Kita-Kinder entdecken ihre Grenzen

Prävention gegen sexuellen Missbrauch. die kita Arche Noah arbeitet mit der Fachstelle "Wildwasser" zusammen.
Prävention gegen sexuellen Missbrauch. die kita Arche Noah arbeitet mit der Fachstelle "Wildwasser" zusammen.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Elf Kinder der katholischen Kindertagesstätte „Arche Noah“ werden ab Sommer das erste Schuljahr besuchen und damit in eine für sie völlig neue Welt eintauchen.
Gemeinsam mit der Fachstelle für sexualisierte Gewalt „Wildwasser“ haben die Verantwortlichen der KiTa ein Angebot geschaffen, um den Kindern Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen, wie sie sich gegenüber Mitschülern, aber auch Erwachsenen verhalten können, wenn diese sie bedrängen.

„Es geht uns vor allem um Prävention. Thematisch geht es unter anderem um Gewalt auf dem Schulhof, aber auch um sexuellen Missbrauch“, verriet Einrichtungsleiterin Jennifer Schulte, die im Rahmen einer Elterninformationsveranstaltung über die Vorhaben aufklärte und auf breite Zustimmung stieß.

Mit Gefühlen richtig umgehen

„Die Kinder lernen vor allem ,Nein’ zu sagen. Es geht um das Bewusstsein des eigenen Gefühlslebens und den richtigen Umgang damit“, betonte Petra Rottmann (47) von „Wildwasser“, die in den vergangenen drei Wochen gemeinsam mit Mitarbeiterin Esma Belhadj-Fariad (29) regelmäßig mit den Kindern arbeitete.

Im Rahmen des Selbststärkungsprogramms lernten die Kinder, dass ihr Körper ihnen gehört und sie selbst bestimmen dürfen, wer sie anfassen darf und wer nicht. Dabei geht es vor allem darum, dass Erwachsene die Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen ihrer Kinder respektieren.

Täter häufig aus Bekanntenkreis

„Es geht auch darum, dass Kinder den Mut finden, Hilfe zu holen, wenn ihre Grenzen überschritten werden. Sie müssen die Gewissheit haben, dass sie sich einem Erzieher oder den Eltern stets anvertrauen können, wenn sie in eine für sie bedrohliche Lage geraten“, erklärte Jennifer Schulte.

Bei Missbrauchsfällen kommen die Täter, laut Jennifer Schulte, häufig aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis. Das schaurige Bild eines haltenden Autos, in das Kinder auf offener Straße hineingezogen werden, sei nicht der Regelfall, so die Erzieherin. „Wir haben über Gefühle gesprochen und was wir sagen, wenn uns etwas nicht gefällt“, bringt die sechsjährige Lilly die Kerninhalte der gemeinsamen Arbeit auf den Punkt.

Das Präventivprojekt des Vereins „Wildwasser“ soll zukünftig auch in anderen Hohenlimburger Kindertagesstätten angeboten werden. Ein ähnliches Angebot gibt es auch für erwachsene Teilnehmer.