Jörg Dehm (CDU) neuer Oberbürgermeister
30.08.2009 | 22:16 Uhr 2009-08-30T22:16:00+0200
Hagen. Jörg Dehm gegen Jochen Weber - der christdemokratische Herausforderer gegen das sozialdemokratische Urgestein: Hagen erwartete bei der Wahl des Oberbürgermeisters ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Es kam anders. Mit 39,5 Prozent der Stimmen setzte sich Dehm klar gegen Weber mit 27,2 Prozent durch
Der 46-jährige Dehm muss beim früheren NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) stibitzt haben. Vor neun Jahren warb Clement bei der Landtagswahl auf Plakaten für sich mit einer einzigen Botschaft: „Weil er es kann.” Mit Erfolg. Dehm warb mit Anzeigen in unserer Zeitung: „Einer, der es kann.” Ebenfalls mit Erfolg.
Die Wähler vertrauen dem Verwaltungsfachmann aus Mülheim. Sie wollen an der Spitze der Stadt einen Mann von außen, einen Mann, der sein Handwerk versteht. Das große Vertrauen ehrt ihn: „Es ist wie ein kräftiger Stoß in den Rücken. Ich freue mich auf die Arbeit in Hagen.” Nie hatte Dehm an ein so klares Wählervotum gedacht. Nach der Auszählung von 25 der 179 Stimmbezirke liegen die Spitzenkandidaten nur vier Stimmen auseinander, danach öffnet sich die Schere: „Ich habe es enger erwartet.”
Seinem Gegenspieler Weber zollt er Lob. „Es war ein fairer Wahlkampf und menschlich in Ordnung.” Der Sozialdemokrat hat Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. „Der Einsatz hat sich nicht gelohnt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das Ergebnis so eindeutig ausfällt.” Weber bietet dem Christdemokraten die Zusammenarbeit an, „denn die soziale Komponente darf nicht verloren gehen”.
Wer mit wem nach der Wahl kooperiert oder koaliert, darüber will Dehm nicht spekulieren. Vieles spricht für den Fortbestand von Schwarz-Rot. Das zeigt das Endergebnis für den Rat der Stadt. CDU: 33,3 Prozent, SPD 29,3 Prozent, Grüne 11,9 Prozent, Hagen Aktiv 7,7 Prozent, FDP 7,6 Prozent. Und Dehms erster Kommentar zielt in diese Richtung: „Wichtig ist es, künftig mit breiten Mehrheiten zu arbeiten.” Sein Vorgänger, Sozialdemokrat Peter Demnitz - er trat nicht mehr zur Wahl an - drückt dem Sieger die Daumen: „Sein Handlungsspielraum wird nicht größer sein.”
Zu den ersten Gratulanten Dehms zählt der Hagener Bundestagsabgeordnete Rene Röspel (SPD): „Ich wollte Ihnen eine gute Hand für die Stadt wünschen.” Röspel selbst ist über die geringe Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl, sie liegt bei 45,7 Prozent, entsetzt: „Dass die Menschen diese Chance, ihre demokratischen Vertreter direkt zu wählen, nicht wahrnehmen, enttäuscht mich.”
Angesichts der prekären finanziellen Lage der Stadt - jede Stunde sind 5000 Euro Zinsen fällig - will sich Sieger Dehm nicht lange mit der Rückschau befassen und die Arbeit beginnen. Die Umzug mit der Familie ist „nach einer Übergangsphase”, seine Töchter sind 15 und 18 Jahre alt, ins Auge gefasst: „Ich werde vom ersten Tag an da sein.”
Der Dienstantritt ist am 21. Oktober. Die Stadt ist gespannt auf den, der es kann.
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