Keine Karte - Schülerin nach Sturz in Arztpraxis abgewiesen

Hier geschah der Sturz: Saliha Hille rutschte auf den Treppen aus. Doch beim Arzt wurde sie abgewiesen.
Hier geschah der Sturz: Saliha Hille rutschte auf den Treppen aus. Doch beim Arzt wurde sie abgewiesen.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die 15-jährige Saliha Hille verletzte sich auf dem Weg zum Schulbus am Knie und suchte deshalb eine Arztpraxis auf. Doch weil sie die Versichertenkarte nicht dabei hatte, wurde sie nicht behandelt.

Hagen.. Wie an jedem Mittwochmorgen verließ Saliha Hille (15) das Haus, um zum Schulbus zu gehen. Sie war schon bei den untersten Treppenstufen angelangt, als das Unglück geschah: Die Schülerin rutschte aus und schlug mit dem Knie hart auf dem Boden auf. Zwar konnte sie sich aufrappeln und zum Ricarda-Huch-Gymnasium fahren, aber nach der ersten Stunde waren die Schmerzen so stark und das Knie derart angeschwollen, dass sie beschloss, einen Arzt aufzusuchen: „Ich konnte kaum auftreten.“

Doch in der chirurgischen Gemeinschaftspraxis von Dr. Georg-Paul-Schulte und Dr. Christoph Tacke, die nicht weit von der Schule entfernt liegt, erlebte das Mädchen eine schroffe Abfuhr: „Die Sprechstundenhilfe am Empfang hat mich abgewiesen.“ Begründung: Saliha habe ihre Versichertenkarte nicht dabei, folglich könne sie auch nicht behandelt werden. Aber sie sei doch hier Patientin, ihre Daten müssten vorliegen, wagte das Mädchen vorzubringen. Die Sprechstundenhilfe schüttelte den Kopf. Ob sie die Karte nicht nachreichen könne, fragte die Schülerin. Nein, das sei nicht möglich, lautete die Antwort.

Eltern sind wütend

Ohne zu einem der beiden Ärzte vorgelassen worden zu sein, musste Saliha die Praxis wieder verlassen. Sie humpelte zur Schule zurück und rief ihre Mutter an, die sie schließlich ins Johannes-Hospital nach Boele brachte, wo eine schwere Knieprellung diagnostiziert wurde. Keine dramatische Verletzung also, doch die Zurückweisung in der Arztpraxis hat die Eltern wütend gemacht: „Ein unverschämtes Verhalten, das ich in keiner Weise nachvollziehen kann“, ärgert sich Gaby Hille: „Zumal wir dort seit Jahren Patienten sind und immer gut behandelt wurden.“ Was wäre gewesen, wenn Saliha schwer verletzt gewesen wäre? Dürfen Patienten mit akuten Beschwerden bzw. Notfälle überhaupt abgewiesen werden? Und muss nicht ein Arzt statt einer Arzthelferin entscheiden, ob ein Notfall vorliegt?

Arzt muss Diagnose treffen

Doch, es sei natürlich Sache eines Mediziners, eine Diagnose zu treffen und zu beurteilen, ob ein Notfall vorliege, so Volker Heiliger, Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Gerade wenn Kinder oder Jugendliche in die Praxis kämen, sollten die medizinischen Fachangestellten besonders sensibel reagieren und nicht mit Vorschriften winken: „Das ist sicherlich ein unglücklicher Einzelfall. Unsere Ärzte kümmern sich um ihre Patienten.“ Und eine Versichertenkarte könne selbstverständlich nachgereicht werden.

Auch Dr. Georg-Paul Schulte versichert, Notfälle könnten jederzeit in die Praxis kommen und würden selbstverständlich behandelt: „Der Vorfall ist mir unangenehm, stellt aber eine Ausnahme dar.“ Alle Mitarbeiter würden regelmäßig geschult. Die Sprechstundenhilfe habe auf Nachfrage angegeben, das Mädchen habe nichts von einem Unfall gesagt. Aber vielleicht, so der Chirurg, habe die Mitarbeiterin einfach einen schlechten Tag gehabt: „Und dafür kann ich mich nur entschuldigen.“