Klägerin will "Geburtsort Hagen" aus Arbeitszeugnis löschen

Eine Hagenerin möchte, dass ihr Geburtsort aus dem Arbeitszeugnis gestrichen wird.
Eine Hagenerin möchte, dass ihr Geburtsort aus dem Arbeitszeugnis gestrichen wird.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kurioser Fall vor dem Arbeitsgericht: Eine Angestellte will nicht, dass ihr Geburtsort Hagen im Arbeitszeugnis genannt wird. Wegen des Rufs der Stadt.

Hagen.. Es ist wohl der verrückteste Streit, der jemals vor dem hiesigen Arbeitsgericht ausgetragen wurde: Hat die Klägerin (36) einen Anspruch darauf, dass ihr Geburtsort Hagen aus dem Arbeitszeugnis entfernt wird?

Diese kuriose Klage (Aktenzeichen 1 Ca 2432/14) trifft zufällig genau die Richtige: Richterin Stefanie Kröner. Denn von derzeit vier Kammervorsitzenden am Hagener Arbeitsgericht ist sie die einzige, die in der Volmestadt wohnt. Dies war aber nicht der Grund dafür, dass sie gleich zu Beginn des Gütetermins ihre Verwunderung äußerte: „Als ich das gelesen habe – so ganz konnte ich es kaum glauben.“

Richterin: „Ein glattes Gut“

Der Fall: Es klagt eine Angestellte, die seit 15 Jahren bei einem großen Möbel-Discounter in Hagen beschäftigt ist. Die 36-Jährige, in ungekündigter Stellung, hatte sich im November von ihrem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen. Rundum positiv liest sich die schriftliche Beurteilung. So arbeitete die Frau „stets zuverlässig. Sie zeichnet sich durch Verantwortungsbewusstsein, Genauigkeit und Umsicht aus. Auch besitzt sie eine gute Auffassungsgabe und erkennt das Wesentliche.“

Zudem sei sie ehrlich und pünktlich. „Die ihr übertragenen Aufgaben erfüllt sie stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“ Was gibt es daran zu mäkeln? Richterin Kröner beurteilt das Zeugnis so: „Es entspricht einem glatten Gut.“ Und sie rät dringend: „Das Arbeitsverhältnis besteht noch fort. Man sollte es nicht durch einen Rechtsstreit belasten.“ Ob die Klägerin diesem Rat der Richterin nach dem Gütetermin folgen wird und die Klage zurückzieht, ist aber noch unklar.

Denn für den Anwalt der Klägerin steckt die Tücke im Detail: „Die Angabe des Geburtsortes“, findet Arbeitsrechtler Ingo Graumann (71) aus Iserlohn, „das geht gar nicht.“ Der gewitzte Anwalt hat deshalb diese Zeugnisklage eingereicht: Hagen müsse aus dem Zeugnis gestrichen werden. „Niemand kann sich seinen Geburtsort aussuchen, deshalb gehört er auch nicht in eine Arbeitsbeurteilung.“

Duzfreund von Ex-Kanzler Schröder

Ingo Graumann ist Gründungsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht“ im Deutschen Anwaltverein. Das Magazin Focus kürte ihn 2004 zum „empfohlenen Experten für Arbeitsrecht“. Seit seiner Jugendzeit ist er ein Duzfreund von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, mit dem er einst in einer Wohngemeinschaft lebte.

Der Arbeitsrechtler nennt ein Beispiel: „Stellen Sie sich vor, ein Personalchef hat Unterlagen von zwei gleich guten Bewerbern auf dem Tisch. Der eine stammt aus München, der andere aus Karl-Marx-Stadt. Für wen wird er sich wohl entscheiden?“

Wenn man in einem Ort geboren wurde, der einen negativen Ruf habe, könnte das bei einer Bewerbung durchaus ein Nachteil sein. „Personalchefs sind auch nur Menschen.“ Deshalb sei der Geburtsort im Zeugnis tabu.

„Ich weiß genau, wovon ich rede“, sagt Ingo Graumann. „Meine Oma stammt aus Haspe und ich habe früher oft genug darunter gelitten. An dem Ort klebte damals das Image einer Hüttenstadt.“