Junge Frau gerät über Mitfahrzentrale in Drogengeschäfte

Die junge Frau musste für den Fahrer Kartons mit weißen Tütchen abliefern.
Die junge Frau musste für den Fahrer Kartons mit weißen Tütchen abliefern.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Marica Firch (20) sucht eine günstige Mitfahrgelegenheit von Hagen nach Wien und wird in einem Internetportal fündig. Doch die Fahrt gerät zum Alptraum.

Hagen.. Marica Firch (20) sucht eine günstige Mitfahrgelegenheit von Hagen nach Wien. Beim Internetportal Blablacar, einer der führenden Mitfahrzentralen Europas, wird sie fündig. Ein Mann (30) bietet ihr an, sie für 50 Euro in die österreichische Hauptstadt zu chauffieren. Die Fahrt gerät zum Alptraum.

Zwar kam die junge Frau mit heiler Haut davon. Doch es gelang dem Fahrer, sie unter Druck zu setzen und offenbar als Drogenkurier zu benutzen. „Der Fall liegt bei der Wiener Polizei“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Hagen: „Die Kollegen in Österreich ermitteln gegen den Mann.“

50 Euro für 912 Kilometer

Die junge Frau wurde nach einem Besuch bei ihrer Freundin (22) in Hagen morgens um 9.30 Uhr von dem Fremden abgeholt, der sich bei Blablacar mit der dürren Angabe, 30 Jahre alt und Besitzer eines blauen Dacia Logan zu sein, identifiziert hatte. Lediglich 50 Euro wollte er für die 912 Kilometer lange Strecke haben – ein Schnäppchen im Vergleich zu Flugzeug oder Bahn.

Damit entsprach er der von Blablacar ausgesprochenen Preisempfehlung von 5 bis 7 Euro pro 100 Kilometer. Autofahrer, die mehr Geld verlangen, streicht die Firma aus ihrer Datei, da bei Mitfahrgelegenheiten niemand eine höhere Summe verlangen darf, als zur Deckung der Kosten notwendig wäre. „Wer Fahrten anbietet, um Geld zu verdienen, macht sich strafbar“, so Blablacar-Sprecher Christian Schiller.

Karton mit weißem Pulver

Statt den direkten Weg nach Wien anzupeilen, steuerte der Fahrer Köln an, wo er die junge Frau, die kein funktionstüchtiges Handy dabei hatte, aufforderte, einen Karton in einem Kiosk abzugeben. Anschließend habe sie zu warten, bis der Karton wieder vor die Tür gestellt werde, dann müsse sie ihn ins Auto zurückbringen. Falls sie nicht gehorche, werde er sie aus dem Auto werfen, drohte der Mann.

Die eingeschüchterte Frau tat wie geheißen und stieg mit dem Karton wieder ein. Die Fahrt führte nun nach München, wo sich das Spiel vor einem Blumengeschäft wiederholte. Diesmal gelang es ihr, einen Blick in den Karton zu werfen, in dem sie mehrere Tütchen mit weißem Pulver bemerkte.

Glimpfliches Ende

In Hagen begann die 22-Jährige sich derweil Sorgen zu machen, weil ihre Freundin sich nicht wie verabredet nach Passieren der Grenze aus Österreich meldete. Sie informierte die Hagener Polizei, die Kontakt zu dem verdächtigen Fahrer über dessen Handy aufnehmen konnte. Er leugnete, eine Frau aus Hagen im Auto zu haben, auf weitere Anrufe rea­gierte er nicht mehr. Und er brachte die junge Frau auch nicht, wie vereinbart, nach Hause, sondern setzte sie irgendwo in Wien ab. So entkam er der österreichischen Polizei, die an der Adresse der jungen Frau bereits auf ihn wartete. Sie selbst war erst um 4.30 Uhr daheim, sieben Stunden später als erwartet. Zwar war sie glimpflich davongekommen, doch besteht der Verdacht, dass der Fahrer sie in kriminellen Machenschaften verwickelte.

Die Firma Blablacar hat den Mann aus ihrer Kartei entfernt, er darf keine Mitfahrangebote mehr tätigen. Zudem ist ihm, da seine rumänische Identität bekannt ist, die österreichische Kripo auf den Fersen. Die junge Frau dagegen wird nie mehr die Dienste einer Mitfahrzen­trale beanspruchen, sondern lieber auf die teureren, ihr jedoch sicher erscheinenden Angebote von Fluggesellschaften und Eisenbahnunternehmen zurückgreifen.