„Klein-Dagobert” lebte auf großem Fuß
08.04.2008 | 18:36 Uhr 2008-04-08T18:36:00+0200Das ist dreist: Der von der Polizei geschnappte Bankräuber, der innerhalb von acht Monaten drei Mal die Sparkasse auf Emst überfallen hatte, führte selbst ein Konto dort.
Aus dem Beutegeld zahlte der 31-Jährige 1 800 darauf ein - am Automaten und nicht am Schalter, wo er es sich zuvor mit Waffengewalt beschafft hatte.
24. Juli 2007, 9.52 Uhr - erster Überfall nach längerer Pause auf die Sparkassen-Filiale Emst - Beute: 22 000 €; 17. Dezember, 17.26 Uhr - zweiter Überfall auf Emster Sparkasse - Beute: 15 500 €; 27. März, 17.58 Uhr - dritter Überfall auf Emster Sparkasse - Beute: 15 000 €.
Der 31-Jährige, den das Sondereinsatzkommando am 2. April in Düsseldorf dingfest machte (WR berichtete), fühlte sich schlauer als die Polizei. Das schrieb er auch so nieder, in einem Entschuldigungsschreiben, das er bei seiner Festnahme zusammen mit knapp 7 000 € Beutegeld in seiner Jackentasche aufbewahrte. Der Brief vom 9. Januar 2007 war an die Sparkasse Hagen adressiert und frankiert - allerdings nicht abgeschickt. Präsidiumsintern nennen die ermittelnden Beamten den Mann „kleinen Dagobert”, in Anspielung auf den Karstadt-Erpresser Dagobert. Als „lieb, nett und zuvorkommend”, beschreibt ihn Kriminalhauptkommissar Wolfgang Büchling, der mehrere Verhöre mit dem Täter führte. Der hat die drei Überfälle umfänglich eingeräumt. „Er fühlt sich als Gutmensch, aber ab und zu muss er Banken überfallen, er kann nicht anders”, beschreibt Büchling den 31-Jährigen. Denn er musste seinen aufwändigen Lebensstil finanzieren: teure Urlaube, dicke Mietwagen, die kostspielige Mitgliedschaft im Havanna-Club Bremen - und: die alten Schulden. Der alleinstehende Mann kommt aus dem ostfriesischen Papenburg, machte dort mit betrügerischen Geschäften rund 1,5 Millionen € Schulden - und schadete in seinem Heimatdorf wohl einigen. „Die hatten die Hasskappe auf ihn”, schildert Büchling - und brachten ihn zur Strecke. Ihn, der keinerlei Spuren am Tatort hinterlassen hatte, jedes Mal nach den Überfällen wie vom Erdboden verschluckt war. Für die Polizei „ein Rätsel”, aber die geprellten Ostfriesen hatten den 31-jährigen auf einem Fahndungsfoto in einer ZDF-Sendung wiedererkannt und der Polizei den Treffer verschafft. Die ermittelten drei Aufenthaltsorte: zwei in Hagen - einer davon auf Emst, wo der 31-Jährige zusammen mit einem Mitbewohner lebte - und einer in Düsseldorf, wo er sich gerade ein Ladenlokal für seine selbstständige Tätigkeit als „Finanzdienstleister” einrichtete.
Bei dem Kaufmann, der gewissenhaft eine Liste über seine ,abzuarbeitenden' Schulden führte, fanden die Beamten auch Funkscanner, mit denen der Bankräuber den Polizeifunk abhörte und so immer über die Fahndungsbewegungen der Polizisten informiert war - und auf dessen Konto, davon gehen die Hagener Beamten aus, noch mehr Überfälle im Bundesgebiet gehen.
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