunde“ keine Freunde gemacht hat.
In dem Schreiben werden die Mitglieder von elf Hagener Vereinen – insgesamt 628 Parzelleninhaber – ultimativ aufgefordert, die Spültoiletten in ihren Lauben abzubauen, alle Abwasserrohre zu entfernen und Frischwasserleitungen abzuklemmen. Werde dem nicht nachgekommen, droht Heckrodt mit „weitreichenden Konsequenzen“ sowie „ordnungs- bzw. strafrechtlicher Verfolgung“.
Hintergrund ist eine Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Bezirksverband der Kleingärtner, derzufolge den elf betroffenen Vereinen für insgesamt 800.000 Euro zentrale Toilettenanlagen in ihren Vereinsheimen finanziert wurden. Im Gegenzug müssen nun die Klosetts samt Sickergruben in den einzelnen Gärten verschwinden, nur noch Camping- oder Komposttoiletten sind zukünftig erlaubt.
Dialog auf Augenhöhe gefordert
An diese Bedingung knüpfte die Bezirksregierung in Arnsberg einst ihre Fördermittel von 181.440 Euro beim Bau der Zentraltoiletten. Und jetzt, das hätten ihm die Beamten in Arnsberg unmissverständlich klargemacht, so Heckrodt, werde man überprüfen, ob die Kleingärtner dieser Verpflichtung auch nachgekommen seien: „Ansonsten wird die Bezirksregierung das Geld zurückfordern. Darauf darf und will ich es nicht ankommen lassen.“ Deshalb habe er sein Schreiben an die Kleingärtner auch relativ drastisch formuliert: „Ich will mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte die Betroffenen nicht über mögliche Konsequenzen informiert.“
Doch Parzellenbesitzer wie Jürgen Schönhoff (57), der wie Knoches ein Grundstück am Grenzweg gepachtet hat, wollen den Rückbau ihrer Toiletten und Wasserleitungen nicht akzeptieren: „Es kann doch nicht sein, dass so etwas von oben angeordnet wird. Wir möchten, dass man auf Augenhöhe mit uns spricht.“
Ein tragfähiger Kompromiss, deutet Schönhoff an, könne es doch sein, jede einzelne Parzelle an das öffentliche Kanalnetz anzuschließen: „Und zwar zu Bedingungen, die das für Menschen, die nicht viel Geld haben, möglich macht.“ Für manchen Schrebergärtner dürfte es geradezu eine Horrorvorstellung sein, dass er Freunde, die zum gemütlichen Grillabend auf seinem Grundstück zu Gast sind, im Falle des Falles ins Vereinsheim oder gar zum Plumpsklo schicken muss. „In welcher Zeit leben wir eigentlich?“ fragen Schönhoff und Knoche unisono.
Dagegen verteidigt der Chef des Bezirksverbandes, Hans-Günther Cremer (64), das Vorgehen der Behörden: „Der überwiegende Teil unserer Mitglieder zeigt Verständnis und will den Forderungen der Stadt nachkommen. Mir sind keine Proteste zu Ohren gekommen.“ Cremer will das Thema nun im Vorstand diskutieren. Denn über kurz oder lang werden auch die Schrebergärtner in den übrigen 30 Vereinen ihre Toiletten demontieren müssen. . .
17:02
Ach sieh mal einer an, die federführend protestierende Familie namens Knoche weiß also seit 20 Jahren (!!!) Bescheid (http://www.derwesten.de/staedte/hagen/fuer-cdu-und-fdp-kommt-toiletten-verbot-ueberraschend-id6297025.html), und es kommt noch besser, es wurde sogar an der Umsetzung mitgewirkt!!! Das ist an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten. Die allererste Kontrolle sollte bei den Knoches erfolgen und gegebenenfalls die volle Gesetzeshärte angewendet werden.
07:30
Selbstverständlich haben die Kleingärtner Recht wenn sie sich nicht mehr im 16. Jahrhundert wähnen. Da gab es noch Sickergruben, wenn überhaupt. Aber diese Zustände möchte doch wohl niemand wiederhaben.
Vielleicht liegt die Lösung des Problems wieder einmal in der Mitte, ist also weder weiß, alles bleibt wie es ist, noch schwarz, alles wird abgebaut, sondern grau, es gibt einen Kompromiss.
Die Toiletten einschließlich der Sickergruben werden zurückgebaut, ein oder zwei zentrale Wasseranschlüsse bleiben. Es bleibt jedem „Laubenpieper“ ungenommen, ein Chemieklo in seiner Hütte aufzustellen.
23:00
man hat sich ja schon daran gewöhnt, dass kaum noch etwas in hagen kontrolliert wird. das team vom ordnungsamt ist ja mehr mit filmaufnahmen beschäftigt und es werden nicht nur überflüssige, sondern auch wichtige stellen nach dem rasenmäherprinzip gestrichen. das ergebnis zögerlichen verhaltens kann man am campingplatz am harkortsee bewundern. die klos müssen weg, da gibt es keine diskussion und kein pardon. wer zu faul zum laufen ist, kann sich ja für kleines geld eine campingtoilette zulegen. aber sowas macht ja arbeit. augenhöhe ist unangebracht, es gelten klare regeln.
21:50
@7 und @8
Von mir aus können Sie gerne weiterhin Ihre Notdurft in Ihren Lauben und Gärten verrichten, wenn es Ihr dringendstes Bedürfnis ist - jeder ist seines Glückes Schmied. Darf man da eigentlich schon von Fetisch sprechen? Fakt ist: Ganz Hagen zahlt für das sanitäre Wohlgefühl der Kleingärtner und bekommt dafür noch Schelte. Wir sprechen über 800.000 Euro an Investitionen und über 181.000 Euro an Subventionen, die die Stadt Hagen schlimmstenfalls aufgrund der Borniertheit einiger ewiggestrigen Kleingärtner zurückerstatten muss. Für mich sehr viel, für Kleingärtner offensichtlich angesichts ihrer Blockadehaltung nicht so viel Geld, dann können sie doch den Betrag der Stadt gerne erstatten und alles wäre gut, wie es schon @1 Otternase vorgeschlagen hat. Am Ende blieben immer noch über 618.000 Euro, die alle Hagener Bürger ihren Kleingärtnern für einen warmen und trockenen Schiß spendiert haben!!! (Sorry, aber der musste angesichts der Kritik sein :-) ).
20:57
Feste Massen entsorge ich vorher auf der Toilette zu Hause. Menschlicher Kot hat auch nichts im Garten zu suchen. Bis zur Toilette am Vereinsheim sind es mindestens 500 Meter. Da uriniere ich lieber in den Wald. Die Köter der Spaziergänger dürfen das auch. Das interessiert keinen von der Stadt. Der Duft im Sommer ist auch nicht gerade prickelnd wenn die Köter ihren Haufen überall hin machen. Was ist wohl unsauberer, der Köter oder der Mensch der seinen Urin mit mindestens 5 Liter Wasser nachspült.
Aber mit solchen Gesetzen werden die Kleingärtner vertrieben. Die Stadt freut sich. In absehbarer Zeit ist das schönes Bauland in der Natur.
Der Chef des Bezirksverbandes sollte sein Ohren mal öffnen, dann würde er die Proteste auch hören.
20:46
Zu Kommentar #4 (von karnevalsprinz)
Was hat sich der Verfasser bei seinem daneben geratenen Kommentar nur gedacht?
Einfach nur peinlich; erschreckend seine fehlende Sachkompetenz.
Thema verfehlt, setzen, ungenügend. Also: erst denken, dann schreiben.
Mit diesem sogenannten Artikel hat er den Gartenpächtern und ihren Familien einen "Bärendienst" erwiesen.
Zwar geht es u.a. auch um die Entsorgung, aber die Ausdrucksweise, gemeint ist seine Fäkaliensprache, ist hier unangebracht.
Niemand hat behauptet die Entsorgung über ein gebuddeltes Loch regeln zu wollen. Nachbarn im Garten, sowohl als auch Hausbesitzer sind jetzt irritiert. Haben sie doch jedes Frühjahr Pferde- und Kuhmist auf ihre Beete aufgetragen.
Kopfschütteln ist hier angesagt. Von welcher Vereinbarung redet der Verfasser bloß? Mit Kleingärtnern selbst ist eine solche Regelung nie zu Stande gekommen.
Hauptkritikpunkt ist und bleibt die Kappung der Wasserversorgung im Haus!!!
Unser Tipp Herr Karnevalsprinz: Besuchen Sie auch weiterhin die Karnevalssitzungen. Haben Sie viel Spaß dabei, aber verschonen Sie aufgeklärte Bürger mit Ihren dümmlichen Zeilen.
Stil und Inhalt Ihres Kommentars zeigen in erschreckender Weise ihr Niveau; unterste Schublade.
Tut uns leid....aber auf einen groben Klotz gehört nun mal ein grober Keil :)
17:31
# 4
absolut richtig - volle Zustimmug zu jedem Wort.
# 2
übliche Polemik eines Rathauskritikers ohne Sachkenntnis - dafür aber Rechtschreib- und Orthographieschwäche.
16:42
und wie die Berliner Hundchen einfach auf den Bürgersteigen Gassi gehen... ;o)
06:31
Wer sich beschwert, wie im 16. Jahrhundert behandelt zu werden, sollte aufhören, sich so zu benehmen, als lebte er dort. Vielleicht ist es den Knoches bisher nicht aufgefallen, aber es ist nicht mehr zeitgemäß, seine Fäkalien in einem selbst gebuddelten Loch zu entsorgen. Aus reiner Bequemlichkeit, denn es stehen ja zentrale Toilettenanlagen zur Verfügung.
Es wurde in der Vergangenheit eine Vereinbarung zwischen Stadt und Kleingärtnern getroffen, an die die Bedingung geknüfpt war, nach Errichtung der Toilettenanlagen die privaten Klos abzubauen. Die Stadt hat sich an die Vereinbarung gehalten und kräftig investiert, und nun soll die Vereinbarung aus Kleingärtnersicht nicht mehr gültig sein? Das ist ganz schlechter Stil, da hätte man von vornherein deutlich machen müssen, dass man doch weiterhin alles im Erdreich versickern lassen möchte. Die Gründe dafür, warum man unbedingt in sein eigenes Haus scheißen möchte, bleiben mir weiterhin schleierhaft.
Ihr Beitrag zeigt mir, dass sie eigentlich nicht verstanden haben worum es wirklich geht. Die Entsorgung von Chemietoiletten ist für die Umwelt viel nachteiliger als die Entsorgung über eine Sickergrube oder ein Torfklo. Das was die Bauern in Form von Gülle innerhalb eines Jahres der Umwelt zumuten, bringen die Kleingärtner im Laufe ihres Lebens nicht zusammen dorthin! Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal den Mund halten!
@ Karnevalsprinz
Bevor man sich zu solchen Äußerungen hinreissen lässt, sollte man besser die Fakten kennen. Oder wissen Sie zum Beispiel darüber Bescheid, dass jede Gartenanlage auch über eine zentrale Toilettenanlage verfügt?
Mir sind einige bekannt, bei denen es nicht der Fall ist. Und da hat es dann nichts mit "reiner Bequemlichkeit" zu tun, wenn die Fäkalien in einem "selbst gebuddelten Loch" wie Sie es nennen, entsorgt werden.
Soviel dann zum Thema gefährliches Halbwissen.
Erst informieren, dann kommentieren :)))
22:59
Wie immer, wenn einer zahlen soll gibt es Stunk ! Das beste wäre natürlich die Kleingärtner an das Netz anzuschließen , zu den tatsächlichen Kosten Warum Sonderkonditionen für eine kleine Gruppe ??