Jugend im Kosovo ist ohne Perspektive

Ihre Eltern stammen aus dem Kosovo, sie leben seit vielen Jahren in Hohenlimburg und Letmathe, sind hier zum Teil geboren. Deshalb verfolgen sie mit großem Interesse und großer Anteilnahme die Flüchtlingswelle, die seit rund zwei Monaten aus dem Land ihrer Väter nach Deutschland und jetzt auch nach Hohenlimburg schwappt. „Die Jugend hat keine Perspektive. Sie fühlt sich dort eingeschlossen“, sagen die vier Männer, die gestern Morgen im kleinen Eiscafé an der Möllerstraße die auch für sie überraschende Situation diskutieren. „Der Kosovo ist offiziell nur mit einem Visum zu verlassen. Die Jugend aber möchte Europa sehen und hier leben. Deshalb nutzt sie die Möglichkeit, irgendwie über Ungarn auszureisen.“

Und sie nennen noch weitere Gründe der Flüchtlingswelle: Die noch nicht verheilten Wunden des Bürgerkrieges mit Serbien und die damit verbundene Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen, ebenso die Armut und die Korruption im Land. „Die neue Regierung hat nach den Wahlen ein halbes Jahr benötigt, um eine Koalition zu bilden. Das ist nicht gut.“

Helfen wollen sie natürlich jenen Menschen, die aktuell nach Hohenlimburg kommen. Ihnen, falls nötig, Kleidung bringen und auch, wenn es erforderlich ist zu dolmetschen, wie Nexhdet Idrizaj (41) und Rasim Berisha (29) versichern.

Nexhdet Idrizaj lebt seit 1987 in Hohenlimburg. Er erinnert daran, dass Anfang der 90er Jahre zahlreiche albanische Familien in Hagen in Notunterkünften (Turnhallen) untergebracht waren.

Letztlich eint das Quartett eine Meinung, die in einigen Teilen der Hohenlimburger Bevölkerung auf Zustimmung stoßen wird, in anderen Teilen nicht. „Diese Menschen müssen in den Kosovo zurückkehren. Sonst gibt es dieses Land bald nicht mehr.“ Denn im Kosovo leben gegenwärtig nur noch rund 1,8 Millionen Menschen. Exakt so viele, wie in der Schweiz, Österreich, Deutschland und in den USA mit kosovarischen Wurzeln.