Kaugummis aus Nasenlöchern geknibbelt

Täglich sind die AS-Teams in Haspe unterwegs, um die Straßen und Bürgersteige sauber zu halten.
Täglich sind die AS-Teams in Haspe unterwegs, um die Straßen und Bürgersteige sauber zu halten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Verein „Arbeit schaffen in Haspe“ (AS) ist seit 15 Jahren rund um den Kreisel unterwegs. Die Teams halten den Stadtteil sauber.

Hagen.. Dass es diese Teams gibt, ist ein Segen für das Hasper Stadtbild. Zuverlässig sorgt der AS-Verein (Arbeit schaffen in Haspe) für Sauberkeit auf Straßen und Bürgersteigen sowie in den Parks und auf den Grüninseln. An den Müll-Greifzangen hängen Menschen, die meist nicht bloß auf dem Arbeitsmarkt zu den Gestrandeten zählen, sondern auch ansonsten vom Leben selten begünstigt wurden. Erst ein halbes Dutzend hat nach den Schicksalsjahren der Langzeitarbeitslosigkeit wieder in einem normalen Job Fuß gefasst.

Seit 15 Jahren gehören die orangefarbenen Westen der AS-Mitarbeiter zum Straßenbild rund um den Kreisel. Keineswegs ein Grund zum Feiern – eher beschämend, dass unsere Wegwerfgesellschaft ohne diese stillen Dienstleister offenkundig nicht mehr auskommt. 2000 blaue 100-Liter-Säcke mit Abfällen befüllen die AS-Teams alljährlich mit den Hinterlassenschaften der Hasper. Tonnenweise Unrat, achtlos weggeworfen und vom Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) allein kaum mehr zu bändigen. Eine Unterstützung, die der HEB ausdrücklich wertschätzt: „Mit der Zusammenarbeit sind wir sehr zufrieden“, bestätigt HEB-Sprecherin Jacqueline Jagusch, „daher helfen wir auch gerne mit Verbrauchsmaterialien und bei anfallenden Reparaturen.“

„Bezirksvorsteher Jochen Weber hat mir das Thema damals aufs Auge gedrückt“, erinnert sich der AS-Vorsitzende Rolf Friedhoff an die Geburtsstunde des Vereins. „Zwei Dinge standen damals im Fokus: Wir wollten fürs Hasper Stadtbild was Gutes tun und gleichzeitig diesen Menschen eine Perspektive eröffnen. Selbstbestätigung zu tanken, sich ein paar Mark dazuzuverdienen.“ Heute sind es Euros, die es vom Jobcenter gibt. 1,50 pro Stunde, bei 30 Wochenstunden maximal 180 Euro im Monat. Mehr darf ein Hartz-IV-Empfänger nicht dazuverdienen.

Helfer beim Wertstoffhof

Neben der Straßen- und Grünflächensauberkeit kümmern sich die bis zu 15 AS-Beschäftigten inzwischen auch um den Wertstoffhof (montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr, samstags von 8 bis 14 Uhr) neben der ehemaligen Bezirksverwaltungsstelle an der Preußerstraße. Dort werden neben Gelben Säcken auch größere Mengen an Pappen und Kartonagen von Gewerbetreibenden entgegengenommen. „Am Wochenenden wickeln wir hier bis zu 100 Fahrzeuge ab“, erzählt Ullrich Schnell und berichtet von durchweg positiven Rückmeldungen bei den Bürgern. „Unsere Mitarbeiter gelten als höflich, zuvorkommend und hilfsbereit.“

„Doch das ist nicht immer so“, erzählt Vorstandsmitglied Rolf Klinkert. Mal gibt es ausdrücklich Lob von den Passanten und Anwohnern, gelegentlich ein verstecktes Trinkgeld. Mal sehen die AS-Mitarbeiter sich aber auch Pöbeleien ausgesetzt, dummen Sprüchen über Gesindel und Sozialschmarotzerei. „Da müssen wir eingreifen“, so Klinkert. „Ich sage unseren Teams dann immer: Solche Sätze sagen was über die Leute aus, die sie sagen, nicht über euch.“

Jeden Morgen treffen sich die AS-Mitarbeiter bei Wind und Wetter um 8 Uhr an der Marktmeisterbude an der Preußerstraße, wo ihre Gerätschaften untergebracht sind. Dort werden von Vorstandsmitgliedern Teams zusammengestellt und Aufgaben verteilt, die bis 13.30 Uhr zu erledigen sich. Dazu gehört auch die Pflege von Hasper Denkmälern, weil für diesen Job den Verantwortlichen der Stadtverwaltung aus finanziellen Gründen die Puste ausgeht. So übernimmt der AS-Verein beispielsweise den Neuanstrich des Hasper Kohlenbahn-Denkmals oder knibbelt dem Schmied mit Lehrling auf der Ennepe-Brücke am Kirmesplatz die Kaugummis wieder aus Augen- und Nasenlöchern.

Scheitern am Faktor Mensch

Gescheitert sind die AS-Mitarbeiter jedoch mit dem Projekt, in Haspe die Tütenspender für Hundekot zu betreuen: Entweder die Beutel sind permanent geklaut oder die brav befüllten Tüten finden sich in irgendwelchen Gebüschen statt in den Mülleimern wieder. Hier scheitert eine gute Idee am größten Stadtsauberkeitsproblem – dem Faktor Mensch. Beschämend, aber die Garantie dafür, dass Haspe auf den Service des AS-Vereins auch in den nächsten 15 Jahren wohl kaum verzichten kann.