Das aktuelle Wetter Hagen 15°C
Arnsberg entscheidet gegen fünf Kneipen

Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot

11.07.2008 | 16:25 Uhr
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot

Der Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot. Als erstes Hagener Lokal ist jetzt das „Ambiente” an der Hochstraße/Goldbergstraße vor den Kadi gezogen. Jedoch ohne Erfolg.

 Die Verwaltungsrichter in Arnsberg entschieden: Kein „Feuer frei” für Tabakfreunde. Derzeit qualmen die Glimmstängel fleißig weiter. Die Frage ist lautet jedoch: Wie lange noch?  Für Helge und Gerd Caspari, die die Eckkneipe „Ambiente” (früher „Keeper”) betreiben, geht es um die Existenz: „Welcher Gast will beim gemütlichen Bier aufs Zigarettchen verzichten?”  Dem neuen Nichtraucherschutzgesetz wollten die Wirtsleute deshalb Paroli bieten und dem Ordnungsamt ein Schnippchen schlagen: Am 15. Juni gründeten sie, zusammen mit vier anderen Stadtwirten, den „Ersten Hagener Raucherclub”. Seitdem sind „Enge Weste”, „Kulisse”, „Tönnchen” und „Anno 1911”, die sich der „Ambiente”-Initiative angeschlossen haben, allesamt als „Clublokale” ausgewiesen - wo nur noch der trinken und speisen darf, der Qualm und Rauch schriftlich akzeptiert, drei Euro berappt und dadurch Mitglied im „geschlossenen Rauch- und Kneipenclub zur Pflege der Rauch- und Kneipenkultur” wird. Klingt ebenso hochtrabend wie trickreich. Das juristische „gewusst wie” hatte Anwalt Carl Peter Piepenstock beigesteuert. Donnerstagabend konnte das „Ambiente” bereits sein 300. trinkendes Rauchermitglied aufnehmen. In allen fünf Clublokalen zusammen sollen inzwischen mehr als 1000 Gäste zu „Kneipen-Mitgliedern” geworden sein. Bei der Stadt rauchen derweil die Köpfe: Die Tricksereien an den Tresen sollen ausgebremst werden. In einer öffentlichen Mitteilung wies man deshalb darauf hin, dass so genannte „Raucherclubs” auch ausschließlich zum Rauchen da seien, nicht aber zum Trinken oder gar Essen: „Sobald eine Bewirtung stattfindet, ist der Nichtraucherschutz anzuwenden.” Gastwirtin Helge Caspari ist sauer: „Das ist reine Eigenmächtigkeit von Hagen und steht im nordrhein-westfälischen Gesetz überhaupt nicht drin.” Am 4. Juli reichte die Kneipenchefin deshalb über Anwalt Piepenstock beim Verwaltungsgericht Arnsberg einen Antrag auf einstweilige Anordnung ein: Die Stadt Hagen solle dazu verpflichtet werden, ihren Clubmitgliedern das Rauchen, Trinken und Essen in der Einraum-Wirtschaft zu gestatten. Doch die angerufenen Richter lehnten dies durch einen Eilbeschluss (Az. 14 L 452/08) ab. „Die Kammer sah hierfür keine rechtliche Grundlage”, so Gerichtssprecher Guntmar Neumann. „Zwar sind die Behörden zur Verfolgung von Verstößen gegen das Rauchverbot ermächtigt, nicht aber zur Erteilung von Ausnahmeregelungen vom Rauchverbot.” Und darauf bestünde auch kein Rechtsanspruch. Gegen den Beschluss hat der Anwalt des „Ambiente” sofortige Beschwerde eingelegt. Jetzt geht der Hagener Fall vors Oberverwaltungsgericht Münster. Wirtin Caspari ist guter Dinge, dass sich ihr derzeit größtes Problem ohnehin schon bald in Rauch auflösen könnte: „Ende des Monats muss das Bundesverfassungsgericht doch ein Grundsatzurteil fällen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Nichtraucherschutzgesetz kippen wird.”

Helmut Ullrich



Kommentare
18.07.2008
10:58
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von Joe1979 | #8

pillepalle, hansotto

Da ihr jetzt erst aus der Zeitung von der Gründung des Raucherclubs erfahren habt, werdet ihr wohl auch zuvor nicht in den genannten Gaststätten verkehrt sein, demnach wird euer Verzicht wirklich hart treffen...

@otto

Ich werde weiter als Nichtraucher in die Kneipen gehen, in denen es mir gefällt.
Wo liegt eigentlich der Unterschied, ob ich auf eine private Party gehe, auf der geraucht wird oder in eine Kneipe gehe, in der geraucht wird?

Wenn ich hier so die militanten Nichtraucher sehe, so weiß ich jetzt schon wer als hyperkorrekter Bürger über die Einhaltung der Gesetze wachen wird....

13.07.2008
21:01
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von Otto | #7

@koch4711
Mal wieder nichts verstanden. Jeder kann sich totsaufen oder totfressen wie er will. Aber es geht beim Qualmen um den Schutz von Nichtrauchern.

13.07.2008
10:35
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von koch4711 | #6

Ich hoffe das die Clubs Erfolg haben. Viel Glück.
Demnächst darf in Speisegaststätten nur noch vegetarische Kost angboten werden. Schon bekämpfen sich Fleischesser und Vegetarier.
Alkoholauschank nur noch an Rentner , gut für die
Rentenversicherung. Autofahren nur noch von 7 bis 9 und von 17 bis19 Uhr. (giftige Abgase)
Ich hoffe die Nichtraucher verkaufen jetzt ihre giftigen Kfz.

12.07.2008
22:46
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von roosterkatze | #5

Eigentlich schade, das alles vorgeschrieben wird. In der Vergangenheit hat es doch auch geklappt. Argument, zum Schutz des Personals sind lächerlich. jeder weiß vorher wo er arbeiten geht. Wenn festgestellt wird das die Steuereinnahmen aus der Nikotinsteuer nicht mehr ausreichen werden andere Verbrauchssteuern erhöht und die zahlen dann wieder alle. Übrigens , bin ich Nichtraucher, konnte aber mit der alten Lösung prima leben.

12.07.2008
22:37
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von Otto | #4

Die sollen ihre Energie nicht vor Gericht verpulvern, sondern sich einmal bei ihren Kollegen in anderen Bundesländern oder im Ausland umsehen, bei denen es auch ohne Rauchen wunderbar funktioniert.
Für mich sind diese Wirte erledigt! Sie merken gar nicht, daß sie Nichtraucher verprellen. Jeder Nichtraucher, der sich auch noch mit 3 Euro abzocken läßt, muß doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

@Tomtax
Es gibt keine militanten Nichtraucher! Jeder Nichtraucher hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

12.07.2008
10:38
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von Tomtax | #3

Militante Nichtraucher gönnen uns nicht unser Vergnügen. Es werden schon noch genug Nichtraucherkneipen übrig bleiben, in denen sie nichtrauchen können, bis zum Erbrechen. Wir lassen sie, sollen sie uns auch lassen!
Was kommt als nächstes? Alkoholverbot in Gaststätten? Sexverbot im Ehebett? Parkverbot in der eigenen Garage?
Was für ein Blödsinn!

11.07.2008
19:03
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von Hans Otto | #2

Sehe ich genau so. Eine Frechheit, dass sowas möglich ist.

11.07.2008
18:48
Kampf der Kneipen gegen das Rauchverbot
von pillepalle | #1

Dann weiß ich schon mal, in welche Lokale ich garantiert nie mehr gehen werde...

Aus dem Ressort
Ebola-Planspiel wird an Tag fünf zum Ernstfall
Ebola-Verdacht
Erst am vergangenen Freitag war der so genannte Einsatzbefehl bei der Feuerwehr geschrieben worden. Also eine Art „Drehbuch“, was zu tun ist, wenn ein Ebola-Verdachtsfall in Hagen auftritt. Niemand hätte wohl erwartet, dass dieses so schnell zum Tragen kommen würde.
In Wehringhausen gibt es grüne Paradiese zu entdecken
Lebensqualität
Zum neunten Mal lockt am Sonntag, 24. August, von 11 bis 19 Uhr der „Tag der offenen Hinterhöfe“ nach Wehringhausen. Es gibt ja viele offene Gärten und Gartenpforten, aber nur einen „Tag der offenen Hinterhöfe“. Alle Interessenten sind wieder zu spannenden Entdeckungstouren eingeladen.
Chorszene von Nordrhein-Westfalen trifft sich in Hagen
Musik
Maybebop zeigen, wie Singen geht, GMD Florian Ludwig gibt einen Workshop, beim Mitsingkonzert den Gefangenenchor schmettern: der Kongress Chor-Szene NRW des Chorverbandes NRW lockt Musikfreunde nach Hagen
Juli warm, aber zu feucht
Wetter
Der Juli 2014 entpuppte sich als der erste zu warme Monat dieses Sommers. Das haben die Aufzeichnungen der Wetterstation am Eugen-Richter-Turm ergeben.
Wann Insektenstiche gefährlich werden können
Gesundheit
Grillabende im Sommer, Freitzeitbetätigungen in der freien Natur nach Feierabend. Auch wenn der Sommer nicht gerade warm ist in diesen Tagen, geht das trotzdem. Ständiger Begleiter: Insekten. Wie gefährlich deren Stiche werden können, erklärt ein Hasper Allergologe im Interview.
Fotos und Videos
Hagen im Biergarten-Check 2014
Bildgalerie
Serie
35 Jahre Stadtteilfest
Bildgalerie
Wehringhausen
Pkw prallt gegen Mauer
Bildgalerie
Feuerwehr