Keine Lurche

Es ist verdammt ruhig geworden rund um das rosafarbene Haus. Drei Wochen ist es inzwischen her, dass die Bewohner das Feld räumten und letztlich unter Polizeibegleitung einem Gerichtsvollzieher die Schlüssel aushändigten. Die Stadt Hagen ist jetzt nicht bloß Eigentümer, sondern auch Besitzer des legendären Gebäudes.

Passiert ist seitdem freilich wenig. Zumindest äußerlich scheint die Immobilie in einen tiefen Dornröschenschlaf gefallen zu sein. Doch dieser Eindruck trügt. Im Inneren hat der Abriss längst begonnen – ökologische Korrektness ist angesagt. Reichlich Unrat wird aufgetürmt, Altreifen aus den hintersten Ecken geborgen, Schutt nach Wertstoffen separiert, um wiederum sortiert entsorgt zu werden. Auch kontaminierte Böden rund um die Öltanks im Keller müssen noch aufwändig beseitigt werden. Abriss bedeutet heute eben nicht bloß, einfach mit dem Bagger anzurollen und alles platt zu machen.

Aber auch diese Phase wird irgendwann kommen. Beim federführenden Wirtschaftsbetrieb Hagen geht man davon aus, dass nach den Osterferien endgültig planiert und Platz für den nächsten Bauabschnitt der Bahnhofshinterfahrung geschaffen wird. Die Genehmigung liegt längst vor: Denn die Artenschützer haben bei ihrer Abschluss-Inspektion weder eine seltene Fledermaus-Spezies noch einen bislang unbekannten Lurch in den verwunschenen Ecken des Objektes entdeckt . . .